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Wie predigen Pfarrer im Friedwald?

Forschung Marburg Wie predigen Pfarrer im Friedwald?

Wie reagieren Pfarrer auf die Abkehr von traditionellen Grabstätten auf Friedhöfen und die Hinwendung zur Urnenbestattung in Friedwäldern? Das erforscht die Theologie-Professorin ­Ulrike Wagner-Rau.

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Der Ruheforst Marburger Land in Germershausen bei Oberweimar:  ein Beispiel für eine neue Bestattungsform.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Immer mehr Menschen werden nicht mehr auf traditionelle Art auf Friedhöfen begraben. Der Trend in der Bestattungskultur geht eindeutig in Richtung Urnenbestattung. Immer wichtiger werden die Friedwälder oder anderer Formen der naturnahen Bestattung wie der Seebestattung. „Die Orte der Bestattung haben sich aus dem umfriedeten Areal des Friedhofs herausbewegt“, konstatiert die Marburger Theologin Professorin Ulrike Wagner-Rau.

„Besonders bekannt und mit großen Steigerungen versehen ist die Bestattung im Wurzelgeflecht eines Baumes, wie sie in den dafür ausgewiesenen Waldstücken durch die Friedwald GmbH und die RuheForstGmbH – mittlerweile aber auch von zahlreichen kommunalen Anbietern – angeboten wird“, erläutert die Theologin. Kulturwissenschaftliche Forschungen zeigen laut Wagner-Rau, dass naturreligiöse Vorstellungen den Wunsch nach einer Bestattungsform  im Friedwald  prägen, bei der die Asche in einer Urne nicht in einem umfriedeten, reglementierten Garten mit einer Kapelle (Friedhof), sondern in einem „natürlicheren“ Umfeld  begraben werde. Dieses entspräche unmittelbarer dem Gedanken, dass der Tote der Natur überlassen werde. Aus Sicht der Marburger Forscherin ist es auch so, dass bei den Naturbestattungen  gewandelte Vorstellungen über den Tod und die Existenz nach dem Tod eine Rolle spielen.  Es gebe offenbar viele Menschen, die sich von dem Gedanken angezogen fühlten, dass der Leib nach dem Tod in die Ewigkeit des natürlichen Kreislaufs eingehe und darin weiter präsent sei.

Auf letztem Lebensweg als Berater gefragt

Doch wie reagieren Pfarrer und Pfarrerinnen in ihren Predigten bei den Beerdigungen und bei der Ausgestaltung der Bestattungen auf die gewandelten Vorstellungen? Wagner-Rau sagt  im Gespräch mit der OP, dass sich angesichts variabler Todesvorstellungen auch die Aufgaben für die Pfarrer wandeln würden. So seien diese nicht nur bei den Grabpredigten, sondern immer öfter auch bei den Gesprächen mit älteren Menschen als seelsorgerische und alltagspraktische Berater auf dem letzten Lebensweg vor ihrem Tod gefragt.

Der Wandel in der Bestattungskultur sei ein typisches Beispiel der aktuellen Herausforderungen für Kirche und Theologie.  „Fast zwei Jahrtausende hatte die Kirche ein Monopol für die Todesbegleitung“, erläutert Wagner-Rau. Dieses sei jedoch längst nicht mehr existent. Schon seit einiger Zeit beschäftigt sich die Forscherin in ihrer wissenschaftlichen Arbeit aus theologischer Sicht mit den Themen Tod und Sterben. Da lag es für sie nahe, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt in Gang zu bringen, das fragt, wie Pfarrerinnen und Pfarrer auf die veränderten Gewohnheiten bei der Sterbebegleitung reagieren. Folgende Fragen sollen in dem dreijährigen Forschungsprojekt unter Leitung von Wagner-Rau beantwortet werden:

Wie stellen sich evangelische   Pfarrerinnen und Pfarrer auf die Bestattungen im Friedwald und damit verbundene religiösen Vorstellungen der Betroffenen ein?

Wie nah oder fern ist dieser Ort der Bestattung ihrer eigenen Perspektive auf den Tod?

Welche praktisch-theologischen Reflexionsperspektiven ergeben sich aus den Spannungen von religiösen Selbstdeutungen und professionellen theologischen Deutungsangeboten im Selbstverständnis der evangelischen Geistlichen?

von Manfred Hitzeroth

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