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Wer zahlt den Schaden?

Gerichtsverhandlung Wer zahlt den Schaden?

Der Fall einer Kuh auf ein Auto, der für einen Schaden von mehr als 3000 Euro sorgte, hatte jetzt ein juristisches Nachspiel vor dem Marburger Amtsgericht.

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Quelle: Gemen64 / pixelio.de

Marburg. So absurd es klingen mag, so real war der Tathergang und so zäh und unnachgiebig wurde beim Gütetermin im Marburger Amtsgericht verhandelt. Grob zusammengefasst: Ein Rind plumpste auf ein Auto. Der Streitpunkt: Wer hat den Schaden von etwa 3200 Euro, den das Rind dabei verursacht hat, zu bezahlen?

An einem Morgen im Januar vergangenen Jahres hatte sich der verhängnisvolle „Kuh-Fall“ ereignet. Die Tatsache, dass der Parkplatz des Aldi-Marktes im Marburger Stadtteil Wehrda in unmittelbarer Nachbarschaft zum Marburger Schlachthof liegt, war dem Autobesitzer zum Verhängnis geworden.

Fluchtweg war durch Auto versperrt

Bei der Anlieferung von zur Schlachtung bestimmten Rindern hatte auf dem Viehtransporter das letzte der Tiere in der Reihe wohl seine nahe Zukunft gewittert. Es war rückwärts aus dem durch eine massive Eisenkette gesicherten Transporter ausgebrochen. Als Mitarbeiter des Schlachthofs das Tier mittels einer Menschenkette und eines quergestellten Lasters versuchten, in die Enge zu treiben, suchte es sich den einzigen Fluchtweg.

Die Kuh versuchte, über ein auf dem angrenzenden Parkplatz abgestelltes Fahrzeug zu springen, blieb auf halber Höhe hängen und plumpste dann mit ihren 400 Kilo direkt auf das Auto. Dann robbte das Tier sich auf die andere Seite und rannte auf die Industriestraße, wo es kurze Zeit später von der Polizei erschossen wurde.

Richterin Ulla Rausch hatte am Montag zum Gütetermin geladen, um eine außergerichtliche Lösung zu finden. Strittig an dem Tathergang war nach ihrer Darstellung, ob und inwiefern der Hergang ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht seitens der Betreiber des Schlachthofs darstellen könnte.

Darüber hinaus wollte sie sich auf die Höhe des verursachten Schadens einigen. Haben die Mitarbeiter bei dem Versuch, das Tier wieder einzufangen also einen Fehler begangen? Hätten sie es nicht in die Enge treiben dürfen? Wäre es dann nicht in Panik geraten und hätte wild geworden nach einem Fluchtweg gesucht? Man hätte abwarten können, so die Sichtweise der Richterin. Wenngleich die Mitarbeiter langjährige Angestellte des Schlachthofs sind, kennen sie sich doch nicht zwingend mit dem Umgang mit Tieren aus.

„Es gibt an diesem Vorgang nichts, was man hätte besser machen können“, so der Anwalt des Schlachthofs. Und: „Es gibt eben Situationen, in denen Leute zu Schaden kommen und das nicht ersetzt bekommen.“

Anwalt lehnte Kompromiss ab

Auch bestritt der Anwalt, dass der Kläger überhaupt einen Vermögensnachteil erlitten hat, da dieser sein Fahrzeug kurze Zeit später verkauft hatte, ohne es vorher reparieren zu lassen. Eine von der Richterin vorgeschlagene Kompromisslösung lehnte er kategorisch ab. Die Sitzung wurde auf Ende des Monats vertagt.

von Kristina Gerstenmaier

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