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Ein Dorf wie eine Stadt

Marburgs Stadtteile: Elnhausen (Teil 10 von 18) Ein Dorf wie eine Stadt

Elnhausen ist der Fläche nach der zweitgrößte Außenstadtteil, nur Cappel ist größer. Der Ort betrachtet sich selbstbewusst als Mittelzentrum für die umliegenden Dörfer Dagobertshausen, Dilschhausen und Wehrshausen.

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In Elnhausen leben 1275 Menschen.

Quelle: Thorsten Richter

Elnhausen. Als die Elnhäuser 2010 das 775-jährige Bestehen ihres Ortes feierten, da wählten sie als Motto den Slogan „ein Dorf wie eine Stadt“. Die Begründung lieferte der Festausschuss in der Einleitung der 742 Seiten starken Festschrift: „Wir haben vieles wie in einer kleinen Stadt, und gleichzeitig genießen wir den friedlichen Alltag eines Dorfes“ - umgeben von Feld, Wald und Wiese, beschaulich und ruhig gelegen.

Wer dort lebt, braucht eigentlich die „große“ Stadt Marburg nicht aufzusuchen. Denn es gibt in Elnhausen Arzt, Zahnarzt, Apotheker, Bäcker, einen kleinen Lebensmittelladen, zudem machen mehrere Metzger mit ihren Verkaufswagen regelmäßig Station im Zentrum. Und es gibt eine Gaststätte, ehedem waren es mal drei Dorfkneipen. Dort können Gäste auch gut übernachten, berichtet Ortsvorsteher Jan von Ploetz. Einen solchen Treffpunkt wissen auch die Dorfbewohner zu schätzen, der 1940 in Elnhausen geborene Albert Stein zum Beispiel. Er, der 38 Jahre lang bei den Behring-Werken gearbeitet und zwischenzeitlich vier Jahre in Caldern gewohnt hat, lebt nach wie vor gerne dort, „weil wir hier alles haben“. Anja Damm, die 1970 im Dorf zur Welt gekommen ist und in Wehrda arbeitet, lobt die gute Nachbarschaft: „Einer hilft dem anderen.“

Die noch weitgehend intakte Infrastruktur ist der Grund dafür, dass der Ort sich selbstbewusst als „Mittelzentrum“ für die umliegenden Dörfer Dagobertshausen, Dilschhausen und Wehrshausen versteht, wo diese nicht vorhanden ist. Die Kinder von dort besuchen in Elnhausen die Grundschule, die dem Kindergarten angegliedert ist. „Die Kinder beider Einrichtungen sind froh, dass sie denselben Schulhof nutzen dürfen“, berichtet Jan von Ploetz.

Sporthalle ist bis auf Samstag ausgebucht

In der Schule werden noch jeweils Erst- und Zweitklässler sowie Dritt- und Viertklässler gemeinsam unterrichtet.

Neben Kindergarten und Schule steht die weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Mehrzweckhalle. „Die darin integrierte Sporthalle ist bis auf Samstag ausgebucht“, sagt der Ortsvorsteher nicht ohne Stolz. Vormittags werde sie für den Schulsport genutzt, unter anderem auch von den Schülern des Stadtteils Michelbach, weil es dort keine Turnhalle gibt, nachmittags auch von den Vereinen. Und es gibt noch einen weiteren Nutzer, berichtet der Jurist Jan von Ploetz: das Justizprüfungsamt, das dort regelmäßig Prüfungen vornimmt.

Stolz sind die Elnhäuser nicht nur auf die gute Versorgung und Nachbarschaftshilfe im Ort, sondern auch auf das rege Vereinsleben, das damit in engem Zusammenhang steht. Auf dieser Basis hat sich zum Beispiel auch der Arbeitskreis (AK) „Dorfcafé“ gebildet, berichtet der Ortsvorsteher. Der AK lädt regelmäßig einmal pro Monat die ältere Generation zum Gedankenaustausch bei selbst gebackenem Kuchen in den kleinen Saal der Mehrzweckhalle ein. 30 Teilnehmer seien mehr als beachtlich, freut sich Jan von Ploetz. Angedacht sei auch ein Mittagstisch.

Wie gut sich die Elnhäuser untereinander verstehen, hat laut Jan von Ploetz auch der „wandelnde Adventskalender“ gezeigt. Der ist „bombig gut gelaufen“ schwärmt der Ortsvorsteher und berichtet von 80 bis 90 Teilnehmern am Tag vor Heiligabend. Für den kommenden Advent seien schon 15 Termine fest gebucht.

Ortsvorsteher wünscht sich Anschluss an Radwegenetz

Gibt es auch etwas, das den Elnhäusern nicht gefällt? Ja, die Schließung der Volksbank-Filiale sei sehr negativ aufgefasst worden, sagt Jan von Ploetz. Und auch die Anbindung an die Daten-Autobahnen sei nicht gut. Es gebe keinen Kabel-Anschluss, die DSL-Versorgung lasse zu wünschen übrig und wer mit dem Handy telefonieren wolle, müsse sich vorher genau informieren, ob das jeweilige Netz auch verfügbar sei. Zum Beispiel gebe es in Elnhausen kein E-Plus.

Der Lärm und der Staub vom nahen Steinbruch sowie der Verkehr aus Richtung Gießen zu den Behring-Nachfolgefirmen sorge manchmal für Unmut. Da im Dezember eine Schülerin in der Nähe der zentralen Bushaltestelle angefahren worden war, wünschen sich Eltern nun dort in Höhe des Lebensmittelladens einen Fußgängerüberweg. Ob sich dieser verwirklichen lässt, daran hat der Ortsvorsteher große Zweifel, da das Problem nur zu Zeiten des Berufsverkehrs bestehe.

Was wird sich in nächster Zeit in Elnhausen verändern?

Zunächst wird es in der Nähe des Ladens ab dem Frühjahr einen neuen Dorfmittelpunkt mit Sitzgelegenheiten geben. Und Jan von Ploetz berichtet noch von einem Projekt, das ihm persönlich, der im Sommer schon mal nach Feierabend einmal rund um Marburg radelt, ganz besonders am Herzen liegt: der Anschluss ans Radwegenetz im Marburger Land, der bisher nur in Richtung Dagobertshausen gegeben sei. Dabei könne es aus Kostengründen nicht darum gehen, neue Radwege zu bauen, sagt der Ortsvorsteher, sondern darum, bestehende Wege zu erweitern. Wichtig sei besonders der Anschluss ans Radwegenetz in Hermershausen.

von Michael Arndt

Fakten zum Ort:

  • Einwohner: 1275
  • Größe (Hektar): 918
  • Vereine: 7
  • Kilometer zum Zentrum: 8
  • Ersterwähnung: 1235 als „Ailenhusen“
  • Kindergarten: 1
  • Schule: 1
  • Ortsvorsteher: Jan von Ploetz
  • Kontakt: Telefon 06421/13838 und 26062 (dienstlich), 06420/960660 und 0171/9833473(privat), Sprechzeiten: Mittwoch, 17.30 bis 19.30 Uhr

Im Blickpunkt

Jan von Ploetz hat im November den langjährigen Ortsvorsteher Reinhold Becker beerbt. Dessen Stellvertreter war der gebürtige Nordhesse zuvor bereits gewesen. In Elnhausen „bewege ich mich seit 1992“, sagt er – der Liebe wegen. Seit 2000 lebt er als „Beigefreiter“ im Stadtteil. Der 43-Jährige hat in Marburg Jura studiert und arbeitet als Rechtsanwalt in einer Kanzlei im Marburger Südviertel.

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