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Eigeninitiative wird großgeschrieben

Bortshausen Eigeninitiative wird großgeschrieben

Im kleinen Stadtteil Bortshausen wird Eigeninitiative und Nachbarschaftshilfe großgeschrieben.

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Wehrführer Jürgen Lemmer (links), Orstvorsteher Holger Jung und Ludwig Braun an der in Eigenarbeit gebauten Brücke in Bortshausen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Umgeben von großen Waldgebieten schmiegt sich der kleine Stadtteil Bortshausen an die südlichen Ausläufer des nur einen Kilometer entfernten Frauenbergs im Süden von Marburg.
In welche Richtung man auch blickt – mächtige Waldgebiete umschließen den Ort. Direkt durch ihn hindurch fließt der Hilgerbach, ein Nebenfluss der Lahn. Den besten Blick hat man vom nahe gelegenen „Helgenberg“ (Heiligenberg).
Erstmals erwähnt wurde das Dorf im Jahr 1226 als „Burchishusen“. Der Name entstand durch die frühere Beziehung zur nahen Burg Frauenberg, weiß der ehemalige Ortsvorsteher Hans Menche, der zurzeit die Geschichte des Ortes in mühevoller Kleinarbeit aufbereitet.

Gute Anbindung an Radwege

Sehr wahrscheinlich reicht dessen Geschichte jedoch viel weiter zurück. Bereits im 12. Jahrhundert wurde ein erster Kirchturm errichtet, konnte der Hobbyhistoriker heraus finden. Die Kirche wurde mehrfach ausgebaut und Ende des 19. Jahrhunderts um einen Turm und ein Kirchenschiff im neugotischen Stil erweitert.
Im Jahr 2001 konnte der Stadtteil seine 775-Jahr Feier veranstalten. Bortshausen ist generell geschichtsbewußt und fördert den Erhalt historischer Bauten. Zahlreiche, teilweise sehr aufwändig sanierte, Fachwerkhäuser säumen die übersichtlichen Straßen. Insgesamt 17 Gebäude im Ort stehen unter Denkmalschutz.
Die idyllische Lage des Dorfes lädt zu ausgedehnten Spaziergängen, Rad- und Wandertouren ein, eine beliebte Freizeitgestaltung der Bortshäuser. Der Ort ist vorteilhaft an den gut ausgebauten Radweg zwischen Marburg und dem Ebsdorfergrund angeschlossen. Der viel befahrene Weg führt über eine lange Strecke leicht bergauf, weswegen zahlreiche radelnde Besucher in Bortshausen gerne eine Pause einlegen. Darauf haben die Einwohner reagiert und in vielen Stunden Eigenarbeit einen idyllisch gelegenen Aufenthaltsbereich direkt neben dem Radweg am ehemaligen Kreisbahnhof geschaffen.

Ofen im Backhaus wird regelmäßig angeheizt

Besonders stolz sind die Bortshäuser auch auf das ortseigene, gut erhaltene Backhaus. Etwa alle drei Wochen wird der große, steinerne Backofen angeheizt und insbesondere zu Feiern genutzt, um große Mengen Brot, Schmand- oder Flammkuchen nach altem Rezept zu backen. Alle paar Jahre veranstalten die Anwohner ein eigenes Backhausfest.
Direkt nebenan befindet sich die Freiwillige Feuerwehr, einer der drei ortsansässigen Vereine und Hauptorganisator des kulturellen Lebens im Dorf. „Die Feuerwehr ist eine aktive, zentrale Institution im Ort“, lobt der Ortsvorsteher. Sämtliche Veranstaltungen und Feste werden von den Mitgliedern des Vereins mitorganisiert.
Sehr beliebt ist ebenfalls der örtliche FSV Borts-/Ronhausen, der aus dem 1931 gegründeten Sportverein „Grün-Weiß Bortshausen“ hervor ging und heute 150 Mitglieder zählt. Neben der aktiven Fußballabteilung sind dem Verein noch zwei Gymnastikgruppen, eine Rückenschule sowie eine Nordic-Walking-Abteilung angegliedert. Daneben gibt es noch den örtlichen Jugendclub Linus, dem die Jugendlichen des Dorfes angehören, und der sich regelmäßig im Bürgerhaus versammelt.
Ein fester kultureller Treffpunkt ist im Ort nicht mehr vorhanden, eine Gaststätte gibt es nicht. Und auch das Sportheim hat den fehlenden Anlaufpunkt für die Gemeinschaft nicht ganz ersetzt, erzählt Jung. Geschäfte sind in Bortshausen nicht mehr zu finden, der ehemalige Dorfladen wurde bereits in den 60er Jahren geschlossen. Es existieren noch zwei landwirtschaftliche Betriebe im Vollerwerb.
 Auch einen eigenen Kindergarten oder eine Schule besitzt das Dorf nicht. Die Kinder besuchen die Kita oder Grundschule in Cappel. Dort erledigen die Bewohner auch alle alltäglichen Einkäufe oder fahren weiter in die Marburger Innenstadt. Mit der Busanbindung ihres kleinen Ortes sind sie größtenteils zufrieden, die Linie 13 fährt mehrmals am Tag in Richtung Marburg und zurück.

Bortshäuser orientieren sich nach Marburg

 Generell orientieren sich die Einwohner des Randstadtteils traditionell in Richtung Kernstadt und nicht zur nahe gelegenen Gemeinde Ebsdorfergrund. Zu diesem Nachbarn haben die Bortshäuser nur wenig Bezug. „Das Wasser fließt eben bergab“, erklärt Menche die stärkere Orientierung nach Marburg schmunzelnd.
Größere Wünsche an die Stadt gibt es nur wenige: Am Herzen liegt den Bewohnern unter anderem die Sanierung ihres in die Jahre gekommenen Bürgerhauses. Daneben stört sie vor allem die schlechte und unzuverlässige Telefon- beziehungsweise Internetleitung im Ort. „Die katastrophale Verbindung ist ein ganz heißes Thema hier“, weiß der Ortsvorsteher. Regelmäßig fällt das Telefon für längere Zeit aus. Der von der Stadt aufgestellte Funkmast wird schlecht angenommen und die Bortshäuser erwarten sehnsüchtig den Anschluss an das Highspeed-Glasfasernetz der Stadt. Wann sie an der Reihe sind, ist jedoch noch ungewiss.
Weitere Kritik gibt es von dem entfernten Stadtteil jedoch nur wenig. Die Zusammenarbeit mit der Stadt bei den zahlreichen kleinen Eigenprojekten der Bortshäuser verlief sogar ausnehmend gut, lobt Jung. Die ortsübliche Eigenarbeit wird auch von der Hauptverwaltung geschätzt. Generell sind sich die realistischen Bortshäuser der Größe ihres Stadtteils und dessen Möglichkeiten sehr bewusst. Viel eher besteht die Stärke der verschworenen Gemeinschaft darin, sich selber zu helfen. „Hier kennt jeder jeden. Gegenseitige Unterstützung und Eigeninitiative wird bei uns groß geschrieben“, betonte Jung.
 Was die Gemeinschaft selber erreichen kann, wird auch gemacht.
Kleinere und größere Sanierungsarbeiten im und rund um den Ort nehmen die Bewohner ohne viel Aufhebens und mit Erfolg einfach selber in die Hand.
Trotz der Größe des Stadtteils wurden innerhalb der letzten Jahre zwölf neue Häuser im großzügigen Neubaugebiet des Ortes gebaut. Das ehemalige Bauerndorf hat sich zum beliebten Wohndorf gewandelt.

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