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Willkommenskultur, Nächstenliebe, Solidarität

Marburg und seine Flüchtlinge Willkommenskultur, Nächstenliebe, Solidarität

Unter dem Motto „Vielfalt - Stadt - Einfalt“ beten und reden am Sonntag Vertreter der Religionen für Flüchtlinge.

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Mit dieser Fotomontage wirbt die Stadt Marburg in ihrem Flyer für die Veranstaltung am Sonntag auf dem Marktplatz.

Quelle: Stadt Marburg

Marburg. Dr. Bilal El-Tayat von der Islamischen Gemeinde Marburg, Amnon Orbach und Monika Bunk von der Jüdischen Gemeinde Marburg, Helmut Wöllenstein für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Albert Köchling von der Katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul sowie Alexander Hirsch (Evangelische Allianz) werden aus den jeweiligen heiligen Büchern der Religionen, also dem Koran, der Thora oder der Bibel, lesen, um deutlich zu machen, dass die großen Religionen mit den Flüchtlingen eng verbunden sind.

Die Veranstaltung beginnt am Sonntag um 11.30 Uhr. Sie war von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) angeregt worden. Der Termin – der erste Sonntag im Juli – steht eigentlich für eine andere Tradition: An diesem Tag fand regelmäßig der Marktfrühschoppen statt, der in den vergangenen Jahren zunehmend in die Kritik geraten war wegen der Teilnahme auch von als extrem rechts geltenden Burschenschaften. Der ausrichtende Marktfrühschoppenverein hatte die Veranstaltung deswegen im Frühjahr abgesagt.

60 Millionen weltweit auf der Flucht

In Marburg leben nach Auskunft des städtischen Presseamts zur Zeit etwa 1000 Flüchtlinge aus aller Welt, die aus humanitären Gründen in der Stadt sind. Marburg ist – über alle politischen und weltanschaulichen Grenzen hinweg – einig darin, dass Flüchtlinge in der Stadt willkommen sind. Unter Federführung des Jugendamts bemüht sich die Stadt darum, ein Schwerpunkt für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu werden.

Zahlreiche private Initiativen, die Kirchen, ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge in der Stadt, die anders als in anderen Städten überwiegend in kleinen Wohneinheiten untergebracht sind und sozialpädagogisch betreut werden. Zum Hintergrund: Weltweit sind derzeit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht; zehntausende sind in den vergangenen Monaten im Mittelmeer ertrunken bei dem Versuch, Europa zu erreichen.

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Vertreter der Religionen ihre Bereitschaft erklärt haben, gemeinsam auf dem Marktplatz für Flüchtlinge einzutreten“, sagt Oberbürgermeister Vaupel. Die Veranstaltung solle zeigen, dass in Marburg Willkommenskultur gelebt werde. „Willkommenskultur“, so sagt Vaupel, „ist das, was in der Politik Solidarität heißt und bei den Religionen Nächstenliebe.“

Kein Platz für den „Punkfrühschoppen“

Gemeinsam wollen die Veranstalter zeigen, dass „in unserer Stadt Menschen, die fliehen mussten, weil sie in ihrer Heimat von Krieg, Verfolgung, Hunger oder Elend bedroht sind, mit offenen Armen aufgenommen werden“, sagt das Stadtoberhaupt. Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Ausländerbeirats, Goharik Gareyan, wird Vaupel die Veranstaltung eröffnen. Neben musikalischen Beiträgen von Sama‘ Damaszener ist ein Redebeitrag vorgesehen von Hiba Sino, die über ihr persönliches Flüchtlingsschicksal berichten wird.

Der Künstler und mit 0,2 Prozent der Wählerstimmen im ersten Wahlgang der OB-Wahl gescheiterte Oberbürgermeisterkandidat Rainer Wiegand wollte am 5. Juli auf dem Marktplatz ursprünglich einen „Punktfrühschoppen“ veranstalten. Die Stadt hatte aber den Marktplatz zu diesem Zeitpunkt schon für die nun geplante Veranstaltung reserviert. Das Recht der freien Religionsausübung sei ein hohes Gut. Wiegand fühlt sich aber im Recht und will am Sonntag trotzdem reden.

von Till Conrad

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