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Wie viel Grenze soll es sein?

Serie: Saisongarten Wie viel Grenze soll es sein?

Wie wir unsere Grundstücksgrenzen gestalten, hängt ganz von den nachbarlichen Gegebenheiten ab. Hecken und Zäune können Grenze und Einladung sein.

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Die Blutjohannisbeere zieht mit ihren roten Blüten im Frühling die Hummeln beinahe magisch an.

Quelle: Rademacher

Marburg. Wer soll draußen bleiben und wen würden wir gerne in unserem Garten sehen? Welche Teile sollen für die Nachbarn unsichtbar bleiben und mit welchen zeigen wir, wie viel Freude wir am Gärtnern haben? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden darüber, wie und womit wir den Garten abgrenzen oder auch offen lassen.

Liegt der Garten am Ortsrand, unweit eines Waldstücks, werden Hasen und Rehe, möglicherweise aber auch Hirsche und Wildschweine zu den möglichen Besuchern gehören. Wer sein Gemüse selbst ernten möchte und sich auch an der Blumenpracht dauerhaft erfreuen will, muss die Vierbeiner draußen halten. Ohne einen Zaun oder eine Hecke geht es also nicht.

Zaun oder Hecke oder beides - das ist die Frage

Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt bei diesen Voraussetzungen sogar eine Kombination: Ein zwei Meter hoher Zaun stellt für einen Hirsch kein wirkliches Hindernis dar. Wenn er aber von der Hecke daran gehindert wird, den Landeplatz hinter dem Zaun in Augenschein zu nehmen, wird er nicht springen. Hasen und Wildschweine wiederum lassen sich von einer Hecke nicht aufhalten - in Verbindung mit einem Zaun, insbesondere wenn dieser noch in die Erde eingelassen ist, müssen auch sie draußen bleiben.

Wer sich für eine Hecke entscheidet, hat die Wahl zwischen Nadel- und Laubgehölzen. Während Fichten- und Thujahecken ganzjährig einen Sichtschutz bieten, verlieren die Laubgehölze im Herbst ihre Blätter und die Hecke wird durchsichtig.

Laubhecken haben den Vorteil, dass sie Vögeln und Insekten einen attraktiven Lebensraum bieten können, wenn sich der Gärtner für die entsprechende Auswahl an Laubgehölzen entscheidet. Der Gewöhnliche Schneeball blüht ab Mai weiß und trägt später rote Beeren. Die hat auch die Kornelkirsche, die bereits im März gelbe Blüten ziert. Ab Juni zeigen sich die weißen Blütendolden des Schwarzen Holunders, dessen schwarze Beeren sich auch zu einem leckeren Gelee verarbeiten lassen. Der Weißdorn trägt ab Mai weiße Blüten und entwickelt daraus rote Früchte. Weiß sind auch die im April leuchtenden Blüten der Kupfer-Felsenbirne, deren Blätter im Herbst orangegelb gefärbt sind, während die Früchte blauschwarz schimmern. Abhängig von der Sorte werden die Beeren des wintergrünen Feuerdorns gelb, orange oder rot, der ab Mai mit weißen Blüten aufwartet.

Im Frühjahr die Blüten, später die bunten Früchte

Gelb leuchten die Blüten der Gold-Johannisbeere ab April, deren Früchte schwarz werden. Die Blut-Johannisbeere lockt gleichfalls im April mit roten Blütendolden die Hummeln an, später erfreuen sich die Vögel an den dunkelblauen Beeren. Die Hecht-Rose blüht erst ab Juni rosarot, besticht zudem durch ihr bläuliches Laub und die roten Hagebutten. Schon im Mai sind die weißgelben Blüten der Gewöhnlichen Heckenkirsche zu sehen, deren reife Früchte eine dunkelrote Farbe aufweisen. Gelb sind auch die Blüten der Berberitze, die im Mai aufblühen und später rote Beeren werden. Gleichfalls im Mai blüht die Apfelbeere in weiß, während im Herbst die vitaminreichen Früchte schwarz werden. Abhängig von der Sorte fallen die Blüten der Zierquitte im April weiß, rosa oder rot aus, die Früchte aber färben sich gelb. Die Schlehe schließlich blüht schon ab März weiß und trägt im Herbst blauschwarze Früchte, die erst durch den Frost etwas von ihrem sehr herben Geschmack verlieren.

Eine solche Vogelhecke sollte etwas lockerer gepflanzt werden und darf auch etwas breiter ausfallen. Stehen die Pflanzen zu dicht, bedrängen sie sich, worunter die Blühwilligkeit und damit auch die Fruchtbildung leidet. Der besondere Reiz besteht aus der buchstäblich bunten Mischung.

Nicht geschnitten werden dürfen Hecken in Deutschland zwischen dem 1. März und dem 30.September, um den in ihnen brütenden Vögeln die nötige Ruhe zu gewähren. Laubhecken werden in unserer Region allerdings frühestens im April grün, Vogelnester lassen sich bis dahin deshalb leicht erkennen.

Grenze mit Naschfaktor

Noch lichter fällt die „Hecke“ aus, wenn sie aus Beerensträuchern wie Himbeere, Brombeere, Thaybeere oder Johannisbeeren besteht. Mindestens bei den Brombeeren sollte sich der Gärtner allerdings mit dem Nachbarn über die Bepflanzung verständigen, ansonsten können die unterirdischen Triebsprossen zum Anlass für Streitereien werden. Ist das geklärt, kann eine solche Hecke im Sommer und Herbst immer wieder zum Treffpunkt für Vögel und die zweibeinigen Nachbarn werden.

Ohnehin sollte man sich vor dem Pflanzen einer Hecke an der Grundstücksgrenze mit dem Nachbarn verständigen, schließlich hat die Hecke zwei Seiten, die geschnitten werden wollen.

Kommt eine Hecke nicht infrage, muss aber auch ein Zaun nicht trist bleiben. Wicken und Winden oder auch die Schwarzäugige Susanne nehmen das „Gerüst“ schnell rankend in Beschlag und verwandeln es im Sommer in ein stehendes Blütenmeer.

Große Blumen fallen am Zaun nicht so schnell um

Aber auch alle stark in die Höhe wachsenden Blumen sind in Zaunnähe gut aufgehoben, weil sie durch ihn eine Stütze bekommen können. So fallen etwa Sonnenblumen nicht so schnell um und auch der gleichfalls gelb blühende und leicht zwei Meter groß werdende Topinambur ist dafür dankbar. Die mehrjährige Pflanze, deren Knollen man als Kartoffelersatz essen kann, neigt allerdings dazu, sich auszubreiten, solange die Wühlmäuse sie nicht entdecken.

Wo keine Wildtiere ausgesperrt oder Sitzecken abgeschirmt werden sollen, bietet sich - auch als Abgrenzung zur Straße - ein schmiedeeiserner, bunt angestrichener Zaun an. Er markiert klar die Grundstücksgrenze und lädt zugleich dazu ein, einen Blick darüber hinweg auf die imposanten Blumenrabatten oder die reich bestückten Gemüsebeete zu werfen. Ein solcher Zaun ist gewissermaßen die handfeste Aufforderung, die stolzen Gartenbesitzer in einen kurzen, botanischen Plausch zu verwickeln.

von Frank Rademacher

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