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„Wie kannst Du uns das antun“

Nachbarschaftsstreit im Waldtal „Wie kannst Du uns das antun“

Zank um Zäune gibt es zuhauf. Seit Mai schwelt einer im Stadtteil Waldtal. Und so, wie es derzeit aussieht, wird sich wohl ein Zivilgericht damit beschäftigen müssen.

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Gerhard Hofmann zeigt auf den Zaun, den er als Schikane empfindet.

Quelle: Michael Arndt

Marburg. Aufgestellt haben den Zaun an einem Morgen im Wonnemonat Mai Waldtals Ortsvorsteher Gerhard Dziehel und sein Sohn. Fünf stählerne Stangen, an denen weißes Trassierband flattert, wie man es von Baustellen kennt, engen die großzügig bemessene Zufahrt zu einem Grundstück im Waidmannsweg ein.

Die Dziehels grenzen damit ihren Grund und Boden vor der zur Straßenseite gelegenen Haushälfte ab, belassen den anderen Grundstückseigentümern nur die ihnen zustehenden Geh- und Fahrrechte über eine Wegbreite von drei Metern. Keine Frage: Das dürfen Dziehel und sein Sohn, dem besagte Haushälfte nach Angaben seines Vaters gehört – seit vergangenem Jahr. Der unvoreingenommene Betrachter fragt sich allerdings, ob sie das auch unbedingt müssen.

Vorgeschichte beginnt vor 15 Jahren

Gerhard Hofmann jedenfalls, dem zwei Häuser am Ende der Zufahrt gehören, hält den Zaun-Bau für Schikane, denn in der schmalen Straße ist es ihm nun erschwert worden, mit dem Auto seinen Carport anzusteuern. Hofmann vermutet gar einen Rache-Akt. Denn der 77-jährige selbstständige Unternehmer hat Gerhard Dziehel Anfang Mai wegen Beleidigung angezeigt.

Die Vorgeschichte: Vor 15 Jahren hatte Hofmann, wie er der OP gegenüber schildert, auf 
eigene Kosten eine Gasleitung von der Straße bis zu seinem Carport legen lassen. Die Gewobau, der damals das komplette straßenseitig gelegene Haus gehörte, habe dieses an die Gasleitung angeschlossen – und sich im Gegenzug generös gezeigt: Sie baute die Einfahrt aus.

Und die Gewobau fragte 
Hofmann, so seine Angaben, auch als Erstes, ob er nicht neuer Eigentümer der linken, zum Verkauf anstehenden Haushälfte werden wolle – die rechte gehört weiter der Gewobau, ist an eine Schwägerin Hofmanns vermietet. Hofmann beriet sich nun mit seinen Söhnen und verzichtete dann, wie er sagt, zugunsten von Dziehel. Denn dieser habe ihn gebeten, ihm doch die Haushälfte zu überlassen, da er diese als Unterkunft für seine Tochter benötige.

Disput am Gartenzaun: Nur Dziehels Bruder ist Zeuge

Auf Nachfrage der OP verneinte Dziehel 
dies; er habe Hofmann, der noch andere Häuser sein Eigen 
nennt, lediglich mal gefragt, ob er nicht eine Wohnung für 
Dziehels Tochter wüsste. Dass nun statt der Tochter 
Anfang des Jahres eine Familie, die aus dem Ausland stammt, in die nach OP-Informationen von der Stadt angemietete Wohnung einzog, ließ den 77-Jährigen aus allen Wolken fallen.

Und er stellte seinen Ortsvorsteher zur Rede – allerdings erst am 2. Mai, denn vorher sei er Dziehel nicht habhaft geworden, berichtet Hofmann. Einziger Zeuge des folgenden Disputes – übrigens an einem Gartenzaun – war Dziehels Bruder.

„Wie kannst Du uns das antun, wie soll ich jetzt noch in Ruhe alt werden“, habe Hofmann ihm vorgeworfen, erklärte Dziehel gegenüber der OP. Er habe dies so interpretiert, dass Hofmann etwas gegen die neue Nachbarschaft habe. Und das könne man angesichts der grassierenden Ausländerfeindlichkeit nicht durchgehen lassen.

Hofmann weist Vorwürfe zurück

Hofmann hat seine Äußerung gegenüber Dziehel in ganz anderer Erinnerung: „Wie kannst Du uns das antun, das ist nicht die feine englische Art“, habe er gesagt und damit darauf angespielt, dass sich Dziehel das Haus nach seinem Dafürhalten 
„erschlichen“ habe. Und gegen die Ausländer als Nachbarn 
habe er auch nichts. Im Gegenteil: „Ich habe dem einen Jungen schon sein Fahrrad repariert und der Familie Stühle gegeben, damit sie sich in den Garten setzen können“, berichtet Hofmann.

Schließlich sei Dziehel dann ihm gegenüber ausfallend 
geworden, berichtet Hofmann. Seine Konsequenz: Strafanzeige gegen Waldtals Ortsvorsteher wegen Beleidigung. In solchen Fällen, so schrieb es Hofmanns Rechtsbeistand Heinz Ludwig an seinen Mandanten, sehe der Gesetzgeber zunächst die Einschaltung der Täter-Opfer-Stelle vor.

Deren Einladung habe Dziehel jedoch „strikt und barsch abgelehnt“. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Hofmann auf den Weg der Privatklage verwiesen. 
Und den will dieser nun auf 
jeden Fall gehen – es sei denn: „Gerhard Dziehel nimmt seine Beleidigung öffentlich zurück“, sagt Hofmann. Und wünscht sich, dass es im Waldtal bald 
einen Zaun weniger gibt.

von Michael Arndt

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