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„Wir fragen nicht, ob’s jemand nötig hat“

Foodsharing „Wir fragen nicht, ob’s jemand nötig hat“

Die Initiative Foodsharing Marburg hat mittlerweile mehr als 20 Aktivisten, die sich darum bemühen, dass überschüssige Lebensmittel nicht weggeworfen werden.

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Edeltraud Niehoff, Carolina Tapp, Johannes Wagenitz und Max Stricker (von links) bereiten Häppchen für die Kinobesucher vor.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Dem Berliner Foodsharing-Vorbild folgend, gibt es seit gut einem Jahr auch in Marburg eine Initiative, die sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln wendet.

Mithilfe eines Netzwerkes und der Helfer werden zwei Anlaufpunkte in Marburg mit Lebensmitteln bestückt. Den jüngsten sogenannten „Fair-Teiler“ gibt es im „HistoBistro“, im Fachschaftsraum der Geschichtswissenschaften im Foyer der philosophischen Fakultät. Dort werden in einem Kühlschrank und auf einem Regal überschüssige Lebensmittel gelagert.

Von montags bis donnerstags jeweils von 10 bis 18 Uhr können dort Lebensmittel abgegeben, abgeholt oder getauscht werden.

Das gleiche gilt für den zweiten „Fair-Teiler“ in der Universitätskirche in der Reitgasse. Diese Anlaufstelle ist mittwochs von 13 bis 16 Uhr zugänglich. Zu diesen Zeiten sind auch dort Ansprechpartner von Foodsha­ring Marburg vor Ort.

Helfer achten auf Qualität der Lebensmittel

Sie beantworten Fragen und achten unter anderem darauf, dass keine verdorbene Ware abgegeben wird. Nicht angenommen werden etwa angebrochene Verpackungen oder zubereitete Speisen.

„Wir sind keine Konkurrenz zur Tafel“, betont Edeltraud Niehoff. Die Ruheständlerin arbeitet - wie alle anderen Helfer - ehrenamtlich in der Initiative. „Jeder kann uns bringen, was er übrig hat, jeder mitnehmen was er haben möchte“, sagt sie und erklärt: „Es geht nicht um das Prinzip der Bedürftigkeit, sondern um die Nachhaltigkeit.“

Laut Statistik werden in deutschen Privathaushalten jährlich genießbare Speisen im Wert von rund 22 Milliarden Euro weggeworfen, pro Person etwa 82 Kilogramm. Auch in Supermärkten, bei der Lebensmittelproduktion und in der Gastronomie landen mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.

Läden und Händler untersttzen Projekt

„Mancher, der den Kühlschrank in der Kirche stehen sieht, findet das spannend und will mehr wissen“, freut sich Edeltraud Niehoff.

Es gebe aber auch Kommentare wie „Das hab ich nicht nötig, ich will doch niemandem etwas wegessen.“ Doch darum gehe es nicht, sagt sie und erklärt: „Wir freuen uns, wenn übriges Essen verwertet wird. Wir fragen nicht nach, ob es jemand nötig hat.“

Über das bereits gut funktionierende Netzwerk von privaten Anbietern und Nutzern hinaus gebe es in der Stadt eine Reihe von Kooperationspartnern, sagt sie. So unterstützen inhabergeführte Lebensmittelläden und Markthändler die Initiative. „Sie sind sehr aufgeschlossen, stellen uns gerne Lebensmittel zur Verfügung, die sie ansonsten am Ende des Tages in die Tonne schmeißen müssten.“

Helfer machen abends die Runde und sammeln ein, was übrig ist, von Obst über Gemüse bis hin zu Brot und Brötchen. Es landet aber nicht alles Angebotene an den Marburger „Fair-Teilern“.

„Vieles, was man übrig hat, findet über das gut funktionierende Netzwerk auf kurzem Weg Abnehmer“, sagt die Psychologiestudentin Anna Serr und berichtet, dass vor den Wochenenden oder Semesterferien oftmals Essenskörbe zusammengestellt und angeboten werden.

In dem Helferteam finde jeder seinen Platz, jeder könne seine Fähigkeiten einbringen, betont Edeltraud Niehoff und wirbt für weitere Mitstreiter.

Werbung im Kino

Für das Foodsharing, das Teilen von Nahrungsmitteln, wirbt die Gruppe in Marburg so oft wie möglich, zuletzt vor einer Filmvorführung im Capitol Center. Dort wurde das Roadmovie „Wastecooking“ gezeigt. Gedreht wurde der Film unter der Regie von Georg Misch und David Groß.

Groß ist Lebensmittel-Aktivist und Koch. „Er nahm uns mit auf seine Reise durch fünf europäische Länder. Dort war er mit seinem Cooking-Truck unterwegs und recycelte Nahrungsmittel, die andere wegwerfen wollten, zu Mahlzeiten“, berichtet Edeltraud Niehoff über den unterhaltsamen Abend.

„Das passte zu unserem Thema. Deshalb haben wir uns als Initiative vorgestellt“, sagt sie. Mitarbeiter von Foodsharing Marburg hatten auf den Märkten von den Händlern übrige Lebensmittel eingesammelt. Am Nachmittag wurde fleißig geschnippelt. Aus Rosenkohl und Cocktailtomaten wurden Häppchen hergestellt. Dazu gab’s allerlei Brot und Salsa aus Roter Bete.

Die Gäste ließen sich’s schmecken und stellten jede Menge Fragen zum Marburger Food­sharing.

Mehr Informationen über das Teilen von überschüssigen Lebensmitteln gibt es auf der Internetseite www.foodsharing.de.

von Hartmut Berge

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