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Wie viel Wald fällt für die Windkraft?

Stadtparlament Marburg Wie viel Wald fällt für die Windkraft?

Die Diskussion über den Teilregionalplan Energie bietet im Stadtparlament die Gelegenheit, sich schon einmal für den Landtagswahlkampf warmzulaufen.

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Das Stadtparlament verabschiedete am Freitagabend die Stellungnahme zum Teilregionalplan Energie und brachte den Bebauungsplan für den Deutschen Sprachatlas auf den Weg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Marburg. Den Grünen gibt die Diskussion die Möglichkeit, sich als Umweltexperten zu profilieren - aber nicht die designierte Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Angela Dorn, nutzt die Gelegenheit als erste, sondern ihr Fraktionskollege Uwe Volz. Er doziert über den Regionalplan als Mittel für die Energiewende, die ein ambitioniertes Ziel sei, und lobt die Stadt Marburg, die schon lange über genau die Teilflächen für die Windenergie rede, die jetzt vom Regierungspräsidium vorgesehen werden.

Das geht dem umweltpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion deutlich gegen den Strich. Joachim Brunnet kritisiert insbesondere die Forderung im Entwurf der Koalition, die bestehende Fläche in Wehrda als Vorrangfläche auszuweisen, weil die Anlagen allenfalls toleriert, aber nicht akzeptiert seien, und die Standorte auf den Lahnbergen, weil dafür 100000 Quadratmeter Wald fallen müssten.Auch Brunnet schafft es, über das Grundsätzliche zu philosophieren: Er arbeitet sich an der Haltung der Grünen ab, die den Ausschluss von Natura-2000-Flächen als Windvorrangflächen kritisieren. Es sei doch die Umweltpartei, die für Artenschutz eintrete.

Jetzt bekommt Angela Dorn doch noch die Möglichkeit, ihre Tauglichkeit als Umweltexpertin unter Beweis zu stellen. Warum solle sich ein Windrad nicht dort drehen, wo geschützte Arten leben, die aber nicht windkraft-sensibel sind, fragt sie rhetorisch. Dorn verteidigt die von Brunnet zuvor kritisierte Forderung, die Mindest-Windgeschwindigkeit als Voraussetzung für eine Vorrangfläche von 5,75 Metern pro Sekunde auf 5,5 Meter pro Sekunde zu senken, mit der Bemerkung, dass das sicherlich nicht grün-verdächtige Wirtschaftsministerium die Wirtschaftlichkeit von Anlagen auch bei nur 5,5 Metern pro Sekunde sieht. Dorn widerspricht auch der Information von Brunnet, auf den Lahnbergen müssten 100000 Quadratmeter Wald fallen, und nennt sie „Angstmache“: Ein Windrad verbrauche 4000 Quadratmeter Wald, sagt die Grüne, und für mindestens zwei Standorte kämen Windwurfflächen in Frage.

Vorgesehene Flächen müssen überprüft werden

Streng aus lokaler Sicht äußern sich dagegen die Ortsvorsteher Dirk Vaupel (CDU, Wehrda) und Horst Wiegand (Ginseldorf, SPD). Während Vaupel seine ablehnende Haltung gegenüber der Forderung nach der Vorrangfläche in Wehrda begründet, erklärt Wiegand, dass er der Stellungnahme zustimmen wird - trotz seiner Kritik an dem vorgesehen Lahnberge-Standort Bürgeler Gleiche. Es gehe zunächst nur darum, dass alle vorgesehenen Flächen als Standorte überprüft werden können.

Auch Oberbürgermeister Egon Vaupel erklärt, dass nicht an allen Vorrangflächen Windräder gebaut werden müssten. Es gehe darum, eine ausreichende Anzahl von Flächen zur Verfügung zu haben, auf denen die Errichtung von Windkraft geprüft werden könne. „Was am Ende nicht als Windkraft ausgewiesen ist, fällt als mögliche Fläche weg“, so Vaupel.

Gegen die Stimmen von CDU, FDP, Bürger für Marburg und einem Vertreter der Marburger Bürgerliste beschließt das Parlament schließlich die Stellungnahme zum Entwurf des Teilregionalplans.Mehrheitlich beschloss das Stadtparlament, den Bebauungsplan für das Gebiet der Alten Brauerei offenzulegen. Hier soll ein Gebäude für den Deutschen Sprachatlas entstehen.Bis hierhin sind sich auch alle Parteien einig. Streit gab es in der Vergangenheit um die künftige Fassade des Gebäudes und um den Umgang mit kritischen Stimmen zu diesem Thema.

Dabei, so Rainer Flohrschütz von den Grünen, sei doch klar, dass es angesichts der Bedeutung und der zentralen Lage des Gebäudes auch Diskussionen um die Gebäudeästhetik geben müsse. Flohrschütz, Tanja Bauder-Wöhr von der Marburger Linken und CDU-Mann Manfred Jannasch kritisierten, dass es nur unzureichende Darstellungen der künftigen Architektur gebe.Das wird sich bald ändern, wie Oberbürgermeister Vaupel mitteilte: Uni-Präsidentin Katharina Krause sei mit ihm einig, dass „in den nächsten Tagen“ eine virtuelle Darstellung in 3D entwickelt werde. „Dann kann man ganz anders diskutieren“, sagte Vaupel. Er sei wie Katharina Krause der Ansicht, dass man die vielfältigen Stimmen in der Stadt hören müsse.

Partikeltherapie:keine Dringlichkeit

Zu Beginn hatte ein Dringlichkeitsantrag von Grünen und SPD zum Schicksal der Partikeltherapie auf den Lahnbergen die für die Behandlung notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlt. CDU-Fraktionschef Philipp Stompfe, obwohl inhaltlich nach eigener Aussage nicht weit von Rot-Grün entfernt, warf Angela Dorn Wahlökampfgetöse vor. Der Antrag sei zu spät für eine gründliche Befassung eingegangen. Dorn hatte dagegen gesagt, dass es darum gehen müsse, Siemens Healthcare schnell davon zu überzeugen, die Anlage in den Patientenbetrieb zu geben.

von Till Conrad

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