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Wildschweinjäger legt sich mit Hundehaltern an

Aus dem Amtsgericht Wildschweinjäger legt sich mit Hundehaltern an

Ärger am Hochsitz! Weil sich ein Jäger durch zwei Spaziergängerinnen gestört fühlte, kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Diese endete vor Gericht.

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Der 77-jährige Jäger muss der Spaziergängerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro zahlen.

Quelle: Rainer Sturm

Marburg. Wenn es zwischen Jägern und anderen Nutzern der Wälder zu Konflikten kommt, dann meist aus den immer selben Gründen. Hunde, die nicht angeleint sind, Fahrzeuge, die widerrechtlich auf Waldwegen abgestellt oder bewegt werden, und ganz grundsätzlich herrscht häufig eine große Kluft zwischen den Mentalitäten der Beteiligten.

In der Verhandlung vom Dienstag wegen Körperverletzung, unter dem Vorsitz von Richter Thomas Rohner, kamen gleich mehrere dieser Punkte zum Tragen. Im Herbst des vergangenen Jahres war es im Ronhäuser Wald zwischen dem angeklagten Jäger und zwei geschädigten Zeuginnen zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die Frauen waren mit ihren Hunden unterwegs und hatten Pilze gesammelt. Mindestens einer der Hunde lief ohne Leine. Dadurch fühlte sich der 77-jährige Jäger auf seinem Hochsitz bei der Wildschweinjagd gestört.

Zeugin: Der war einfach unverschämt

Auf einen freundlichen Gruß einer Zeugin hoch zum Sitz soll der Beklagte daher mit den Worten, „seht zu, dass ihr hier verschwindet“, geantwortet haben. „Der war von Anfang an so aggressiv, da haben wir lieber gleich unseren Rundgang abgekürzt und die Hunde in das Auto gesperrt“, erklärte die Zeugin. „Gerade als wir im Auto saßen, kam er dann aber mit seinem Wagen angebraust und hat uns den Weg versperrt.“

Was danach passierte, ließ sich nicht mehr eindeutig klären. Fest steht, dass eine der Frauen den Jäger daran hindern wollte, das Autokennzeichen aufzuschreiben.

„Ich wollte ihn zur Rede stellen, ich fand es einfach unverschämt, wie der da gehandelt hat. Als ich ihm seinen Notizblock wegnehmen wollte, hat er mich dann gepackt und angebrüllt. Daraufhin habe ich ihm eine leichte Ohrfeige verpasst, was wiederum dazu führte, dass er mich an den Haaren festhielt, herumgewirbelt und geschlagen hat. Meine Schwägerin sprang dabei ganz aufgelöst um uns herum“, sagte die Zeugin.

Der Angeklagte erinnerte sich an einen anderen Ablauf, er habe von den Landwirten den Auftrag erhalten, widerrechtliche Waldwegnutzer per Kennzeichen zu erfassen. Dabei wäre die Frau wie eine Furie auf ihn losgegangen. „Ich musste mich ja irgendwie verteidigen, die hat mir immer gegen die Schienbeine getreten und mir das Gesicht zerkratzt“, sagte er aus.

Gericht zweifelt an mehreren Zeugenaussagen

Zwar räumte der Mann ein, die Frau zur Abwehr gestoßen und kurz an den Haaren gepackt zu haben, er habe sie jedoch nicht geschlagen.

Ärztliche Unterlagen, welche die Aussagen stützten, hatten beide Seiten vorgelegt.

Letzten Endes blieb die Situation für das Gericht schwer einzuschätzen. Einerseits räumte der Jäger den Ablauf im Groben ein. Andererseits passte das zunächst verschüchterte Verhalten mit der Entwendung des Notizblocks nicht zusammen. Auch an der völligen Hilflosigkeit der beiden Frauen mittleren Alters gegenüber dem Rentner hatte das Gericht seine Zweifel.

Schließlich waren sich Rechtsreferendar Michael Nahrgang und Richter Rohner jedoch darin einig, dass die Aggression zunächst vom Jäger ausgegangen war. Er hatte nach Ansicht des Gerichts seine Kompetenzen der Revierpflege klar überschritten. „Da solche Prozesse jedoch erfahrungsgemäß häufig über mehrere Instanzen gehen, halten wir es hier für die beste Lösung, das Verfahren gegen ein Schmerzensgeld an die Zeugin zu beenden“, so Rohner.

Nach kurzem Widerstand willigte der Rentner schließlich in eine Zahlung von 500 Euro in Raten ein, womit auch die Betroffene und ihr Rechtsbeistand einverstanden waren. Ob dieser Vorfall dazu führen wird, dass der Jäger seine Jagdlizenz verliert, muss nun der Rechtspfleger entscheiden.

von Marcus Hergenhan

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