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Einst Dorf, jetzt Wohn- und Gewerbeort

Marburgs Stadtteile: Wehrda (Teil 4 von 18) Einst Dorf, jetzt Wohn- und Gewerbeort

Wehrda war ursprünglich ein Bauerndorf, das Anfang des 20. Jahrhunderts knapp 900 Einwohner zählte. Heute wohnt dort etwa ein Zehntel der Marburger – ähnlich wie in Cappel am anderen Ende der Stadt.

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Der Blick auf Wehrda von oben zeigt, dass ein Großteil der Fläche aus Wald besteht.

Quelle: Thorsten Richter

Wehrda. Allerdings ist Cappel von der Fläche her fast doppelt so groß wie Wehrda. Die gut 800 Hektar, auf denen sich der nördliche Stadtteil ausbreitet, bestehen zudem etwa zur Hälfte aus Wald. „Ausweitungsflächen für Neubauten gibt es keine mehr“, berichtet Ortsvorsteher Dirk Vaupel (42), der seit fünf Jahren im Amt ist. Der gebürtige Wehrdaer verweist zugleich auf den demografischen Wandel: „Viele Häuser werden derzeit von Alteingesessenen verkauft. Dort ziehen jetzt jüngere Leute ein.“

Die Infrastruktur lässt sich laut Vaupel für Wehrda kaum verbessern. Es gebe dort vier Kindergärten, eine Grundschule, ein Schwimmbad, Ärzte, Apotheke, einen kleinen Lebensmittelladen, zwei Metzger, mehrere Bäckereien – und natürlich das große Einkaufszentrum im Gewerbegebiet „mit seinen kostenlosen Parkplätzen“.

Auch die Stadtbusanbindung montags bis freitags im Viertelstundentakt sei hervorragend. Und für Behördengänge gibt es genauso wie in Cappel und Marbach eine Verwaltungsaußenstelle, in der das gleiche Angebot wie im Stadtbüro am anderen Ende der Stadt genutzt werden kann. Vaupel weiß, dass darauf auch Menschen aus dem Waldtal, aus Michelbach und vom Afföller zurückgreifen.Als „großes Pfund“ des Stadtteils bezeichnet Vaupel das Diakoniekrankenhaus, in dem seit einiger Zeit auch der ärztliche Notdienst stationiert ist.

Der Bau des Diakonissen-Mutterhauses „Hebron“ wurde während des Ersten Weltkrieges begonnen. Seinen Charakter als „Dorf mit bäuerlicher Struktur“, wie Hans Dittmar 2007 in der Festschrift „775 Jahre Wehrda“ schreibt, verlor der Ort erst danach. Zu einem „gut entwickelten Wohn- und Gewerbevorort von Marburg“ (Dittmar) wurde Wehrda aber so richtig erst nach 1950, als zunehmend mehr Baugebiete ausgewiesen wurden.

Dass es sich in Wehrda gut leben lässt, bestätigt auch Arne-Christoph Dörbecker. Der 27-Jährige ist dort geboren und wohnt weiter dort, obwohl er derzeit in Gießen studiert. „Ich fühle mich im Ort gut aufgehoben“ sagt er. Und lobt die Vereine – besonders zwei. „Der Fußballverein ist eine tolle Truppe.“ Und auch in der Freiwilligen Feuerwehr habe er sich immer wohl gefühlt.

Weiter Probleme durch Rechts-vor-Links-Regelung

Auch wer erst als Erwachsener nach Wehrda gezogen ist, will dort nicht mehr weg – wie Walter Peter. Der 76-Jährige stammt aus dem Fronhäuser Ortsteil Hassenhausen. „Weil ich in Marburg gearbeitet habe, bin ich 1974 nach Wehrda gekommen, habe ,Am Mühlhof‘ gebaut.“ Peter genießt die Nähe des Waldes, macht dort jeden Tag einen zehn bis zwölf Kilometer langen Spaziergang. „Warum sollte ich auch wegziehen?“, fragt er.

Hat er doch alles, was er braucht, im Ort. Natürlich kaufe er auch im großes Einkaufszentrum ein. Aber wenn‘s um die Wurst geht, dann ist der Metzger im Ort die erste Wahl: „Da weiß ich, wo das Fleisch herkommt.“Während Peter sagt: „Besser als hier kann man es gar nicht haben“, übt Dörbecker auch verhaltene Kritik. Er, der in der viel befahrenen Wehrdaer Straße wohnt, wünscht sich manchmal, auch in einer Tempo-30-Zone zu wohnen – wie seit Sommer vergangenen Jahres der Großteil der Wehrdaer. Für Tempo 30 habe der Ortsbeirat sich immer ausge­sprochen, betont Ortsvorsteher Vaupel. Allerdings bereite die damit einhergehende Rechts-vor-Links-Regelung nach wie vor große Probleme.

Ortsvorsteher plant ein Verkehrsforum

Deshalb will Vaupel erreichen, dass auf den Straßen, auf denen Stadtbusse verkehren, Ausnahmen von der generellen Rechts-vor-Links-Regelung gemacht werden. Diese Möglichkeit sehe eine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung vor.

Bis Anfang des Jahres wollte die Straßenverkehrsbehörde ursprünglich zu einer Entscheidung kommen, berichtet Vaupel. Jetzt sei ihm mitgeteilt worden, dass sich die ganze Angelegenheit noch bis Mai hinziehen werde.Vaupel ist darüber sichtlich verärgert – auch darüber, dass der Ortsbeirat nach dem gemeinsamen Ortstermin Anfang September (die OP berichtete) nicht mehr weiter in das Verfahren eingebunden worden sei. Er werde jetzt auf eine schnelle Entscheidung drängen und trägt sich mit dem Gedanken, in naher Zukunft ein Verkehrsforum in Wehrda auszurichten.

Auch gegen die Belastung der Anwohner in der Goßfeldener und Cölber Straße aufgrund des Durchgangsverkehrs müsse dringend etwas getan werden, betont Vaupel. „Ich bin kein Freund des Kreisels“, sagt er. Denn der ermögliche den Autos aus Richtung Lahntal das schnelle Abbiegen und benachteilige die Wehrdaer.

Feuerwehr-Mädchen brauchen UmkleideraumEs sei deshalb erforderlich, die Goßfeldener Straße durch Rückbau so zu gestalten, dass die Fahrt durch Wehrda länger dauere als über die Bundesstraße und Stadtautobahn.Gibt es außerdem noch Wünsche der Wehrdaer an die Stadt, die möglichst bald in Erfüllung gehen sollten? Vaupel nennt zunächst die Verlängerung der Hallenbad-Öffnungszeiten, besonders während der Ferien.

Um diesem Wunsch Nachdruck zu verleihen, hat die Wehrdaerin Gabriele Borgemeister bereits 1 100 Unterschriften an Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) übergeben.Außerdem hält es Vaupel für dringend erforderlich, dass die Freiwillige Feuerwehr zusätzliche Umkleidemöglichkeiten für Mädchen erhält. Diese müssten sich bisher im Heizungsraum umziehen – und das, obwohl sich in der Wehrdaer Jugend­feuerwehr mehr Mädchen als Jungen engagieren.

von Michael Arndt

Termine 2014:

  • 19. April: Osterfeuer der Burschenschaft und des FV Wehrda (Sportgelände FV Wehrda)
  • 24./25. Mai: Reitturnier des Reit- und Fahrvereins (Reitanlage Auf der Beute)
  • 28./29. Mai: Würstchenbraten der Freiwilligen Feuerwehr (Gerätehaus)
  • 18./19. Juni: Würstchenbraten des Schützenvereins (Schützen­haus)
  • 19. bis 22. Juni: Jugendfußballtage des FV Wehrda (Sportplatz Cölber Straße)
  • 21. Juni: Sonnwendfest des FV Wehrda (Sportplatz Cölber Straße)
  • 2. August: Straßenfest (Waldweg)
  • 6./7. September: Jugendfußball­camp des FV Wehrda (Sportplatz Cölber Straße)
  • 12. bis 14. September: Oktoberfest des FV Wehrda (Sportplatz Cölber Straße)
  • 28. September: Herbstfest und Tag der offenen Tür (Lahnwerkstätten)
  • 7. November: Laternenfest der Kita Unter dem Gedankenspiel
  • 9. November: Königsschießen des Schützenvereins (Schützen­haus)
  • 15. November: Apfelweinfest des FV Wehrda (Sportheim Cölber Straße)
  • 28. November: Adventsfeier des Geschichts- und Kulturvereins (Gemeindehaus der Martinskirche)
  • 29. November: Adventsfeier für ältere Mitbürger (Evangeliumshalle)
  • 6./7. Dezember: Jugendweihnachtsturnier (Sporthalle Waldschule)
  • 21. Dezember: Weihnachtskonzert des Männerchores (Evangeliumshalle)

Fakten zum Ort:

Einwohner: 6 558

Größe (Hektar): 812

Vereine: 20

Kindergärten: 4

Schulen: 1

Kilometer zum Zentrum: 4

Ersterwähnung: 1232 als „Werthe“

Ortsvorsteher: Dirk Vaupel

Kontakt: 06421 / 86218 oder 0172/6741742

Bürgersprechstunde: Montag und Donnerstag, 10 bis 12 Uhr, Dienstag, 16 bis 18 Uhr

Die Verwaltungsaußenstelle Wehrda im Bürgerhaus Freiherr-vom-Stein-Straße 1: Montag bis Freitag, 8.30 bis 12 Uhr, und Dienstag, 16 bis 18 Uhr, Telefon 0 64 21 / 8 23 15 oder 87 19 39.

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