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Wie viel ist ein Parkplatz wert?

Stellplatzsatzzung Wie viel ist ein Parkplatz wert?

Die neue Stellplatzsatzung der Stadt kann in die parlamentarische Beratung gehen. Das Beteiligungsverfahren ist abgeschlossen.

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An der alten Universitätsbibliothek sollen weitere Parkplätze entstehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Begriff klingt hölzern: „Stellplatz- und Garagensatzung der Universitätsstadt Marburg“. Dahinter steckt eine hochbrisante Entscheidung für die Entwicklung der Stadt in den kommenden Jahrzehnten. Die Stellplatzsatzung ist ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung des Parksuchverkehrs in der Innenstadt zu beeinflussen.

Sie sieht im Kern vor, dass Bauvorhaben oder Umwidmungen nur dann genehmigt werden, wenn eine ausreichende Zahl von Parkplätzen geschaffen wird. Was „ausreichend“ ist, definiert die Satzung differenziert nach Gebäudeart und Lage.

Und sie nennt Ausnahmen: Anstatt Stellplätze zu schaffen, können Bauherren eine Art „Ablösesumme“ bezahlen. Faustregel: Je höher die Ablösesumme, desto höher der Anreiz, einen Stellplatz nachzuweisen.

Im aktuellen Entwurf, der am Mittwochabend von Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Vertretern des Bauamts vorgestellt wurde, ist die Ablösesumme gedeckelt: Maximal 8000 Euro sollen Bauherren zahlen, wenn sie keine Parkplätze schaffen - das ist deutlich weniger als bisher.

Andere Ausnahme-Tatbestände können sein: Ein Jobticket, das der Arbeitgeber seinen Angestellten zur Verfügung stellt, die Teilnahme an einem Car-sharing-Programm oder die Benetzung eines Elektroautos

Industrie- und Handelskammer, Einzelhändler und die CDU hatten im bisherigen Verlauf der Debatte vor allem die sinkende Ablösesumme als „Parkplatzverhinderungsprogramm“ kritisiert.

Viele Detailfragen gab es am Mittwochabend zu diskutieren, sie führen zum Teil dazu, dass die Verwaltung ihren Entwurf an einigen Punkten noch einmal überdenkt, wie Bauamtsdirektor Jürgen Rausch und Bürgermeister Dr. Franz Kahle zusicherten.

Eine der spannendsten Fragen ist, wie die Stadt den zusätzlichen Parkraumbedarf durch die Schaffung des Campus Firmanei im Zentrum (und nicht am Stadtrand, etwa auf den Lahnbergen) einschätzt und wie er gedeckt werden soll. Mittlerweile seien den jungen Leuten Smartphones, Tablet-PCs oder ein Mountainbike viel wichtiger als ein Auto, argumentiert der Magistrat. Viele würden nicht mal mehr einen Führerschein besitzen und seien weniger mit dem Auto unterwegs. Fahrrad, Bus und Bahn - das seien die bevorzugten Verkehrsmittel, so der Tenor der Magistratsmeinung.

Folgerichtig ist im Entwurf der Stellplatzsatzung nur noch ein Stellplatz je neun Studierende bei universitären Bauten vorgesehen - bisher wurde ein Stellplatz für zwei Studierende gefordert. Stadt und Universität sind in Gesprächen, wo diese Parkflächen entstehen sollen, und vieles spricht dafür, dass dies auf dem Gelände der alten Universitätsbibliothek geschehen soll.

Aber, so fragt etwa Roland Frese, Kommunalpolitiker der „Bürger für Marburg“, wie sollen Studierende, die künftig bis spät nachts in der neuen Universitätsbibliothek arbeiten, zu ihrem Auto kommen? Eine Fragestellung, die vor allem für Frauen interessant ist, meint Frese.

„Das ist noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagte Frese. Weitere Gedanken seinen notwendig, so müsse auch über einen Shuttlebus zwischen Parkflächen in der Peripherie und dem Campus Firmanei nachgedacht werden.

Die Stellplatzsatzung soll, so Kahle, möglichst noch vor der Sommerpause im Stadtparlament verabschiedet werden.

Der Entwurf der Verwaltung ist auf www.marburg.de zu finden.

von Till Conrad

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