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Windrad-Zwist dreht sich weiter

Lichter Küppel Windrad-Zwist dreht sich weiter

Der Ärger über die geplanten Windräder auf dem Lichten Küppel ebbt nicht ab. Die CDU wirft den Planern Naturzerstörung vor, auch in der Moischter SPD macht sich Unmut breit.

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Auf dem Lichten Küppel sollen nach Stadtwerke-Plänen zwei rund 140 Meter hohe Windräder gebaut werden.

Quelle: Archiv

Moischt. Marburgs Konservative äußern Kritik an der durchgeführten Mulchung und Rodung in dem möglichen Baugebiet: „Das hat nicht nur ein Naherholungsgebiet zerstört, sondern auch den Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen“, heißt es in einem Schreiben an die OP.

Auf den Lahnbergen seien „Fakten geschaffen worden“. Hintergrund: Die Mulchung soll der gutachterlichen Untersuchung etwa der gefundenen Hügelgräber dienen.

CDU-Politiker Walter Jugel sagt dazu: „Schlimm, wenn die betroffene Bevölkerung mit solchen fadenscheinigen Aktionen hinters Licht geführt werden soll.“ Für die Entscheidungsträger stehe der Bau offenbar, Belange der betroffenen Bürger hin oder her, „längst fest“.  

Die CDU lehne den Anlagenbau an dem Standort ab, jedoch wolle die Koalition mit einer Bürgerbefragung – das Stadtparlament hat vergangene Woche 200 000 Euro für dessen Durchführung bewilligt – das Projekt „legitimieren lassen“.

Dies sei „absurd, da ein einfaches Nein der SPD das Aus für diese vor Ort nicht akzeptierten Anlagen bedeuten würde“. Tatsächlich sei der SPD aber der „Fortbestand der rot-grünen Koalition viel wichtiger als die Belange der Bürger“.

Wenn ein Referendum überhaupt stattfinden solle, dann „nur in Cappel, in Moischt, in Schröck und am Richtsberg“, da nur diese Stadtteile von den „negativen Auswirkungen der Windräder massiv betroffen“ seien. Die CDU lehne es „strikt ab, dass die Koalition sich bei einer Befragung „eine Mehrheit dadurch verschaffen will, dass nicht oder nur unwesentlich tangierte Marburger Gebiete an dieser Befragung teilnehmen“.

Schlechte Informations-Politik, unrealistische Visualisierungen, unbefriedigende Antworten auf Anwohnerfragen: Auch die Mitglieder der Moischter SPD kritisieren die Windparkpläne. „Generell befürworten wir zwar regenerative Energien, aber nach der Vorstellung der Pläne ist viel Skepsis geblieben“, sagt Hans-Dieter Wolf, Vorsitzender des Ortsvereins während der Jahreshauptversammlung. Die Betroffenen in Moischt seien „einfach übergangen worden“, ergänzt Gerd Wacker, Ortsbeiratsmitglied.

Die SPD zweifelt jedoch an der Wirtschaftlichkeit und sorgt sich um Auswirkungen auf die Natur – daher hat sie einen Forderungskatalog verabschiedet. Neben einem Extra-Gutachten über die Beeinträchtigung von Flora und Fauna sollen
alle Details der Windmessung veröffentlicht werden, um die Rentabilität der zwei geplanten Windräder einschätzen zu können. Zudem solle eine maßstabsgetreue Visualisierung der Anlagen erstellt werden.

Befragung: SPD Moischt will Termin vor OB-Wahl

„Die ästhetische Wirkung nehme ich gerne in Kauf, wenn die Kriterien erfüllt sind“, sagt Jürgen Bandte. Wolf entgegnet, dass die Optik für ihn „ein entscheidender Faktor“ sei.

Die SPD-Mitglieder zweifeln zudem am Sinn einer Bürgerbefragung in der ganzen Stadt. Die Anwohner seien stärker von den Bauplänen auf dem Lichten Küppel betroffen als die Bewohner anderer Stadtteile, weshalb die Stimmen etwa der Moischter „stärker gewichtet werden sollten“. Sollte es zu einem Referendum kommen, müsse dieses in jedem Fall  terminlich noch vor der Oberbürgermeisterwahl stattfinden. Wolf: „So erhalten die Stimmen der Moischter ein größeres Gewicht, da im Zweifelsfalle nur die Marburger zu dieser Wahl gehen, die ein explizites Interesse an der Problematik haben.“

von Björn Wisker und Lena Liebau

  • Hintergrund: Das Regierungspräsidium Gießen hat den Lichten Küppel als eine Wind-Vorrangfläche ausgewiesen, da die Behörde offenbar von der Tauglichkeit des Gebiets als Standort für Energieerzeugung ausgeht. Das bedeutet, dass nach einem möglichen Verzicht der Stadtwerke ein anderer Investor dort Windräder bauen darf.
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