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Windkraft soll Pharmastandort dienen

Energie-Teilregionalplan Windkraft soll Pharmastandort dienen

Der Bau von Windkraftanlagen in Marburg soll grundsätzlich ermöglicht werden. Die Veränderung eines 14 Jahre lang gültigen, aber mittlerweile rechtswidrigen Flächennutzungsplans könnte das möglich machen.

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Auf dem Gelände „Görzhäuser Hof“ nahe Michelbach soll künftig ein Windpark entstehen.

Quelle: Bernd Müller

Marburg. Auf dem Gelände­ „Görzhäuser Hof“ nahe ­Michelbach will ein Privat
investor aus Münchhausen Windräder errichten. Von dem Park, den der Magistrat prinzipiell genehmigen will, würden vor allem Firmen der Behringwerke profitieren.

„Man verspricht sich dort perspektivisch günstigere Strompreise und die Sicherstellung einer Notstromversorgung für Ausnahmefälle“, erklärt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) im Umweltausschuss mit Verweis auf Zustimmung des Ortsbeirats Michelbach.

Um das Projekt und generell eine „geordnete Entwicklung der Windkraft im Stadtgebiet zu ermöglichen“, soll der veraltete Flächennutzungsplan geändert werden. Bislang ist der Bau von Windkraftanlagen in Waldgebieten unzulässig, auch die geltende Abstandsregelung von mindestens 600 Metern zum nächsten Wohnhaus sorge „faktisch dafür, dass nirgendwo in Marburg ein Windrad gebaut werden darf“, sagt Kahle.

CDU und FDP skeptisch

Bei dem Schritt zur Änderung des Flächennutzungsplans handelt es sich nach Meinung der SPD um „kein Politikum, sondern um eine Formalität“ (Dr. Fabio Longo), da der Görzhäuser Hof – wie auch andere Vorranggebiete – bereits durch die Regionalversammlung im Teilregionalplan Mittelhessen aufgenommen ist. In der Konsequenz bedeutet das: Wenn ein Investor dort einen Windpark bauen will, wird er das dürfen – spätestens wenn er vor Gericht geht und gegen den aktuellen Flächennutzungsplan klagt.

Dementsprechend könne die Stadtverwaltung entsprechende Anträge ohnehin ­lediglich „verkomplizieren und verlangsamen“, sagt Kahle. Gerade einem Investor aus der Region – es handelt sich um Inhaber der Firma Begro in Wehrda – der „sich ein zweites Standbein aufbaut“, wolle man juristische Wege nicht zumuten – zumal die Windkraftanlagen aus wirtschaftlichen Gründen bis Ende 2017 am Netz sein müssten.

Bei CDU und FDP herrscht – angesichts der monatelangen Kontroverse rund um den Vorrangstandort „Lichter Küppel“ nahe Moischt – Skepsis. „Nichts gegen dieses konkrete Vorhaben in Michelbach. Das Ungute ist aber, dass über diesen Beschluss der Windradbau auf möglichen Flächen in ganz Marburg faktisch freigegeben wird“, sagt Joachim Brunnet (CDU).

Die Grünen und die Linken befürworten es hingegen, dass Jahre nach den Wehrda-Windrädern ein neuer Park entstehen soll: „Vermeidung und Verschiebung ist bei Erneuerbaren Energien leider Tradition geworden. Jetzt gibt es endlich eine Gelegenheit, einen Beitrag zur Energiewende vor Ort zu leisten“, sagt Hans-Werner Seitz (Grüne).

Für den Standort „Lichter Küppel“ gibt es indes, wie auch für andere mögliche Windkraft-Vorranggebiete in der Stadt „derzeit und wohl auch auf mehrere Jahre keine Interessenten“, sagt Kahle.

von Björn Wisker

 
 
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