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„Wir brauchen jetzt eine Entscheidung“

Neuer Botanischer Garten „Wir brauchen jetzt eine Entscheidung“

Auf dem Papier klingt es toll. Ob der Status als Kulturdenkmal auch die Zukunft des Neuen Botanischen Gartens in seiner jetzigen Form sichert, daran hat Direktor Dr. Andreas Titze seine Zweifel.

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Hat das Wohl des Neuen Botanischen Gartens stets im Blick: Direktor Dr. Andreas Titze.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Über die Bedeutung der Anlage auf den Lahnbergen sind sich alle bewusst. Die große Frage aber: Wie soll die Finanzlücke von einer Million Euro geschlossen werden?

Hoffnungen auf zusätzliche Finanzmittel durch den Denkmal-Status gebe es nicht, sagt Andreas Titze. Der Direktor des Botanischen Gartens ist in regelmäßigem Kontakt mit dem Finanz- und Wissenschaftsministerium in Wiesbaden, erarbeitet Konzepte für eine langfristige Sicherung des bedeutenden Areals.

Was dem wissenschaftlichen Leiter gefällt, sind die Argumente auf Arbeitsebene, die in Wiesbaden ausgetauscht werden. Politische Interessen spielen keine Rolle. „Das Land ist wirklich bemüht, eine sinnvolle Lösung zu finden. Es herrscht ein aktiver Austausch.“

Die Mitarbeiter - es waren einmal 45, heute sind es noch 23 - blicken mit Sorge zur Landeshauptstadt. Es geht schließlich nicht nur um die Perspektive für Gewächshäuser und Teichanlage, sondern auch um die Arbeitsstelle eines jeden einzelnen. In den vergangenen zehn Jahren war es stets ein Hoffen und Bangen auf den Lahnbergen.

„Die Situation ist furchtbar. Die Mitarbeiter stellen sich ständig die Frage, wie es weiter geht“, sagt Titze. Daher müsse auch unbedingt jetzt eine Lösung gefunden werden. Ende des Jahres soll ein Finanzplan stehen, der mit den Mitteln von Stadt, Land und Universität zu stemmen sei.

Die Bewerbung um die Bundesgartenschau spiele in den jetzigen Überlegungen keine Rolle. Könne sie auch nicht, da frühestens 2025 oder 2029 die Veranstaltung nach Marburg geholt werden und an den Lahnbergen ausgerichtet werden könnte. „Wir müssen den Garten jetzt fit für die Zukunft machen, jetzt Entscheidungen treffen. Die BuGa ist noch weit weg“, sagt Titze. Dass der Neue Botanische Garten seinen Bestand wird reduzieren müssen, davon geht der Marburger aus. „Denkmalschutz klingt zwar toll. Wenn es aber hart auf hart kommt, sieht das schon wieder anders aus.“ Es fehlen die Gelder für den Unterhalt der Pflanzen. Die Folgen sind absehbar: Pflanzen aus aller Welt beheimatet die Anlage auf den Lahnbergen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen regeln klar, wie vorgegangen wird. Nur andere botanische Gärten dürfen in Deutschland Pflanzen aus Marburg aufnehmen. „Die sind aber auch bis zur Decke voll“, sagt Titze. Da bleibt als Alternative einzig die Vernichtung der Pflanzen. Anderweitig verkauft oder verschenkt werden dürfen die nämlich nicht. „Die Pflanzen landen auf dem Müll.“

Wie viel vom Bestand kann Andreas Titze also behalten? Darum geht es in den Verhandlungen in Wiesbaden schlussendlich.

Wie begeistert das Fachpublikum vom Neuen Botanischen Garten ist, zeigt der zweite Besuch von Jochen Sandner, dem Geschäftsführer der Bundesgartenschau-Gesellschaft. Von Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) ließ sich der Gast aus Bonn durch die Anlage führen. „Das Interesse ist positiv und dürfte auch ein gutes Signal in Richtung Ausrichtung sein“, sagt Titze. Mit der gewünschten Ausrichtung 2027 - zum Jubiläum der Philipps-Universität - wird es wohl nicht klappen, vermutet Bürgermeister Franz Kahle (Grüne).

2025 oder aber 2029 rechnet sich die Stadt durchaus gute Chancen für ihre Bewerbung aus. Fraglich ist dann nur, wie groß der Neue Botanische Garten in der Marburger Schaufenster-Veranstaltung für Deutschland präsent sein wird...

von Carsten Bergmann

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