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Wie viel Pflege braucht ein Patient?

Universitätsklinikum Marburg Wie viel Pflege braucht ein Patient?

In den Streit zwischen dem Universitätsklinikum Gießen-Marburg und seinen Kritikern von der Initiative „Notruf 113“ um die Qualität der ärztlichen und pflegerischen Versorgung kommt möglicherweise Bewegung.

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Das Universitätsklinikum Gießen-Marburg streitet weiter mit der Initiative Notruf 113 um die Qualität der Patientenversorgung. Hier zu sehen ist die Verbindung zwischen Alt- und Neubau des Universitätsklinikums.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Nach der Allgemeinärztin Dr. Ulrike Kretschmann und der Orthopädin Dr. Susanne Deuker (diese Zeitung berichtete) hat ein dritter niedergelassener Arzt aus Marburg eine Abmahnung des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM) erhalten.

Auch der Lungenfacharzt und Internist Dr. Hermann Trauth wurde aufgefordert, seine kritischen Äußerungen über Zustände im Klinikum zu unterlassen; das UKGM verwahrt sich insbesondere gegen den von Trauth erhobenen Vorwurf, dass im Klinikum nicht ausreichend für Hygiene gesorgt werde.

Wie seine Kolleginnen wurde auch Trauth aufgefordert, „zur Vermeidung der Einleitung gerichtlicher Maßnahmen“, wie es im schönsten Juristendeutsch heißt, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung zu unterzeichnen, wie seinen Kolleginnen werden auch dem Internisten Schadensersatzklagen in Höhe von mindestens 100.000 Euro angedroht. Trauth hat die Verpflichtungserklärung ebenso wenig unterschrieben wie seine Kolleginnen; „ich lasse mich nicht einschüchtern“, sagt der Mediziner.

Inzwischen ist auch die hessischen Landespolitik auf die Drohungen aufmerksam geworden und hat reagiert: „Gerichtsverfahren sind kein geeignetes Mittel zur Verbesserung der Versorgung der Menschen in Marburg-Biedenkopf“, sagt etwa der gesundheitspolitische Sprecher der hessischen SPD-Landtagsfraktion, Dr. Thomas Spies zu den aktuellen Klagedrohungen des Rhön-Klinikums. Die Grüne Landtagsabgeordnete Angela Dorn blies ins gleiche Horn: „Der UKGM-Betreiber sollte überlegen, ob rechtliche Schritte der richtige Weg sind, die häufig geäußerten Bedenken über eine verschlechterte Gesundheitsversorgung auszuräumen“, sagte sie. Und auch der Gesundheitspolitiker der CDU-Landtagsfraktion, der Frankfurter Hautarzt Dr. Ralf-Norbert Bartelt, riet dem UKGM-Träger Rhön-Klinikum im Gespräch mit dieser Zeitung zu „mehr Gelassenheit“ im Umgang mit den Kritikern.

Frank Steibli, der Sprecher des UKGM, hatte die Schreiben an die Marburger Ärzte im Gespräch mit dieser Zeitung damit begründet, dass die „unwahren Äußerungen“ über das Klinikum geschäftsschädigend seien.
Fest steht, dass seit der Fusion der Universitätsklinika Marburg und Gießen und ihrem anschließenden Verkauf an den Rhön-Konzern mehrere hundert Stellen abgebaut wurden. Fest steht auch, dass sich die öffentlichen Klagen über Mängel in der Gesundheitsversorgung seitdem häufen. Fest steht aber auch, dass der Rhön-Konzern die bei der Privatisierung vereinbarten Millioneninvestitionen zügig umgesetzt hat.

Zur Lösung des Streits fordert Spies einen „Runden Tisch“ zur Gesundheitsversorgung in der Region; Dorn mahnt, über die Versorgungsqualität des privatisierten Uniklinikums solle „offen und mit sachlichen Argumenten diskutiert“ werden.

Die Vertreter der Initiative Notruf 113 und das UKGM betonen auch jeweils ihre Gesprächsbereitschaft – aber die Positionen sind weit auseinander. Während Trauth sagt: „Gesellschaftspolitische Gesichtspunkte verbieten Gewinnmaximierung im Gesundheitswesen“, verbitten sich UKGM und der börsennotierte Rhön-Konzern jeglichen Zusammenhang zwischen der Rechtsform des Trägers und der Qualität der medizinischen Versorgung.

von Till Conrad

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