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Exklusives Wohnen am Rand der Stadt

Marburgs Stadtteile: Wehrshausen (Teil 11 von 18) Exklusives Wohnen am Rand der Stadt

Wald, Wanderwege und ein wenig Wehmut. Wehrshausen bietet ein Leben auf dem Land, ohne dabei ein typisches Dorf zu sein. Der Stadtteil ist beliebter Wohnort mit starker Stadtbindung.

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Der Blick von oben zeigt: Wehrshausen liegt mitten im Grünen.Foto: Thorsten Richter

Wehrshausen. Ein ruhiges Leben im Grünen auf dem Dorf und doch in sieben Autominuten in der Marburger Innenstadt? Diese Bequemlichkeit wissen die rund 800 Bewohner des Stadtteils Wehrshausen zu schätzen. Der gemütliche, idyllisch gelegene Ortsteil am Peterswald ist ein beliebter Wohnort für ein ruhiges Leben in der Natur bei gleichzeitiger Nähe zur Stadt.

Wehrshausen liegt nur drei Kilometer westlich von Marburg am Hang des Höhenzugs Marburger Rücken. Im Norden und Süden wird der Ort durch großzügige, waldreiche Gebiete begrenzt, die zum Wandern einladen. In direkter Nähe des Stadtteils verlaufen mehrere Spazier- und Wanderwege, die der alten Weinstraße (Wagenstraße) folgen und einen guten Blick auf Marburg bieten. Wehrshausen wurde erstmals um 1260 als „Wehrstorf“ urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde die erste Marienkapelle errichtet, die um 1475 zur heutigen Kirche ausgebaut wurde. Der spätgotische Bau war bis ins 16. Jahrhundert hinein ein beliebter Wallfahrtsort. Teile der frühen Kapelle sind bis heute erhalten geblieben.

Der Ort selbst zieht sich großzügig und breit gefächert den Hügel hinauf, gut restaurierte Fachwerkhäuser mischen sich mit Neubauten. Es gibt einen alten Ortskern und bergauf gelegene moderne Häuser mit großzügigen Gärten. Läden und Geschäfte gibt es nicht mehr. Im Ort geblieben sind noch zwei landwirtschaftliche Betriebe, eine Malerei und eine tierärztliche Praxis.

Darüber hinaus besitzt Wehrshausen eine eigene Grundschule, die seit vorigem Jahr als Teil der Verbundgrundschulen West geführt wird und über umfangreiche Lehrangebote an verschiedenen Standorten mitsamt Nachmittagsbetreuung verfügt. Im südlich gelegenen Ortsteil Neuhöfe befinden sich zudem zwei private Förderschulen mit angeschlossenem Wohnheim.

Bekannt ist Wehrshausen unter anderem als Pferde-Standort. Es gibt zahlreiche Weideflächen, Unterstellplätze sowie ein privates Reitsportzentrum samt Reitplatz. Weitere Freizeitmöglichkeiten des Ortes sind begrenzt.

Bis vor einigen Jahren verfügte Wehrshausen noch über zwei Gaststätten mitten im Ort. Die idyllische Lage lädt jedoch viele Bewohner zu ausgedehnten Rad- und Wandertouren ein.

Beliebte Ausflugsziele der Wehrshäuser sind unter anderem die nahe gelegene Gaststätte „Sellhof“ sowie das Hotel-Restaurant „Dammühle“, der angeschlossene Minigolfplatz und die Kletterwald in der benachbarten Gemarkung Elnhausen.

Apfelbäume werden gemeinsam abgeerntet

Vor rund einem Jahr wurde zudem das Ortsprojekt „Obsternte“ eingeführt, bei dem die gemeinsam genutzten Apfelbäume auf der eigenen Obstbaumwiese von allen Bewohnern gepflückt werden können.

Einmal im Jahr wird der Großteil der Ernte zu Saft gepresst und dient den Schulkindern des Ortes als gesundes Pausengetränk. Viele Einwohner kümmern sich zudem in ihrer Freizeit um die Pflege der Bäume. Die Vereinsdichte des Ortes ist in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen.

Heute gibt es nur noch eine Handvoll Vereine, die das Leben im Ort mehr oder weniger prägen. Gut aufgestellt ist die Freiwillige Feuerwehr, die zudem aktiv in der Jugendarbeit tätig ist. Daneben gibt es den Gesangverein Wehrshausen 1889, den Seniorenclub, eine Gymnastikgruppe, die Bürgerinitiative Marburg-West gegen Fernstraßenbau A 4 sowie den Verein Kinder im Dorf. Regelmäßig finden Veranstaltungen im modernen Mehrzweckraum des Bürgerhauses statt.

Dieser wurde im Jahr 2000 errichtet und wird gut angenommen, seitdem gab es jedoch keine öffentlichen Erweiterungs- oder Baumaßnahmen mehr im Ort.

Der Ortsbeirat macht sich seit Jahren für weitere Projekte wie einen Ausbau und die Anbindung der örtlichen Fuß- und Wanderwege sowie für weitere Parkplätze im Ort stark. Bisher ohne Erfolg, dafür fehlt der Stadt das Geld, sagt Ortsvorsteher Andreas Bergmann: „Wir fühlen uns von der Stadt etwas vernachlässigt.“

Durchschnittlich ist der Wehrshäuser 47 Jahre alt

Wehrshausen ist trotzdem ein beliebter Stadtteil zum Wohnen. Aufgrund der guten Ortslage liegen die Grundstückspreise im Vergleich zu anderen Stadtteilen auf hohem Niveau. Trotzdem wurden innerhalb der letzten drei Jahre vier neue Wohnhäuser gebaut. Im Ort mangelt es allerdings an weiteren Freizeitaktivitäten und Versorgungsmöglichkeiten. Gesundheitsvorsorge, medizinische Einrichtungen oder Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht. Dies liegt zum Großteil an der Nähe zu Marburg und der guten Erreichbarkeit der umliegenden Ortschaften. Die Bewohner sind dabei auf das Auto oder den Nahverkehr angewiesen.

Die Stadtbusanbindung wird von Teilen der Bevölkerung kritisiert, ist jedoch, gemessen am Gesamtbedarf, ausreichend, so der Ortsvorsteher.

Aufgrund der Nähe und damit räumlichen Verflechtung zur Kernstadt hat die Bindung der Bewohner an ihren Stadtteil nachgelassen. Gab es früher noch regelmäßig Veranstaltungen und Treffen der Dorfgemeinschaft, ist heute alles ein wenig „eingeschlafen“, sagt Bergmann wehmütig.

Auch der Bedarf an Unterhaltungs- oder Seniorenangeboten scheint in der im Durchschnitt etwa 47 Jahre alten Bevölkerung nicht allzu stark zu sein.

Der Ortsbeirat befasst sich bereits mit diesem Thema und führt aktuell eine Bedarfsanalyse in den Bereichen Lebensqualität, Altwerden im Ort, Geselligkeit oder Nachbarschaftshilfe durch.

Die Bewohner nehmen diese gut an, sie sind sich der Vor- und Nachteile ihres Ortes bewusst, genießen die idyllische, ruhige Lage und haben trotzdem einen starken Bezug zur nahen Stadt. Wehrshausen ist eben kein „typisches Dorf“.

von Ina Tannert

Fakten zum Ort:

  • Einwohner:  807
  • Größe (Hektar):  343
  • Vereine:  6
  • Kilometer zum Zentrum:  3
  • Ersterwähnung: 1260 als „Wehrstorf“
  • Schulen:  3
  • Ortsvorsteher:  Andreas Bergmann, Kontakt: Telefon 0 64 21 / 3 20 67
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