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Willenstest am Gipfel

Angelika Muth hat die Alpen überquert Willenstest am Gipfel

Sie wollte „einmal etwas anderes machen“. Statt dem für viele üblichen Strandurlaub während der Ferien suchte Angelika Muth nach einer besonderen Erfahrung und überquerte die Alpen - zu Fuß.

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Angelika Muth erklomm so manch hohen Gipfel, um in sieben Tagen die Alpen zu überqueren. Unterwegs warteteten einige Hindernisse, wie etwa wacklige Hängebrücken.

Marburg. 241 Kilometer liegen laut „Google Maps“ zwischen dem oberbayrischen Oberstdorf und dem norditalienischen Merano. Eine stattliche Strecke, um sie zu Fuß zu bewältigen. Umso schwieriger jedoch, wenn dazwischen ein Gebirge wie die Alpen liegt. 5353 Höhenmeter galt es für Angelika Muth in sieben Tagen zu bewältigen. Ganz bewusst hatte sie diese Herausforderung gewählt, denn sie wollte ihren „Willen testen“, ihr „Durchhaltevermögen auf die Probe stellen“, sagt sie.

Während andere Menschen in ihrem Urlaub gerne entspannen, oder aber zur Selbstfindung beispielsweise auf Pilgerpfaden, wie dem Jakobweg wandern, wollte Muth „etwas anderes machen“. Sie suchte nach einer besonderen Prüfung, um nach „für mich turbulenten, schwierigen Monaten“ den Kpf frei zu bekommen und „der Gewohnheit zu entfliehen“.

Lediglich mit einem 8,3 Kilogramm schweren Rucksack bepackt, trat sie ihre Reise an. Hatte sie in den Tagen zuvor noch kaum realisiert, was vor ihr lag, wurde ihr dann aber schon im Zug nach Oberstdorf bewusst, „dass das Abenteuer nicht mehr in weiter Ferne lag“. Zwischen Menschen, die bei 30 Grad Außentemperatur entsprechend gekleidet herumliefen, fühlte sie sich mit ihrer Wanderausrüstung „wie ein Exot“. Während die übrigen Fahrgäste mit ihren Smartphones hantierten, schaltete sie ihr Handy aus. Denn „noch nie hatte ich mich so sehr nach Stille, Einsamkeit und weiter Natur gesehnt“, sagt die Marburgerin.

In einer Gruppe von zehn Leuten, die von einem Bergführer angeführt wird, beginnt schließlich die Tour. Doch schon am ersten Tag stellt sich Regen ein. Trotz guter Regenjacken hält die Ausrüstung nicht stand und so geht es mit nassen Klamotten und nassen Schuhen auf den weiteren Weg. Auf dem steilen, schmalen Weg nach oben verlässt die 56-Jährige beinahe der Mut. „Da soll ich hinauf? Und das zu Fuß?“, fragt sie sich, als sie die Nebelschwaden um die Berggipfel erspäht. Doch letztlich erreicht sie mit ihren Mitstreitern erschöpft das erste Etappenziel.

Ein T-Shirt lässt sie alle Strapazen überstehen

Doch lange Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Schon um 6 Uhr früh klingelt am nächsten Morgen der Wecker. Noch immer sind die Klamotten nicht trocken geworden und so geht es mit nassen Sachen auf den nächsten Tagesabschnitt. Nicht nur über Stock und Stein geht es dort nach oben, neben steilen Abhängen muss unter anderem auch eine wacklige Hängebrücke überquert werden - 200 Meter lang und 100 Meter hoch.

„Nur nicht nach unten schauen“ ,heißt es immer wieder. Doch die Höhe ist nicht das einzige Hindernis. Nach einigen Tagen sind Hände und Füße mit Blasen übersäht. Ein banal erscheinender Grund treibt Angelika Muth jedoch zum Durchhalten und hält sie davon ab aufzugeben.

„Ich wollte unbedingt das Finisher-T-Shirt haben, das man im Ziel erhält“, sagt sie schmunzelnd. Schließlich stellt es für sie eine bleibende Erinnerung und den Beweis dar, dass „ich durch meinen starken Willen einiges schaffen kann“.

von Peter Gassner

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