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"Wir haben uns auf gut Deutsch die Fresse eingeschlagen"

Prozess "Wir haben uns auf gut Deutsch die Fresse eingeschlagen"

Vor dem Jugendgericht legte die Angeklagte ein Geständnis ab. Auch hatte sie sich bereits vor der Verhandlung beim Opfer entschuldigt.

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Eine 20-jährige Angeklagte hat eine andere Frau geschlagen und getreten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung musste sich am Dienstag eine junge Frau vor dem Marburger Jugendgericht verantworten. Sie hatte im September vergangenen Jahres nach dem Besuch einer Marburger Bar in den frühen Morgenstunden eine anderen Frau tätlich angegriffen. Sie soll der Geschädigten ins Gesicht geschlagen und, nachdem diese zu Boden ging, weiter auf sie eingetreten haben.

Die aus Marburg stammende Angeklagte gab zu, dass sie zugeschlagen hatte, betonte jedoch, dass beide Seiten Schuld gehabt hätten. „Wir haben uns auf gut Deutsch die Fresse eingeschlagen. Aber beide“, sagte die 20-Jährige. An den genauen Vorgang konnte sie sich aber nicht mehr erinnern. Zudem war sie in der Nacht alkoholisiert.

Auf Wort folgten Watschen

Laut eigener Aussage hätte eine Bekannte von ihr mit der ebenfalls aus Marburg stammenden Geschädigten Streit angefangen und sie selber hätte sich eingemischt. Nach einer umfangreichen verbalen Auseinandersetzung sowie einigen wüsten Beschimpfungen sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, bei denen beide Frauen leicht verletzt worden sein sollen. „Ich sah genauso demoliert aus wie sie. Wir sind beide schuld“, so die Angeklagte.

Die Geschädigte gab an, dass die Frau von Anfang an beleidigt und provoziert habe. Nach Verlassen der Bar hätte die Angeklagte sie verfolgt und schließlich niedergeschlagen. Aber auch die Erinnerung der Geschädigten war lückenhaft. Nach den Geschehnissen ging die 18-Jährige zum Arzt. Der Krankenhausbericht beschrieb mehrere Hämatome, eine leichte Gehirnerschütterung sowie ein blutiges Ohr, da ihr während der Schlägerei ein Ohrring herausgerissen wurde.

Angeklagte ist Wiederholungstäterin

Sie beschuldigte die Angeklagte zudem, sie bei einem späteren Treffen bedroht zu haben, nachdem sie von der Anklage erfahren habe. Dies bestritt die Beschuldigte vehement.

Vor Gericht gab es schließlich noch ein kurzes Wortgefecht zwischen den beiden Frauen. Beide sagten zudem aus, dass sie sich zwei Wochen nach dem Vorfall wieder vertragen hatten. Die Angeklagte hatte sich bei der anderen Frau entschuldigt. Der vollständige Ablauf der besagten Nacht und die genaue Härte der Prügelei konnten nicht ganz geklärt werden.

Die Staatsanwaltschaft wertete das Geständnis und die Entschuldigung positiv, was jedoch nicht für eine Einstellung des Verfahrens ausreichte, wie es sich die Verteidigung gewünscht hatte. Zudem war die Frau bereits im Jahr 2008 wegen Körperverletzung schon einmal verurteilt worden.

Richter Thomas Rohner verurteilte die Angeklagte schließlich nach Jugendstrafrecht wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einem sozialen Trainingskurs.

von Ina Tannert

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