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Wespen-Invasion plagt Anwohner

Insekten greifen an Wespen-Invasion plagt Anwohner

Wespen-AlarmInsekten-Schwärme nerven derzeit viele Marburger. Hunderte Wespen und sogar Hornissen schwirren auf der Jagd nach Beute umher - und sind so aggressiv wie nie im Jahr.

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Die Wespen-Population sinkt zwar, jedoch werden die einzelnen Schwärme größer – und die Tiere aggressiver. 

Quelle: Privatfoto

Bauerbach. Abgesehen haben es die gelb-schwarzen Tiere auf alles Zuckerhaltige - denn das sichert ihnen für die kommenden Wochen das Überleben. Seit einigen Tagen nimmt nach Angaben von Biologen die Population zwar ab. Doch die Tiere rotten sich zusammen, die umherziehenden Schwärme werden größer. Vor allem in Bauerbach, Moischt und Schröck werden viele gesichtet, aber auch am Richtsberg und im Hansenhausviertel kämpfen die Tiere in Scharen ums Überleben. „Und sie sind jetzt viel leichter reizbar, aggressiver“, sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Anfang bis Mitte September fallen die Nester auseinander. Wespen, die vorher permanent ausschwirrten, um Nahrung zu beschaffen und die Larven zu versorgen, werden plötzlich arbeitslos, erläutert er. Das frustriere die Insekten. Überdies haben die alten Königinnen das Nest verlassen. „Es herrscht Anarchie“, sagt der Experte. „Die Arbeiterinnen sind jetzt auf sich allein gestellt und müssen sich selbst versorgen“. Heimat- und arbeitslos machen sie sich auf die Suche nach Nahrung. Und diese finden sie im Spätsommer vor allem nahe Menschen. Die Wespen, die nun in größeren Schwärmen unterwegs sind, werden stechfreudiger.

Da die Schwelle ihrer Reizbarkeit im Spätsommer niedriger ist, reicht bereits ein Schlag mit der Hand aus um die Wespen zum Angriff zu provozieren. Auch pusten sollten Marburger besser nicht, da das Kohlendioxid der Atemluft die Tiere noch aggressiver macht.

Die Prognosen für den Wespenbestand waren eigentlich nicht gut: Ein nahezu wespenfreier Herbst im letzten Jahr und ein nasskalter Start in diesen Sommer - das sind schlechte Bedingungen für die fleischfressenden Insekten. Doch dann folgten lange Hitzeperioden, die Wespenvölker entwickelten sich rasch. Das Resultat: In diesem Jahr gibt es deutlich mehr Wespen als in den vergangenen Jahren, sagt Heiermann.

Im Spätsommer brauchen sie Zucker

Im Spätsommer ändert sich der Speiseplan der Wespen. Während sie sich bis Mitte August vorwiegend von Insekten und Fleisch ernähren, um ihre Larven mit Proteinen zu versorgen, brauchen sie im Spätsommer vor allem eins: Zucker. Neben Fallobst finden die Wespen Zucker vor allem in süßen Nahrungsmitteln wie Kuchen, Eis oder Säften.

„In den letzten Wochen sind es schlagartig mehr Wespen rund um die Häuser geworden“, sagt Tanja Neuhaus (42), die im Hansenhausviertel wohnt. Auch in der Badestube beobachtet Sergej Guslov (52) die Schwärme. „Es gibt auch viele Hornissen. Kaum will man einen Apfel essen, kommen sie näher“, sagt er. Aus Angst vor Stichen lässt er alle Fenster geschlossen.

Im Oktober sterben die meisten Insekten

Denn obwohl Attacken der Insekten in der Regel eher harmlos sind - Allergiker ausgenommen - kann ein Stich im Mund oder gar Rachen dramatische Folgen haben. „Wenn die Wespe in der Nähe der Luftröhre zugestochen hat, kann das lebensgefährlich sein“, warnt der Arzt Axel Schmitt. Die Schwellungen drohen dann die Atemluft abzuschnüren. Außerdem sind die Insekten Krankheitsüberträger, da sie oft auf Kot und Mist sitzen.

Der Wespen-Alarm gilt noch bis Ende des Monats. Im Oktober sterben die meisten Insekten, nur die jungen Königinnen überleben Herbst und Winter, um im Frühjahr neue Völker zu gründen. „Wespen haben einen wichtigen Wert für die Natur: Sie dezimieren andere Insekten, besonders verschiedene Fliegenarten und Blattläuse“, sagt der Biologe Joachim Oehlke.

von Björn Wisker

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