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Wie Drogen dich kaputt machen

"Schneekönig" macht Prävention Wie Drogen dich kaputt machen

Der Verein "Wer uns kennt, bleibt clean e.V." leistet Drogenprävention in unkonventionellem Stil. Er schickt Ex-Dealer sowie Ex-Junkies an Schulen und Universitäten, damit sie von ihren schockierenden Erlebnissen berichten.

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Heinz Bünger (2. v.l.) und Ronald Miehling (2. v.r.) erzählen von den negativen Seiten des Drogenkonsums und ermutigen die Schüler "Nein" zu sagen.

Quelle: Katharina Stürzl

Lollar. Heinz Bünger (58) und Ronald „Blacky“ Miehling (62) waren selbst drogensüchtig, haben gedealt, und lernten sich im Knast kennen. Heute lesen sie nicht aus Ratgebern vor, sondern erzählen von ihren Erlebnissen als Junkies, als Dealer, und als Verbrecher. Bünger saß zwölf und Miehling 20 Jahre im Gefängnis. „Die beiden wissen wenigstens, was du durchmachst beim Drogenkonsum“, vermuten die Schüler Serdar Aktas (17) und Gurbet Yüsün (18) vor dem Aufeinandertreffen in der Aula der Gießener Gesamtschule.

"Mir sind die Zähne ausgefallen"

„Drogen sind geil!“ beginnen Bünger und Miehling ihren Vortrag. Die Schüler verfallen in tosendes Gelächter. „Aber nur so lange, wie du welche hast und solange du im Rausch bist. Kommt der Knast, bist du am Boden“, fahren sie fort. Jetzt blicken die 14- bis 19-Jährigen nur noch betreten drein. Nach und nach wird den Schülern bewusst, wen sie vor sich haben: Zwei Männer, die nicht stolz darauf sind, was sie getan haben. Dort sitzen zwei, deren Leben gezeichnet ist vom langjährigen Drogenkonsum. „Mir sind Zähne ausgefallen und meine Nasenscheidewand ist zerstört. Da kann ich einen Bindfaden durchziehen! Soll ich mal?“ Fast ängstliches, angewidertes Raunen und verneinendes Kopfschütteln geht durch die Aula.

Die jungen Zuhörer begreifen, wie ernst es die beiden meinen und fragen, ob die Ex-Kriminellen einen anderen Lebensweg wählen würden, hätten sie die Chance dazu, ihr Leben noch einmal zu leben. Laut Miehling bereuen sie nichts. „Es kommt ein Punkt im Leben“, erklärt er abgezockt und fast philosophisch zugleich, „an dem du dich entscheiden musst zwischen dem Weg des verbotenen Abenteuers, an dessen Ende der Knast wartet, und dem augenscheinlich langweiligen und konventionellen.“ Heute arbeitet Bünger als Elektriker und Miehling schreibt Bücher.

Selbstbewusstsein schützt vor Drogen

Am Rande der Veranstaltung erzählen auch die Schüler von ihren Erfahrungen mit Drogen, wie beispielsweise die 18-jährige „Nala“. Die Schülerin rauchte mit 8 ihre erste Zigarette und im Alter von 16 bis 17 Jahren nahm sie - ähnlich wie Bünger - von Kokain bis Heroin alles ein. Darauf folgten drei Monate in einer geschlossenen Anstalt. „Damals fehlte einfach etwas: Geborgenheit, Respekt und auch Verständnis. Ich war auf mich allein gestellt. Wenn ich ‚high‘ war, habe ich alles um mich herum vergessen. Du bist nicht mehr du selbst und wendest dich ab von sozialen Kontakten“, berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Bünger bezeichnet es als Glück, nie abhängig gewesen zu sein. Susann Kalden, zweite Vorsitzende des Vereins, verweist auf die Erziehung: „Der größte Schutz vor Drogen ist Selbstbewusstsein.“ Vor allem die Courage, „Nein“ zu sagen, sollten Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben. Ein „Nein“ zu allem, was man nicht möchte, sei es Alkohol, Nikotin, Rauschgift oder Gruppenzwang.

„Ich lebe noch, weil mir im Knast bewusst wurde, dass ich wieder solide werden muss. Und Freunde - Freunde hast du in dem Milieu keine“, gibt Bünger den Schülern mit auf den Heimweg. „Wir erzählen unseren Zuhörern, wie die Drogen deinen Körper zerstören, damit sie sich im entscheidenden Moment bewusst sind, worauf sie sich einlassen“, erklärt Miehling. Auch „Nala“ betont nach der Veranstaltung noch einmal: „Drogen sind schrecklich und deren Auswirkungen grausam. ‚Geil‘ sind sie definitiv nicht!"

von Katharina Stürzl

  • „Wer uns kennt, bleibt clean e.V.“ ist im Internet auf Facebook zu finden oder unter der Mailadresse „bleibt-clean@gmx.de“ zu erreichen.
  • Die Seite der Bundeszentrale für Aufklärung  liefert Informationen über Drogen, Rausch und Sucht.
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