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Wie Risikofaktoren krank machen

Depression Wie Risikofaktoren krank machen

Auf die Spuren der Volkskrankheit  Depression begeben sich mit einer groß angelegten Studie mehr als 50 Wissenschaftler unter Leitung des Marburger Psychiatrie-Professors Tilo Kircher.

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Projektmitarbeiterin Rita Werner sitzt an einem Kontroll-Monitor vor einer Glasscheibe, die Einblicke in den MRT-Raum bietet, wo Studienteilnehmer auf einer Liege mit dem Magnetresonanz-Tomographen durchleuchtet werden können.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wie entstehen Depressionen, manisch-depressive Erkrankungen (bipolare Störungen) oder schizophrene Erkrankungen? Was genau passiert im Gehirn, und in welchen Arealen des Gehirns sind welche Veränderungen zu beobachten? Vor allem um die große Volkskrankheit Depression, an der im Laufe des Lebens über zehn Prozent der Bevölkerung erkrankt,  geht es in der jetzt angelaufenen Marburger Studie.

Für die dazugehörige Forschergruppe mit Experten aus Medizin, Genetik, Physiologie, Pharmazie und Psychologie gibt es in den kommenden drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mehr als drei Millionen Euro (siehe Artikel „Weltweit einzigartiges Projekt“).

Mit der Identifikation von Risikogenen für Depression hat die Depressionsforschung in den vergangenen Jahren schon große Fortschritte gemacht. „Wir  wissen aus bisherigen Studien auch, dass es zwei entscheidende Faktoren als Auslöser für die Krankheit gibt“, erläutert Professor Udo Dannlowski, Professor für Bildgebung in der Psychiatrie an der Marburger Universität.  

Neben den genetischen Faktoren sind dies vor allem Umweltfaktoren wie beispielsweise Missbrauch in der Kindheit oder andere stresshafte Lebensereignisse. Doch längst nicht detailliert geklärt ist bisher immer noch, wie sich diese unterschiedlichen Risikofaktoren gegenseitig beeinflussen und schließlich die Krankheit auslösen. „Wie machen diese Faktoren krank?“, wollen die Forscher wissen.

Unter dem Oberbegriff Depression gebe es eine Reihe von Unterformen, erläutert der Forscher. Und genau diese Subtypen wollen die Wissenschaftler genauer herausfiltern, um daran anschließend noch gezielter Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

Ein Hilfsmittel dabei soll die Durchleuchtung der Hirnstrukturen aller Studienteilnehmer mit Hilfe des Drei-Tesla-Magnetresonanztomographen der Universität  sein, einem 2,5 Millionen Euro teuren Spezialgerät, das für die Forschung in den Neurowissenschaften angeschafft wurde.

Klar ist bisher schon, dass Depressionspatienten hirnstrukturelle Auffälligkeiten aufweisen,  wie beispielsweise einen kleineren Hippocampus oder weniger graue Hirn­substanz in anderen Bereichen.

Aufbau einer Biodatenbank

Diese Auffälligkeiten sollen bei der MRT-Studie auch anhand der Vielzahl der Gehirn-Bilder beschrieben und verortet  werden. Besonders wichtig für die Erkennung und Klassifizierung von hirnfunktionellen Auffälligkeiten und Unterschieden ist, dass es eine ausreichend große Gruppe von Studienteilnehmern gibt. Das ist in dem Plan der Marburger Forschergruppe der Fall:  Von 2 500 Teilnehmern sollen rund 1 000 Depressionspatienten sein.

Zwei Jahre nach der ersten Untersuchung am MRT in Marburg soll jeweils eine zweite Untersuchung folgen. Dabei soll erkundet werden, wie die Veränderungen in der Hirnstruktur  und -funktion fortschreiten und wie sich die Krankheit der Patienten entwickelt hat.

Als mittelfristiges Ziel sehen die Forscher  neben der Entwicklung neuer Medikamente auch die Entwicklung einer Skala, die vergleichbar mit dem von Kardiologen aufgestellten „Reha-Score“ bei Herzinfarkt-Patienten das Rückfallrisiko von Depressionspatienten genauer beziffern kann. Neben den MRT-Untersuchungen gibt es noch einige weitere Bausteine des Gesamtprojekts. Dazu zählen der Aufbau einer Biodatenbank mit Blut-, Haar- und Speichelproben der Studienteilnehmer sowie Tier-Experimente mit Ratten und zellulär und mikrobiologische Untersuchungen.

von Manfred Hitzeroth

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