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„Wir gefährden uns selbst“

Hautkrebs „Wir gefährden uns selbst“

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Die Temperatur steigt. T-Shirt-Wetter ist angesagt. Was gute Laune verbreitet, birgt aber auch Gefahr: Die menschliche Haut verträgt ungeschützt nur ein Minimum an UV-Licht.

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Dr. Armin Bender arbeitet am UKGM in Marburg als Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und Allergologie und ist spezialisiert auf schwarzen Hautkrebs.

Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch

Marburg. Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Sie ist Schutzschild, Sinnesorgan, Temperaturregler und trotzt tagein, tagaus allerlei Widrigkeiten. Dabei bleibt es nicht aus, dass sie Schäden davonträgt. Einer der größten Verursacher von Schäden an der Haut ist das UV-Licht, sprich die Sonne. Die Folge davon kann ein malignes Melanom sein, also schwarzer Hautkrebs. Dieser bildet sich meist aus krankhaft veränderten Pigmentzellen.

„Unsere Haut ist nicht dafür gemacht, langer Sonneneinstrahlung ausgesetzt zu werden“, sagt Dr. Armin Bender, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Marburg, und ergänzt: „Wir gefährden uns selbst.“ Sonnenbaden, Solariengänge, Reisen rund um den Globus und das zu jeder Jahreszeit - die Haut werde vielfach überstrapaziert und schaffe es dann nicht mehr, sich selbst zu reparieren. Was bleibt sind Schäden, die sich im Laufe der Zeit summieren und nach 10 bis 15 Jahren Hautkrebs verursachen können.

Statistisch gesehen gibt es in Deutschland jährlich 16 bis 18 Neudiagnosen von schwarzem Hautkrebs pro 100.000 Einwohner. Diese Diagnose-Rate steige aber jährlich um rund vier Prozent, berichtet Bender und erklärt auch, woher das kommt: „Mit Beginn der 70er-Jahre fuhren viele deutsche Familien in den Sommerurlaub nach Italien. Das war damals so ein Trend.“ Über Sonnenschutz habe zu dieser Zeit kaum einer nachgedacht. „Ab Mitte der 80er-Jahre stieg auf einmal die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland“, so der Mediziner.

Gleichzeitig kommen Solarien in Mode. „Wer ins Solarium geht, setzt sich einer UV-Intensität aus, die vergleichbar ist mit der, an einem Sommertag am Äquator zur Mittagszeit bei strahlend blauem Himmel“, schildert Bender und verweist auf die Folgen: Mitte der 90er-Jahre stieg die Zahl der Hautkrebserkrankten wiederum sprunghaft an. In den 90ern werden Weltreisen Trend, wenig später Auslandsaufenthalte gleich nach dem Abitur. Und immer steigt auch die Diagnoserate des malignen Melanoms.

Krebsart mit den meisten Todesfällen in jungem Alter

Früh erkannt, kann es durch eine Operation meist komplett entfernt und gut behandelt werden. Spät entdeckt hingegen ist es aggressiv und gefährlich und breitet sich schnell im Körper aus. „Schwarzer Hautkrebs hat im Vergleich zu anderen Krebsarten bereits bei geringer Tumordicke im Millimeterbereich ein Risiko für die Entstehung von Tochtergeschwülsten und ist infolgedessen die Krebsart mit den meisten Todesfällen im jungen Erwachsenenalter“, erläutert der Marburger Dermato-Onkologe.

Neue Hoffnung für die Behandlung schwerer, fortgeschrittener Krebserkrankungen versprechen sich Mediziner nun von innovativen Medikamenten aus dem Bereich der Immun-Onkologie: Diese Therapeutika, die im Marburger Krebszentrum unter anderem gegen schwarzen Hautkrebs eingesetzt werden, haben einen neuen Wirkansatz: „Sie zielen darauf ab, das Immunsystem des Körpers wieder in die Lage zu versetzen, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören“, erläutert Bender.

Während eine Chemotherapie die Krebszelle selbst angreife und zerstöre, reaktivierten und stärkten die neuen Medikamente das körpereigene Immunsystem. „So kann der Körper selbst den Kampf gegen die Krebszellen aufnehmen“, betont er. Im Gegenteil zur Chemotherapie sei diese Art der Therapie langfristig wirksam: „Eine Chemo wirkt nur so lange, wie ich das Chemo-Medikament nehme. Das Immunsystem hat dagegen eine Gedächtnisfunktion und wird durch das neue Medikament in die Lage versetzt, selbst gegen den Krebs aktiv zu werden und es auch zu bleiben.“

Erfolge der Therapie sind vielversprechend

Ziel dieser Therapie ist das langfristige Überleben der Patienten. Die Erfolge sprechen bislang dafür. „Selbst große Knoten können damit verschwinden“, sagt der Marburger Experte. Und auch die statistischen Zahlen stimmen positiv: Statt bislang sieben bis acht Prozent steigt die Langzeitüberlebensrate auf durchschnittlich 22 Prozent an. Drei Medikamente sind bislang als sogenannte Immun-Stimulation zugelassen, eines bereits seit 2011, die anderen beiden seit Herbst 2015. Eingesetzt werden dürfen sie bei schwarzem Hautkrebs und einer Art von Lungenkrebs. „Die Ergebnisse für eine kombinierte Therapie aus zwei Wirkstoffen bei einem Melanom sind sensationell“, schwärmt Bender: „Seit wir diese Medikamente haben, gibt es Langzeitüberlebens-Chancen bei dieser Krebsart, und sie werden immer besser.“

Mit dem Erfolg der Therapie besteht nun, so Bender, auch die Hoffnung, dass diese auf andere Krebsarten übertragen werden und zu besseren Heilungsmöglichkeiten beisteuern kann.

Und was ist der beste Schutz, um gar nicht erst zu erkranken? „Intensive Sonneneinstrahlung vermeiden“, betont der Experte. Denn: „Die Haut vergisst nicht. Jeder einzelne UV-Strahl wird gespeichert.“ Wer dennoch in die Sonne gehen wolle oder müsse, der „sollte sich entsprechend anziehen oder ein gutes Sonnenschutzmittel verwenden“.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

So arbeitet das Immunsystem

Das Immunsystem ist dafür zuständig, Krankheitserreger, körperfremde Stoffe und krankhaft veränderte Zellen zu erkennen und zu bekämpfen/zerstören.
Das Immunsystem erkennt in der Regel anhand von Molekülen (Antigenen), die auf der Oberfläche einer Zelle präsentiert werden, ob eine Zelle krankhaft verändert, körperfremd oder körpereigen ist.

Mithilfe dieser Antigene können krankhaft veränderte oder körperfremde Zellen von gesunden Zellen unterschieden und entsprechende Zellen der Immunabwehr aktiviert werden. Solche Immunzellen werden beispielsweise bei einem Infekt vermehrt und aktiviert. Haben sie ihren Dienst verrichtet, werden sie nach einiger Zeit wieder deaktiviert.

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