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Wie Kinder lernen, sich zu steuern

Neue Studie in Marburg und Siegen Wie Kinder lernen, sich zu steuern

Mache ich die Hausaufgaben oder gehe ich lieber nach der Schule direkt spielen? Die Fähigkeit der Selbstregulation müssen Kinder lernen. Inwieweit das durch die Eltern gefördert werden kann, soll ­eine neue psychologische Studie zeigen.

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Die Schokolade essen oder für später aufheben? Die Hausaufgaben erledigen oder doch sofort spielen gehen? Kinder müssen Selbstregulation lernen. Inwieweit die Eltern darauf Einfluss nehmen, will eine Studie in Marburg und Siegen untersuchen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ein Kind kommt von der Schule nach Hause und setzt sich an seinen Schreibtisch. Die Hausaufgaben liegen vor ihm. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Andere Kinder sind bereits draußen und spielen. Das Kind starrt auf die Aufgabenstellung und spielt mit dem Gedanken, die Hausaufgaben zu vergessen und raus zu seinen Freunden zu gehen.

Diesem Impuls nicht nachzugeben und zunächst die Hausaufgaben zu erledigen - zeugt von einer Fähigkeit namens Selbstregulation. So nennt sich die Fähigkeit von Menschen, ihre Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse und Handlungen zu steuern. Etwa sich selbst in Stresssituationen beruhigen zu können oder für bevorstehende Aufgaben zu motivieren. „Wir alle haben eine gewisse Selbstregulation, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung“, erläutert Professor Dr. Simon Forstmeier, Leiter des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie an der Universität Siegen. Gemeinsam mit Professor Martin Pinquart von der Universität Marburg führt er in Marburg und Siegen eine wissenschaftliche Studie durch, die untersucht, auf welche Art und Weise Kinder von ihren Eltern diese so wichtige Fertigkeit lernen.

„Wir möchten herausfinden, ob sich Familienmitglieder, vor allem Mutter und Kind sowie Vater und Kind, in der Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und zu regulieren, eher gleichen oder unterscheiden“, schildert Forstmeier das Ziel der Studie „Familiäre Zusammenhänge von Selbstregulation - welche Rolle spielt die kindliche Sozialisation?“

Studie knüpft an bisherige Forschungserkenntnisse an

„Wenn ein Kind weint, nimmt es die Mutter häufig in den Arm, tröstet es und sagt zum Beispiel: Es gibt keine Monster, du kannst beruhigt weiterschlafen und hast nur schlecht geträumt. Dadurch lernt das Kind, dass die Situation nicht schlimm war und kann sich nach einiger Zeit selbst beruhigen“, nennt Forstmeier ein vereinfachtes Beispiel zum Lernen der Selbstregulation. Daran knüpfe die neue Studie der Fachbereiche Psychologie der beiden Universitäten Siegen und Marburg an.

„Wir untersuchen einerseits, wie stark der Einfluss der Eltern auf die Selbstregulation der Kinder ist“, erklärt Forstmeier. Andererseits werde in der Studie auch der Frage nach der Art und Weise nachgegangen: „Sprich, wie bringen Eltern ihren Kindern Selbstregulation bei und welchen Einfluss hat der Erziehungsstil“, so der Wissenschaftler. Es mache durchaus einen Unterschied, ob jemand dauernd kontrolliert werde, „denn der kann natürlich nicht so gut lernen, sich selbst zu kontrollieren“.

Für die Studie suchen Forstmeier und seine Kollegen dringend noch Teilnehmer. „Wir brauchen etwa 80 bis 100 Familien, damit wir statistisch wertvolle Aussagen treffen können“, berichtet Forstmeier. Neben Vater und Mutter sollte ein Kind im Alter zwischen neun und elf Jahren in der Familie leben. „Bei jüngeren Kindern funktionieren unsere Messverfahren nicht so gut, bei älteren beginnt zum Teil schon die Pubertät, die oft mit einer Rebellion gegen die Eltern einhergeht. Das würde dann wiederum unsere Ergebnisse verfälschen“, berichtet der Siegener Wissenschaftler, der schon einige Bücher und Publikationen zum Thema Selbstregulation veröffentlicht hat.

Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung

Wer sich zur Teilnahme bereiterklärt, kann mit der Familie das Psychologische Institut der Uni Marburg besuchen oder bekommt von den Versuchsleitern Besuch im eigenen Zuhause. Dort wird über das Spielen eines Gesellschafts- und Brettspiels die Selbstregulation bei Mutter, Vater und Kind getestet. Anschließend werden von allen drei Teilnehmern Fragebögen ausgefüllt. „Die Teilnahme dauert für die Erwachsenen etwa 110 Minuten, für das Kind gut 80 Minuten“, schildert Forstmeier den Ablauf. Als Aufwandsentschädigung gebe es für die Familie 50 Euro in bar, für das Kind zusätzlich einen Kinogutschein und noch einige weitere Geschenke im Wert von insgesamt rund 60 Euro.

„Von der Studie versprechen wir uns Aufschluss darüber, welche Faktoren positive Auswirkungen auf die selbstregulativen Fähigkeiten von Kindern haben“, sagt Forstmeier. Damit wiederum ließe sich dann präventiv arbeiten, etwa in Form von Trainingseinheiten.

Teilnehmer gesucht

Um die Studie Familiäre Zusammenhänge von Selbstregulation welche Rolle spielt die kindliche Sozialisation? wie geplant organisieren zu können, suchen Professor Dr. Simon Forstmeier und seine Kollegen noch nach freiwilligen Teilnehmern. Familien, die mitmachen wollen, sollten ein Kind im Alter zwischen 9 und 11 Jahren haben. Neben dem Kind werden auch Vater und Mutter für die Studie gebraucht.

Die Teilnehmer müssen deutsch sprechen können.

Weitere Informationen zum Ablauf und der Teilnahme an der Studie gibt es bei Studienleiter Lars Göllner per E-Mai an lars.goellner@uni-siegen.de oder am Telefon unter 0271/740-4391 und 0151/43124077.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

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