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Wie es zu Vorurteilen kommt

Flüchtlinge Wie es zu Vorurteilen kommt

Etwa 100 Schüler diskutierten im Anschluss an den Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ im Marburger Cineplex über die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Experten der Organisation „Bleib“ standen dabei für Fragen zur Verfügung.

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Flüchtlinge nehmen in Germersheim (Rheinland-Pfalz) in der Universität an einem deutschen Sprachkurs der Studenteninitiative "Crossborders" teil.

Quelle: Uwe Anspach

Marburg. Bei der Bewertung des Films, der die Lebens- und Leidenswege von Kriegs- wie auch Wirtschaftsflüchtlingen nachzeichnete, waren sich die meisten Schüler der Käthe-Kollwitz- und der Richtsbergschule noch einig. Er sei sehr unterhaltsam gewesen und beleuchte das Thema aus vielen verschiedenen Perspektiven. So würden sowohl das schwere Schicksal der Flüchtlinge wie auch die verschiedenen Reaktionen der deutschen Bevölkerung herausgestellt, ohne dabei um den heißen Brei herumzureden, wie einer der Schüler anmerkte.

Bei der anschließenden Diskussion gingen dann die Meinungen der Schüler zum Teil weit auseinander. „Man darf niemals vergessen, dass diese Menschen einfach nur froh sind, dass ihnen keine Bomben mehr aufs Dach fallen“, erklärte eine Schülerin und erntete damit lebhaften Zuspruch im Kinosaal. Die Meinungsverschiedenheiten entzündeten sich daraufhin auch nicht an der Frage, ob Flüchtlinge aufgenommen werden, sondern um das Wie. Als Negativbeispiel zogen mehrere Schüler ein im Film gezeigtes Dorf heran, in dem mehr als 50 Flüchtlinge untergebracht wurden, obwohl der Ort selbst nur 200 Einwohner hat. Einig waren sich die Schüler dann in der Folge, dass Menschen auf dem Land, gerade in kleineren Dörfern, größere Angst vor Veränderungen haben als ihre Pendants in den Städten.

Asylbewerber im Altenheim

Im Laufe der Diskussion erklärten die Vertreter der Flüchtlingshilfeorganisation „Bleib“, Christian Hendrichs und Julia Becker, wie Vorurteile gegen Flüchtlinge entstehen und warum diese nicht der Realität entsprechen. Außerdem beschrieben sie den Schülern, wie die Asylsuchenden nach Deutschland kommen, wie sie übers Land verteilt und untergebracht werden. An dieser Stelle sorgte abermals eine Filmszene für regen Gesprächsbedarf – Asylbewerber wurden in einem Altenheim untergebracht. Dass dies bereits vorher leer stand, war einem Schüler entgangen und er dachte, die Senioren hätten weichen müssen. So schnell können Vorurteile entstehen, berichtigten die Experten von „Bleib“ und fügten direkt an, dass niemand in Deutschland einem Flüchtling weichen muss. Dass Studentenwohnheime umgenutzt werden und ihren bisherigen Bewohnern wie unlängst in Görlitz zugunsten von Asylbewerbern gekündigt wird, ließen die Experten an dieser Stelle unter den Tisch fallen. Auch so können Vorurteile entstehen.

von Alexander Graf

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