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Cappel: Das glückliche Dorf am Rande der Stadt

Marburgs Stadtteile: Cappel (Teil 2 von 18) Cappel: Das glückliche Dorf am Rande der Stadt

Weitgehend sorgenfrei feiern die Cappeler in diesem Jahr die 875. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung.

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Die Marburger Straße in Cappel: Einkaufsstraße, Durchgangsstraße, Wohnstraße. 2015 soll mit der grundlegenden Umgestaltung begonnen werden.

Quelle: Thorsten Richter

Dorf und gleichzeitig Stadt – es gibt drei, mit gutem Willen vier Stadtteile von Marburg, die das behaupten können. Der größte, mit gut 7 000 Einwohnern, ist Cappel.
Dorf und gleichzeitig Stadt: In der Marburger Straße herrscht an Wochentagen den ganzen Tag über Hochbetrieb. Stoßstange an Stoßstange wälzen sich die Autos durch Cappels zentrale Straße.  Viele tausend Fahrzeuge sind es jeden Tag. Im kommenden Jahr soll die Straße grundlegend neu gestaltet werden. Sie werde ihren vielfältigen Anforderungen nicht mehr gerecht, heißt es bei den Planern.
Der Ortsbeirat hat klare Vorstellungen, wie die Straße nach der Umgestaltung aussehen soll: „Die Funktion der Marburger Straße als Einkaufsstraße muss erhalten bleiben“, sagt ­Ortsvorsteher Heinz Wahlers, der dieses Amt seit fast 24 Jahren ausübt. Die zahlreichen Einzelhändler an der Marburger Straße, sie ­leben auch davon, dass ihre Kunden mal eben rein springen. Gehwegparken und Haltemöglichkeiten auf beiden Seiten der Straße könnten das Problem verkleinern, das nun einmal nicht ­wegzudiskutieren ist: Die Straße ist als ­Durchgangs-, ­Einkaufs- und zugleich ­Wohnstraße ­eigentlich viel zu eng.
Die Cappeler hoffen deswegen auf eine kluge Lösung der Planer und der Politik.

"Uns geht's eigentlich gut"

Ab 2015 soll gebaut werden – vorgesehen sind drei Bauabschnitte, und eines steht heute schon fest: Es wird während der Bauzeit Behinderungen geben im Ortskern.
Das trifft auch zu auf die Umgestaltung des Knotens ­zwischen Marburger Straße/Umgehungsstraße/Beltershäuser Straße. Rund um das neue Fachmarkt-Zentrum mit dem „neuen“ Tegut wird es, so fürchtet Wahlers, zu Staus kommen. „Es könnte sein, dass sich Ortskundige ihren Schleichweg ­mitten durch den Ort wählen.“

Neues Angebot

Die „Aktiven Bürger Cappel“ bieten in diesem Monat neue Computerkurse an.

  • Bereits heute (und dann jeden 1. und 3. Dienstag im Monat) startet ein Kurs für Anfänger, jeweils von 14.30-16.30 Uhr, im Computerraum der Erich Kästner-Schule. Wer wenig oder keine Kenntnisse vom Computer hat, benötigt vorerst keinen PC oder Laptop, da in der Schule 11 PC-Arbeitsplätze sind.
  • Fortgeschrittene 1: jeden 3. Mittwoch im Monat (ab 19. Februar)um 18 Uhr in der alten Post.
  • Fortgeschrittene 2: jeden 1. Mittwoch im Monat (ab 5. Februar) um 18 Uhr in der alten Post. 
  • Information/Anmeldung: Heinz Wahlers, Telefon 46711

Wahlers weiß aber auch, dass diese Sorgen Sorgen auf hohem Niveau sind. „Uns geht‘s ­eigentlich gut“, sagt der Sozialdemokrat, der in dem zukünftigen Zentrum eine „Chance“ auch für die Cappeler Händler sieht.
Dorf und gleichzeitig Stadt: In Cappel gibt es noch Vollerwerbslandwirte mitten im Ortskern; es gibt noch einige Dialektsprecher, und es gibt die großen Neubaugebiete, in denen sich seit den siebziger Jahren vor allem leitende Angestellte oder Uni-Angehörige niedergelassen haben. Oder um es mit Heinz Wahlers zu sagen: „Es gibt ahle Cäppeler, es gibt Cappeler und es gibt die Marburger, die zufällig in Cappel wohnen.“
Wahlers, selbst „zugezogen“, fühlt sich längst als Cappeler, wird aber den Cappeler Dialekt nach eigenem Eingeständnis nie lernen. „Darauf kommt es auch nicht an“, sagt er. Die Dorfgemeinschaft funktioniert, dazu tragen die vielen aktiven Vereine im Ortsteil bei. Auch mit ihren Festen, die vielfach Ausgangspunkt waren, um „Fremde“ im Dorfleben aufzunehmen. So war es beispielsweise beim 1. Cappeler Dorffest vor einigen Jahren. Da muss es richtig „gefunkt“ haben; „seitdem haben wir ein besseres Miteinander“.
Stolz sind die Cappeler inzwischen auf einen ihrer „jüngsten“ Vereine. Die „Aktiven Bürger Cappel“ zählen inzwischen 90 Aktive, „sie bauen Netze auf, die den Ort und seine Einwohner untereinander verbinden“, lobt der Ortsvorsteher. 200 Menschen sind schon mehr oder weniger aktiv am Vereinsgeschehen beteiligt. Entstanden aus einer Bürgerbefragung des Ortsbeirats im Jahre 2011 wenden sich die „ABC“ vor allem an die älteren Einwohner des Ortsteils: Von PC-Kursen über Kreativgruppen und eine Wandergruppe bis zum Bürgercafé reichen die Angebote.
Was macht die Cappeler anders als die anderen Vorstädter – denn dass sie das sind, daran zweifelt kein „Cäppeler“. Wahlers kennt die Antwort: „Das Lahntal ist bei uns breiter: Wir haben noch Sonne, wenn in Wehrda das Licht schon angemacht wird.“

"Es gibt hier nichts, was mich stört"

Das hat ein klein bisschen von „Hans im Glück“, aber der Ortsvorsteher hat auch noch Wünsche für die Zukunft:  Die Grundschulbetreuung, die für die Erich-Kästner-Schule aufgebaut ist, sollte in der Schule selbst stattfinden – dazu muss umgebaut werden. Ein Traum wäre, die Cappeler Sporthalle am Köppel für eine Veranstaltungsreihe zu nutzen.
 Das alte Rathaus am August-Bebel-Platz soll nach der Renovierung der Kindertagesstätten zu einem kleinen Bürgerhaus umgebaut werden, und das alte, denkmalgeschützte Pfarrhaus könnte einmal ein Begegnungszentrum werden, in dem quartierbezogene Altenarbeit angeboten werden kann.
Dazu kommt noch ein ganz konkreter, mindestens ebenso wichtiger Wunsch: „Gutes ­Wetter für unsere 875-Jahr-­Feier am 28. und 29. Juni!“
Und was sagen die Cappeler selbst über ihren Ortsteil? Wir haben sie auf der Straße getroffen und gefragt.

"Die Natur ist nicht weit"

Wichtigste Feststellung: Die Cappeler fühlen sich in ihrem Ortsteil offensichtlich wohl. „Es gibt hier nichts, was mich stört“, sagt etwa Helga Schäfer. Die 78-jährige zog es einst nach Cappel, weil sie „einige Leute kannte“ und im hiesigen Chor sang. Nun fühlt sie sich „hier sehr wohl“ und freut sich vor allem über „die gute Busverbindung“.
Auch Ilona Reisig (57) lebt „gerne hier“. Cappel liege „nah bei der Stadt“ und zum Leben sei „alles hier“ – ob Schule, Kindergarten oder Sportverein. Lediglich „die parkenden Autos auf der Marburger Straße stören ein bisschen“, so Reisig, die gerne auch mal mit dem Fahrrad unterwegs ist. Überhaupt müsse die Straße „mal saniert werden“, denn zum Teil könne man nicht mit dem Kinderwagen über den mit Schlaglöchern gespickten Bürgersteig fahren.
Roland Raatz ist „ein bisschen aus Zufall“ nach Cappel gezogen, findet es aber schön, dass „die Natur nicht weit“ entfernt sei. Manchmal fehle etwas mehr Leben in den Straßen, doch ohnehin „mag ich es etwas ruhiger“, sagt er. Wenn man in die Stadt wolle, sei man dennoch schnell dort und zum Einkaufen habe man auch vor Ort gute Möglichkeiten.  Diese Meinung teilt auch Fiona Lehmann (21). Die Studentin freut sich zudem vor allem über ihre ­verhältnismäßig günstige Wohnung.

Fakten zum Ort

Einwohner: 7 050
 

Größe (Hektar) : 1 485
 

Vereine: 25
 

Kindergärten: 4

Kilometer zum Zentrum: 4

Erste Erwähnung: Cappel wurde erstmals erwähnt in einer Urkunde von 1138/1139; feiert somit in diesem Jahr sein 875. Bestehen.

Kontakt: Verwaltungsaußenstelle Cappel, Herr Schmidt/Frau Zimmermann, Ortsvorsteher Heinz Wahlers, Telefon 06421/41014

Besonderheit: Die Verwaltungsaußenstelle Cappel ­(Öffnungszeiten (Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und ­Montag von 14 bis 18 Uhr) ist für die Bürger des Stadtteils wie ein kleines Bürgerbüro. Hier werden  Angelegen­heiten des Meldewesens ebenso erledigt wie die Ausgabe von Müllsäcken oder die ­Beglaubigung offizieller Dokumente.

Jubiläen, Feste, Feiern: So leben die Cappeler 2014

8. März: Ökumenischer Gottesdienst zum Weltgebetstag (Paul-Gerhardt-Haus)
 

19. April: Osterfeuer (Wiese bei der Feuerwehr)
30. April: Osterfeuer (Am Tennisplatz)
 

1. Mai: Waffelbacken (Schützenhaus)
11. Mai: Konfirmation Gruppen 1a und 1b (Kirche)
18. Mai: Erstkommunion (Kirche)
25. Mai: Konfirmation Gruppen 2a und 2b
29. Mai: Frühschoppen der Burschenvereinigung, August-Bebel-Platz
 

7. Juni: 8. Hallenfest des TSV Cappel, August-Bebel-Platz
20. - 22. Juni: Landeskinderturnfest, Sporthallen in Cappel
28./29. Juni: Festveranstaltung 875 Jahre Cappel
 

5. Juli: Feier „30 Jahre Eintracht-Fanclub Cappeler Adler“, Aldis Biergarten
6. Juli: Kapellenkonzert der Chorgemeinschaft, neue Friedhofskapelle
 

6. September: Dämmerschoppen der Burschenvereinigung, August-Bebel-Platz
7. September: 2. Cappeler Kartoffelfest des FSV Cappel, Ort steht noch nicht fest.
13. September: Teichfest des Angelvereins, Gelände am Teich
13./14. September: Cappeler Turnpokal, Turnhallen in Cappel
27. September: Oktoberfest der Feuerwehr

15. November: Seniorennachmittag der Stadt, Bürgerhaus 
29./30. November: 9. Nikolausmarkt des Cappeler TV, Tennisanlage

2. Dezember: Adventskonzert der Chorgemeinschaft, Evangelische Kirche
14. Dezember: Nikolausturnen des TSV Cappel in der Sporthalle am Köppel.

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