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Wer lernen will muss zahlen

Teure Uni-Parkplätze Wer lernen will muss zahlen

Seine Strafzettel-Sammlung hat ihn arm und nachdenklich gemacht. Ein 29-jähriger Geografiestudent fordert, für Studierende ein neues Park-Zahlsystem an der Uni­bibliothek einzuführen.

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Student Sebastian Gärtner schreibt seine Diplomarbeit. Hierfür sucht er die Ruhe der Uni-Bibliothek. Ein teurer Luxus.

Quelle: Marie Lisa Schulz

Marburg. Würde er keine Einsicht zeigen, wäre die Geschichte schnell erzählt. Ein Student - einer der Sorte mit Auto - parkt seinen Wagen auf dem Parkplatz der Unibibliothek. Einen Parkschein löst er nicht. Weder Montag, noch Dienstag, noch Mittwoch. Eigentlich nie. Er wird erwischt. Gleich sechs mal in Folge. Dumm gelaufen. Ende der Geschichte.

Aber so einfach ist es nicht. Die Straftickets sind Anlass für den 29-jährigen Studenten, sein Handeln zu überdenken, sich seines Verstoßes bewusst zu werden - und zum großen „Aber“ auszuholen. „Ich sehe komplett ein, dass es falsch war, an der Unibibliothek zu parken, ohne ein Ticket zu lösen. Aber ich glaube, hier sollte mal generell über ein neues Bezahlsystem für Studierende nachgedacht werden.“ Sebastian Gärtner heißt der Student mit der beachtlichen Parkticketsammlung. Derzeit schreibt er seine Geografie-Diplomarbeit - ausschließlich in der Bibliothek. Morgens um acht rollt er auf den Parkplatz, abends wieder nach Hause.

Täglich 6 Euro fürs Parken

30 Cent kostet ihn die halbe Stunde. Sechs Euro beträgt die tägliche Höchstgebühr. Nicht viel - im Vergleich zu anderen Parkplätzen im Innenstadtbereich. Ein kleines Vermögen jedoch bei täglicher Nutzung. „Ich verstehe nicht, wieso es für Studierende so schwer gemacht wird. Wieso nicht über einen speziellen Studenten-Park­schein nachdenken, den man, ähnlich wie einen Anwohnerparkschein, gegen Vorlage des Studiausweises zu einem monatlichen Festpreis erhalten kann. Um Dauerparker zu vermeiden, könnte er nur zu den Öffnungs­zeiten der Bibliothek gelten.“

Ja, wieso eigentlich nicht? Nachgefragt beim Parkplatz-Betreiber: der Stadt Marburg. Die verweist zum Parkplatzeigentümer, der Uni. Diese wiederum zurück zur Stadt. Genauer gesagt zu Christoph Rau, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg Consult GmbH. „So ein alternatives Parksystem wurde mal diskutiert - dann aber nicht weiter verfolgt. Generell gilt: Wer als Student kostenlos parken will, der kann am Gaßmann-Stadion und am Messeplatz das Auto stehen lassen und dann in den Bus umsteigen. Jeder Student hat ja ein Semesterticket“, erklärt Rau.

Auch Bürgermeister Franz Kahle weist die Verantwortung von sich. „Wenn die Uni sagen würde, dass sie ab jetzt Parkplätze für Promovierende haben wollen, dann muss sie das machen. Wir bewirtschaften diesen Parkplatz nur. Wir stellen die Parkuhren auf, nehmen das Geld ein, verrechnen die Einnahmen anteilig mit der Uni.“

120 Euro für Strafzettel

Die Einnahmen, die hat Sebastian Gärtner in den vergangenen Wochen in die Höhe getrieben. 120 Euro kostet ihn sein Parkvergehen. Bisher. Denn der Student weiß noch nicht, wie viele Tickets noch ins Haus flattern. „Ich hatte ein einziges Mal einen Zettel am Auto.“ „Der blaue Zettel an der Windschutzscheibe ist schon ein Entgegenkommen. Es ist der Hinweis ‚Achte drauf‘. Die haben keinen offiziellen Charakter. Eher einen pädagogischen Effekt“, erklärt Ralf Laumer, Pressesprecher der Stadt Marburg. Aber um die Zettel – ob nun pädagogisch oder nicht – soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Die sind bezahlt. Geschichte.

Nun soll es um die Zukunft gehen. Um die Frage, ob es nicht eine einfachere Bezahlmethode für Studierende geben kann. „Die Uni weiß, dass das Zahlsystem für die Studenten nicht praktikabel ist. Wenn man lernt, lernt man. Da vergisst man manchmal auch die Zeit. Das Problem ist, dass den Unibibliotheksparkplatz alle nutzen können. Alle bisher angedachten Systeme sind leider nur Luftblasen“, weiß auch Anne-Kathrin Gabrikowski, AstA-Vorsitzende. „Es ist leider, wie es ist. Das Ganze fällt in die Wohnraumproblematik. Erst geht es um die Parkplätze am Studentendorf. Damit einhergehend um die an der Unibibliothek“, führt sie weiter aus. Es ist ,wie es ist? Keine Aussage, mit der sich Gärtner zufrieden geben will – vorerst aber muss.

Seine Aufmerksamkeit gilt seiner Abschlussarbeit – und nicht dem Kampf um bessere Parkmöglichkeiten. Und danach? Danach, so hofft der 29-Jährige, muss er nie wieder länger als acht Stunden an der Bibliothek parken. Bis dahin hat Christoph Rau noch einen Tipp: Abends lernen. Nach 19 Uhr sind die Parkplätze kostenfrei.

Umfrage: Wie denkst Du über die Parksituation an der Uni?

Sebastian Gärtner (29) : „Wie viele anderen Studenten auch lerne ich ausschließlich in der Bibliothek. Die Studierenden an den Lahnbergen können kostenfrei parken. Wir hier unten nicht. Da sehe ich den Unterschied nicht. Ich will ja zahlen – aber das Zahlsystem muss wirklich geändert werden. So ist es umständlich und nicht studentenfreundlich.“

Nasim Andabili (19) : „Es ist Mist, dass man selbst an der Bibliothek zahlen muss – die ist doch extra für Studierende ausgelegt. Mit meinen Knöllchen könnte ich schon zwei Tankfüllungen zahlen. Ich möchte auf mein Auto nicht verzichten. Wenn ich spätabends aus der Bibliothek komme, gehe ich nur ungern zu Fuß nach Hause. Ich habe Angst.“

Jan-Philipp Mankel (23) : „Ich pendele aus Dautphetal-Holzhausen mit dem Auto nach Marburg. Zu den Fahrtkosten kommen bei mir zwischen 20 und 30 Euro Parkkosten im Monat dazu. Außerdem nimmt der Automat keine Scheine. Es muss doch noch eine andere Regelung geben. Wieso kann ich nicht einfach einen Parkausweis, für den ich zahle, beantragen?“

Julia Matthäi (21) : „Ich versuche so selten wir möglich mit dem Auto zur Uni zu fahren. Da ich Pendlerin bin, parke ich mein Auto häufig am Messeplatz und fahre dann mit dem Bus zur Uni. Aber wenn ich viele Bücher dabei habe, dann parke ich hier – und zahle. Schöner wäre es aber schon, wenn wir Studierenden hier kostenfrei parken könnten.“

von Marie Lisa Schulz

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