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Wie wirtschaftlich wäre der Windpark?

Windkraft auf den Lahnbergen Wie wirtschaftlich wäre der Windpark?

In der Debatte um zwei neue Windkraftanlagen in Marburg steckt nach wie vor Zündstoff: Die Vertreter von CDU und der „Marburger Linken“ zogen am Dienstag aus dem Umweltausschuss aus.

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Eine der beiden Windmessanlagen auf den Marburger Lahnbergen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mit einem Eklat endete im Ausschuss die Debatte über die aus Sicht von Bürgermeister Dr. Franz Kahle aus Gründen der Rechtssicherheit notwendige formale Anpassung des Flächennutzungsplans an den neu ausgelegten Teilenergieplan Energie.

Dieser Antrag wurde nach einem erhitzten Wortwechsel und dem Auszug von drei Ausschuss-Mitgliedern wie bereits vor vier Wochen erneut vertagt. Zwar ging es auch dieses Mal nicht um eine Grundsatzentscheidung pro oder contra Windkraft am Lichten Küppel, aber im Hintergrund spielte die Frage um eine Rentabilität der beiden Windräder, die Kahle dort errichtet sehen will, eine entscheidende Rolle.

Die Marburger Stadtwerke bereiten als möglicher Investor einen Antrag auf Genehmigung des Windparks beim Regierungspräsidium Gießen vor, der im kommenden Sommer vorliegen soll, und haben dort bereits Vorunterlagen eingereicht.
Wie schon bei der in der Novembersitzung des Ausschusses vertagten Abstimmung entzündete sich die Diskussion am Dienstag erneut an der Frage, ob die Ausschuss-Mitglieder die Daten der Messreihen der Windmessanlagen am „Lichten Küppel“ einsehen dürften. Dies hatte Joachim Brunnet (CDU) erneut verlangt.  Ausschuss-Vorsitzender Uwe Volz (Grüne) merkte daraufhin an, dass er sich nicht vorstellen könne, dass Brunnet fähig sei, die Daten aus diesen Messreihen zu analysieren.

Brunnet und Schaffner verlassen die Sitzung

Dies gelte im Übrigen auch für die anderen Stadtverordneten, sagte Volz kurz darauf. Brunnet fühlte sich aber dadurch beleidigt und antwortete, dieses sei eine Unverschämtheit, die er sich nicht gefallen lasse. Daraufhin verließen er und seine Fraktionskollegin Karin Schaffner (CDU) die Sitzung. Diesem Auszug schloss sich kurz darauf auch Henning Köster (Marburger Linke) an, und zwar nachdem die Vertreter der rot-grünen Mehrheitsfraktionen einen Geschäftsordnungsantrag auf Schluss der Debatte und erneute Vertagung des Punktes gestellt und anschließend dafür gestimmt hatten.

Dadurch sah sich Köster der Möglichkeit beraubt, noch einen Kommentar zu dem Eklat abzugeben. „Brunnet wurde beleidigend angegangen, ob bewusst oder unbewusst durch eine mindestens doppelbödige Formulierung“, erklärte Köster dazu am Mittwoch gegenüber der OP.

Am Mittwoch entschuldigte sich Volz in einer schriftlichen Stellungnahme für sein Vorgehen. Er habe sich nicht despektierlich über die intellektuellen Fähigkeiten von Brunnet äußern wollen und wolle sich in Zukunft als Ausschuss-Vorsitzender „mehr aus der Debatte heraushalten“, so Volz.

Stadtwerke-Präsentation enthält Basisdaten

Klar ist aber: In der Windkraft-Debatte steckt nach wie vor Zündstoff. Schon in der November-Sitzung hatte es einen heftigen Wortwechsel zwischen Bürgermeister Kahle und Brunnet gegeben.
Während der Debatte am Dienstag hatte Brunnet deutlich gemacht, dass die Informationen über die von den Stadtwerken geplanten beiden neuen Windkraftanlagen auf dem „Lichten Küppel“ aus seiner Sicht noch genauso spärlich seien wie bei der letzten Ausschuss-Sitzung.

Angeregt durch diese Sitzung hatte es am vergangenen Freitag einen nicht-öffentlichen Informationsabend für die Ausschuss-Mitglieder gegeben, bei dem Reiner Kühne, Technischer Leiter der Stadtwerke,  den aktuellen Stand der Planungen in Bezug auf den „Windpark Lahnberge“ vorstellte.  Dabei habe es nach wie vor keine detaillierteren Informationen zu den Messreihen gegeben, bemängelte Joachim Brunnet. Zudem frage er sich, aufgrund welcher Berechnungen die Stadtwerke auf eine mögliche Rendite der beiden Windanlagen in Höhe von 6,9 Prozent gekommen seien.

In der Präsentation der Stadtwerke, die der OP vorliegt, sind Basisdaten zur Wirtschaftlichkeit der geplanten Windanlage nachzulesen – und zwar erstellt „auf Basis der Windertragsabschätzung auf Basis der Windmesskampagne“. Dabei wird mit einer Betriebszeit von 25 Jahren zuzüglich zwei Jahren Planung und Bau sowie einem Investitionsvolumen von 10,5 Millionen Euro gerechnet. Dafür würde ein Eigenkapital von 2,1 Millionen Euro benötigt. Die Stadtwerke kalkulieren demnach mit Umsatzerlösen von rund 27,6 Millionen Euro über die Betriebszeit und somit insgesamt einer Rendite von  6,9 Prozent bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital.

Wiegand sieht noch Nachholbedarf

Nicht endgültig überzeugt von dieser Berechnung der Wirtschaftlichkeit zeigte sich im Ausschuss Dr. Horst Wiegand (SPD).  „Es scheint ökonomisch sinnvoll zu sein“, formulierte Wiegand vorsichtig.
Auch aus ökologischer Sicht sieht Wiegand bei den Windanlagen-Plänen noch Nachholbedarf. So sei erst rund die Hälfte aller notwendigen Gutachten eingeholt.  „Wenn man ein einziges Haselhuhn dort findet, dann ist die Sache erledigt“, meinte Wiegand. Ein mögliches Vorkommen des Haselhuhns, einer seltenen Vogelart, am Lichten Küppel, soll noch untersucht werden.

Wiegand mahnte jedenfalls dringend eine Bürgerbeteiligung an. Man müsse die Bürger auf jeden Fall mitnehmen.Die Beteiligung der Bürger solle auch erfolgen, erläuterte Bürgermeister Kahle. Am 15. Januar 2015 sei eine Informationsveranstaltung im Bürgerhaus Moischt geplant.

von Manfred Hitzeroth

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