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„Wir befinden uns noch relativ am Anfang“

Umstellung der Schulen auf Ganztagsbetrieb „Wir befinden uns noch relativ am Anfang“

Während der Diskussion im Fachbereich 03 (Gesellschaftswissenschaften)
 unter der Leitung von Professor Ivo Züchner standen die Merkmale einer guten Ganztagsschule im Mittelpunkt.

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Sechs Experten diskutierten über das Thema „Ganztagsschulen“.

Quelle: Rike Werner

Marburg. „Wir befinden uns noch relativ am Anfang“, bemerkte Lothar Potthoff über die Entwicklung der Ganztagsschulen. Der ehemalige Schulleiter der Gesamtschule Ebsdorfergrund kritisierte, dass in Deutschland keine Ganztagsschul-Kultur herrsche.

Jürgen Wrobel von der Serviceagentur „Ganztägig Lernen“ Hessen betonte, dass bundesweit die Schulen mit Ganztagsbetrieb in der Mehrheit seien. Aber nur acht Prozent davon seien wirkliche Ganztagsschulen, die Betreuung, Unterricht und verpflichtende Ganztagsangebote in der Zeit von 7.30 bis 16 oder 17 Uhr fünf Tage die Woche anbieten.

Eingliederung außerschulischer Angebote

Bildungspolitisch will die Landesregierung Ganztagsschulen ausbauen. Was aber macht eine gute Ganztagsschule überhaupt aus? „Schule soll ein Platz sein, wo man gerne hingeht“, erläuterte Heike Grosser vom Staatlichen Schulamt des Landkreises. Die Schule sei Lebensraum für viele Schüler, nicht alle von ihnen kämen aus stabilen Verhältnissen.

„Das Positive, das eine gute Ganztagsschule ausmacht, muss von einer veränderten Lernkultur, gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen begleitet werden“, sagte Potthoff. Wichtig sei auch die Eingliederung von außerschulischen Angeboten in den Schulalltag, wie Sportangebote oder beispielsweise Töpfer- oder Nähkurse.

„Wenn eine Schule sich vornimmt, Qualität so zu verändern, dass eine neue Lernqualität entsteht, dann entstehen auch neue Lernzeiten und eine andere Form der Rhythmisierung. Die Schule wird den Vormittag neu gestalten müssen“, betonte Professor Ralf Laging, von der Philipps-Universität Marburg.

Meinel moniert personellen Engpass

Es sei wichtig, den Eltern und Schulen das Ganztagsangebot zu ermöglichen und nicht zu verordnen, erläuterte Daniel May vom Bündnis 90/Die Grünen. „Es ist ein Ziel, die Zusammenarbeit zwischen der kommunalen Jugendhilfe und der Schule zu fördern. Die Ganztagsschule bietet dafür den zeitlichen und tatsächlichen Raum“, erklärte er. Der Schwerpunkt liege momentan auf dem Pakt für den Nachmittag, einem Bildungsangebot an Grundschulen von 7.30 bis 17 Uhr, an fünf Tagen in der Woche, sowie in den Schulferien.

Tobias Meinel, Schulleiter der Elisabethschule Marburg, der sich unter den Zuhörern befand, sprach das personelle Problem an. Wenn die Ganztagsschule als Bildungsaufgabe des Staates verstanden werde, so müsse der Staat Personal stellen. Die Fördervereine organisierten den Ganztagsbetrieb häufig allein und müssten mit einem kleinen Budget einen großen Bereich abdecken, sagte Meinel.

„Die Landespolitik erhofft sich dadurch, dass die Schulen selber an der Umstellung arbeiten, dass sie flexibler mit den Mitteln umgehen können“, entgegnete May. Eine wichtige Komponente in der Umsetzung des Ganztagsunterrichtes sahen die Podiumsteilnehmer in der Kooperation mit außerschulischen Partnern.

„Ganztagsschulen kommen ohne Kooperationspartner nicht aus“, betonte Laging. Er sah großen Bedarf, Sport und Bewegung in die Ganztagskultur zu integrieren. Die Kooperationspartner müssten auch in den Vormittag geholt werden, um verschiedene Unterrichtsangebote zu bieten, erläuterte Potthoff abschließend.

von Rike Werner

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