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Wie Flüchtlinge sich selbst schützen

Sicherheitslage in den Flüchtlingslagern in der Dritten Welt Wie Flüchtlinge sich selbst schützen

Die Gerda-Henkel-Stiftung fördert das neue Forschungsprojekt von 
Dr. Ulrike Krause bis 2018 mit 120.000 Euro.

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In der ugandischen Hauptstadt Kampala leben viele Flüchtlinge. Dort wird ein Schwerpunkt der Feldforschung für ein neues Marburger Forschungsprojekt liegen.

Quelle: Universität

Marburg. In dem Marburger Forschungsprojekt geht es ausdrücklich nicht um die Lage in den Flüchtlingsunterkünften in Deutschland. Vielmehr stehen im Mittelpunkt Untersuchungen zur Lage in den Lagern, die in der sogenannten „Dritten Welt“ liegen. Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge weltweit lebt nicht in Europa, sondern in Entwicklungsländern.

Das neue Forschungsprojekt am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität soll nun am Beispiel des afrikanischen Staats Uganda untersuchen, wie in den Entwicklungsländern Flüchtlinge in Camps und städtischen Regionen zu ihrem eigenen Schutz beitragen.

Sind Flüchtlinge nur die 
„passiven Opfer“?

Bis 2018 stellt die Gerda-Henkel-Stiftung rund 120.000 Euro für das Projekt unter dem Titel „Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement – Ausmaß 
und Grenzen von Agency in 
 gemeindebasierten NGOs von Flüchtlingen“ zur Verfügung, teilte die Marburger Uni-Pressestelle mit. Das Projektteam um Dr. Ulrike Krause von der Philipps-Universität forscht unter anderem in der ugandischen Hauptstadt Kampala, wo viele Flüchtlinge leben.

„In den letzten drei Jahrzehnten wurden Flüchtlinge sowohl im wissenschaftlichen als auch im öffentlichen Diskurs hauptsächlich als passive Opfer dargestellt, die auf Schutz und 
Hilfe externer Akteure angewiesen sind“, erklärt Projektleiterin Krause vom Marburger Zentrum für Konfliktforschung. „Sie erscheinen einseitig als Hilfsempfänger sowie als passive und 
homogene Gruppe. Ihre unterschiedlichen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Interessen sowie Hintergründe bleiben weitgehend unbeachtet.“

Forschungslücke soll geschlossen werden

„Bislang hat die Forschung weitestgehend vernachlässigt, wie sich Flüchtlinge über den institutionellen Flüchtlingsschutz hinaus für ihre eigene 
Sicherheit einsetzen“, sagt Krause. Das geschehe aber beispielsweise etwa in Form von Frauengruppen zur gegenseitigen 
Unterstützung, Stammesältesten bei der lokalen Konfliktbearbeitung oder Kollektiven für 
Erwachsenenbildung.

Die Marburger Konfliktforscherin will diese Forschungslücke nun mit ihrem aktuellen Projekt füllen. Dessen Ziel besteht darin, zu untersuchen, wie sich Flüchtlinge für ihre Sicherheit engagieren. Wie die Projektleiterin darlegt, geht es insbesondere darum, „wie sich Flüchtlinge in Lagern und im städtischen Umfeld organisieren und welche Möglichkeiten solche Gruppen haben, ihre Sicherheitslage zu verbessern“. Zu diesem Zweck führen Krause und die Doktorandin Hannah Schmidt Feldforschung in einem Flüchtlingslager sowie in urbanem Kontext in Uganda durch, wo mehr als eine halbe Million Flüchtlinge leben.

Dr. Ulrike Krause arbeitet am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität zum Thema konfliktbedingte Flucht und Flüchtlingsschutz. Soeben hat sie ein Forschungsprojekt zur sexuellen und geschlechterbasierten Gewalt gegen Frauen in Flüchtlingslagern abgeschlossen, das von Professorin Susanne Buckley-Zistel geleitet wurde.

Forschung könnte 
Prävention verbessern

Grundlage für dieses Forschungsprojekt war unter 
anderem auch eine Fallstudie in einem Flüchtlingslager in Uganda. Mithilfe einer einheimischen Psychologin führten die Forscherinnen aus Marburg vor Ort Gespräche mit Frauen und jungen Mädchen aus dem Kongo, die in dem ugandischen Flüchtlingslager untergebracht waren. Dabei ging es um sexuelle 
Übergriffe innerhalb von 
Flüchtlingslagern, aber auch veränderte Geschlechterbeziehungen.

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes sollen auch Flüchtlings- und Hilfsorganisationen vorgestellt werden und können womöglich dazu beitragen, bereits existierende Präventionsprogramme und Workshops zur Vermeidung sexueller Gewalt zu verbessern.

von Manfred Hitzeroth

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