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Wer will ein solches Fest stemmen?

Marktfrühschoppen Wer will ein solches Fest stemmen?

Unabhängig von der politischen Diskussion über den Marktfrühschoppen und die Rolle der Burschenschaften gibt es offenbar „Modernisierungsbedarf“ für das Fest, das 2012 abgesagt wurde.

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Mitglieder der Erlengrabengesellschaft – Markenzeichen Strohhut – feierten 2010 den Marktfrühschoppen mit.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Stadtteilgemeinden, bis 1998 Veranstalter des Marktfrühschoppens, zeigen bei einer OP-Stichprobe wenig Interesse, für das umstrittene Fest aktiv zu werden.

Jochen Wölk, der Vorsitzende der Hansenhausgemeinde, machte deutlich, dass er nach wie vor ein Befürworter des Marktfrühschoppens ist. „Ich fände es schade, wenn dieses Fest nicht mehr zum Marburger Veranstaltungskalender gehören würde“, meinte Wölk. Jedoch sei die Situation derzeit schwieriger denn je. „Wenn Gerichte bemüht werden, über Dinge zu entscheiden, die man untereinander klären müsste, dann stimmt etwas nicht“, sagt der Vorsitzende der Hansenhausgemeinde und meint damit die Klage des Marktfrühschoppenvereins gegen das Vorgehen von OB Vaupel im vergangenen Jahr.

Verärgert zeigte sich Wölk über die Vorfälle im vergangenen Jahr, als bei einer Abstimmung im Marktfrühschoppenverein die Vertreter der Stadtteilgemeinden von mehreren bis dahin unbekannten kurzfristig neu eingetretenen Mitgliedern überstimmt worden seien. Dieses sei zu einem Zeitpunkt geschehen, als sich die Stadtteilgemeinden gerade mit dem Oberbürgermeister darüber geeinigt haben, das Fest für ein Jahr auszusetzen.

Blasmusik soll moderner werden

Aus Wölks Sicht müsste man den Marktfrühschoppen bei einer weiteren Austragung auf jeden Fall modernisieren. So sollte man beispielsweise die Blasmusik ein wenig moderner gestalten, um das Fest auch für junge Leute und Studenten attraktiver zu machen. So könnte sich Wölk vorstellen, zusätzlich zu der Blaskappelle des TSV Ockershausen auch Bands wie „Die Lahntaler“ auftreten zu lassen.

Auch Detlef Scharlau äußert sich betont distanziert zum Martkfrühschoppenverein. „Die Arbeitsgemeinschaft der Marburger Stadtteilgemeinden ist aus dem Marktfrühschoppenverein ausgetreten“, antwortet er lapidar auf die Frage, ob er die Durchführung des Festes am ersten Sonntag im Juli befürwortet. Scharlau, in Personalunion Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Stadtteilgemeinden und der Ketzerbachgesellschaft, hält damit den Marktfrühschoppen „kaum für durchführbar“. Die Teilnahme obliege freilich den einzelnen Stadtteilgemeinden. Die Ketzerbachgesellschaft konzentriere sich auf das Ketzerbachfest, das „mit dem Zeitgeist gegangen ist und über das es keinen politischen Streit gibt.“ Horst Pohl, der Vorsitzende der Oberstadtgemeinde, teilte lediglich mit, er gehöre dem Marktfrühschoppenverein nicht an. Bei seiner Wahl zum Vorsitzenden habe er deutlich gemacht, dass er den Martkfrühschoppen nicht aktiv unterstützen werde - anders als sein Vorgänger Manfred Gundlach, der über Jahrzehnte einer der Motoren des Marktfrühschoppens war.

Den "Minderheiten darf man sich nicht beugen"

Achim Sieber, der Vorsitzende der Erlengrabengesellschaft, fände es gut, wenn das „Traditionsfest“ weiter stattfinden würde. Seine Gesellschaft distanziere sich deutlich von den drei rechstextremen Burschenschaften, aber die seien nur eine Minderheit. „Minderheiten darf man sich nicht beugen.“

Sieber schlägt eine abgeänderte, mehr zeitgemäße Form des Martkfrühschoppens vor. „Statt der traditionellen Studentenlieder könnte man ja das Marburg-Lied singen“, schlägt er vor. Das könne dazu beitragen, dass der Frühschoppen wieder zu einem Fest der Marburger Bürger und Studenten werde - unabhängig davon, ob die Farben tragen oder nicht. „Wir Weidenhäuser tragen ja auch unsere Strohhüte.“

Das Stadtparlament, das heute ab 16.30 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal tagt, beschäftigt sich auch mit der Zukunft des Marktfrühschoppens und einer Resolution, die Aktivitäten der drei rechtsextremen Burschenschaften für nicht erwünscht erklärt.

von Till Conrad und Manfred Hitzeroth

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