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„Willkommensgefühl“ kommt nicht auf

Ausländerbehörde in Marburg „Willkommensgefühl“ kommt nicht auf

Für Migranten und Flüchtlinge ist die Ausländerbehörde oft die erste Behörde, mit der sie Kontakt haben. Die Stimmung dort beschreibt die Vorsitzende des Ausländerbeirats als negativ aufgeladen.

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Die Marburger Ausländerbehörde ist derzeit aufgrund einer steigenden Antragsflut stark belastet, die Stimmung ist angespannt. In der kommenden Woche soll eine Befragung ergeben, was verbessert werden könnte.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Ein „Willkommensgefühl“ entstehe bei der aktuell angespannten Situation in der Ausländerbehörde nicht, sagt Goharik Gareyan-Petrosyan, Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt.

Menschen berichteten ihr von Gesprächen, die nicht angenehm verlaufen seien und von solchen, bei denen die Mitarbeiter der Behörde als unhöflich empfunden werden. „Wir wissen aber auch um den Druck, unter dem die Mitarbeiter in der Ausländerbehörde wegen des Personalmangels stehen“, sagt Gareyan-Petrosyan. Viele Kunden der Ausländerbehörde seien unzufrieden, das lange Warten mache nervös. Zumal kämen viele Menschen schon mit Sorgen im Gepäck zur Ausländerbehörde – etwa darüber, ob ihr Aufenthaltsrecht verlängert wird oder nicht.

Im Großraumbüro kann man am Nebentisch mithören

Neben den langen Wartezeiten beklagt Gareyan-Petrosyan vor allem Missstände die Räumlichkeiten der Ausländerbehörde betreffend. „Es gibt im Wartezimmer keine Fenster. Das ist im Sommer sehr stickig und im Winter auch nicht angenehm.“ Bei der Gesprächssituation fehle es in dem Großraumbüro an Privatsphäre. „Es geht bei diesen Gesprächen oft um Privates, um Themen, von denen vor allem andere Landsleute am Nebentisch nicht unbedingt etwas mitbekommen sollen.“

Eine Umgestaltung des Wartebereichs in der ersten Etage des Stadtbüros ist laut Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bereits in Planung. Angesichts des Andrangs müssen aktuell Dutzende Kunden der Ausländerbehörde im Flur stehen, auf dem Boden oder Treppenstufen sitzen (die OP berichtete).

„Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten belastend, da wir nicht immer sicher sind, ob wir den eigenen Ansprüchen und den Bedürfnissen der Kunden gerecht werden können“, sagt Regina Lang, die Fachbereichsleiterin Öffentliche Sicherheit, Ordnung, Brandschutz. „Wir hoffen insbesondere durch räumliche Veränderungen und personelle Verstärkungen in absehbarer Zeit erhebliche Verbesserungen zu erreichen“, sagt Lang.

Für Anfang Februar ist ein Gespräch zwischen Oberbürgermeister und Vertretern von Ausländerbeirat, Ausländerbehörde und dem Ordnungsamt geplant, berichtet Gareyan-Petrosyan. Dort werde der Beirat einige konstruktive Ideen einbringen, wie die Situation für Mitarbeiter und Kunden der Behörde verbessert werden könnte.

Anforderungen an Sachbearbeiter sind hoch

Aktuell fehlen in der Behörde mehrere Mitarbeiter wegen Erkrankungen, Urlaub und Elternzeit, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Diese Woche seien sieben bis acht Mitarbeiter im Dienst. Mit dieser Besetzung können täglich voraussichtlich 40 bis 60 Menschen vorsprechen, schätzt die Stadt.

Die für 2017 von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) angekündigte Personalaufstockung droht indes am Arbeitsmarkt ausgebremst zu werden. Denn derzeit suchen neben Marburg Dutzende Kommunen nach Sachbearbeitern für ihre Ausländerbehörde, allein für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2016 finden sich in den drei größten deutschen Internet-Jobbörsen rund 100 öffentliche Stellenausschreibungen. Und die Anforderungsprofile der Stadtverwaltungen deuten auf die Arbeitsbelastung in der Spezialabteilung hin. Laut der aktuell Personal suchenden Stadtverwaltung Potsdam müssen folgende Qualifikationen erfüllt sein: FH-Abschluss zum Verwaltungsfachwirt beziehungsweise Bachelor mit Fachrichtung Verwaltung, juristische Kenntnisse im Ausländerrecht, Fremdsprachenkenntnisse (mindestens Englisch), hohe Stresstoleranz und Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen und Bürgern. Haupttätigkeitsfelder: Asylverfahrensbearbeitung, Organisation und Durchführung von Abschiebungen, Erstellung von Sicherungshaftanträgen und Entscheidungen zu Familien-Zuzug. In Darmstadt sucht man derzeit ein ähnliches Profil, ausgebildete Verwaltungsfachangestellte sollen für den Job eine Weiterbildung vorweisen können und zudem über Integrationsmaßnahmen entscheiden. Das Einstiegs-Monatsgehalt liegt laut Tarifvertrag des öffentlichen Diensts bei 2700 Euro.

von Philipp Lauer und Björn Wisker

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