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Wer Hilfe braucht, soll sich melden

Aufzüge außer Betrieb Wer Hilfe braucht, soll sich melden

Der barrierefreie, preisgekrönte neue Hauptbahnhof: Zur Zeit nur ein schöner Traum. Wohl erst im kommenden Jahr ist der "Bahnhof des Jahres 2014" tatsächlich auch für Gehbehinderte wieder zu nutzen.

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Der Ortenbergsteg direkt neben dem Hauptbahnhof: Der Aufzug ist defekt, der Weg von und zum Ortenberg überaus beschwerlich. Im Bahnhof ist der Aufzug zu den Gleisen 2 und 4 schon seit einem Vierteljahr defekt (kleines Bild). Fotos: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Aufzug zu den Gleisen 2 und 4, der Reisende zu den Zügen in Richtung Frankfurt bringen soll, ist seit August defekt, der Aufzug am Ortenbergsteg ist seit der vergangenen Woche außer Betrieb.

Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn AG auf Nachfrage der OP mitteilte, wurde der Aufzug zu den Gleisen schon im August „in Folge einer Notbefreiung“ durch die Feuerwehr mit Tür und Rahmen so stark beschädigt, dass die Herstellerfirma viele Teile des Aufzugs neu herstellen musste. Das ist jetzt elf Wochen her. Seitdem können Gehbehinderte, alte Menschen, Menschen mit Kinderwagen oder solche, die mit Fahrrad verreisen wollen, den Aufzug nicht nutzen. Kleiner Lichtblick: „Nach Planungen unseres internen Dienstleisters von DB Services soll in nächster Woche der Aufzug wieder repariert werden“, schreibt die Pressestelle der Deutschen Bahn. Das wäre­ dann in Woche 12 nach dem Ausfall des Aufzugs.

Auch die Stadt hat sich um diesen Aufzug, der im Besitz der Bahn ist, bereits gekümmert. Wie Pressesprecherin Sabine Preisler mitteilte, habe Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) „schon Mitte Oktober“ - also bereits acht Wochen nach dem Ausfall - die Bahn gebeten, den Aufzug „zeitnah“ instand zu setzen. Dabei hat die Stadt im Zusammenhang mit der Erreichbarkeit des Bahnhofs eigene Hausaufgaben zu machen: Seit vergangener Woche ist der viel benutzte Aufzug südlich des Hauptbahnhofs zum Ortenbergsteg außer Betrieb.

20 Minuten für Fahr- und Umsteigezeit 

Wie eine Fachfirma bei einer technischen Prüfung festgestellt habe, ist ein „ordnungsgemäßes Schließen und Öffnen der Türen durch Reparatur nicht mehr zu gewährleisten“, sagte Preisler. Ein Angebot für neue Glastüren und für die ebenso ­auszutauschende, deformierte­ Schienenführung der Türen wurde bereits eingeholt und liegt vor.

„Für die Stadt Marburg hat die behindertengerechte und bürgerfreundliche Erreichbarkeit des Bahnhofs weiterhin höchste Priorität“, sagt Preisler. Gemeint ist damit: Die Lieferzeiten für die Ersatzteile liegen bei derzeit acht bis zehn Wochen.“ Die Stadt prüfe aber, ob eine Verkürzung der Lieferzeiten durch die Spezialfirma möglich ist.

Weiter werde als Alternative geprüft, ob ein schnellerer Austausch mit Metalltüren machbar und sinnvoll ist, teilte Preisler mit. Der Hauptbahnhof bleibe aber vom Ortenberg aus über die Linie acht erreichbar für alle, die den Ortenbergsteg nicht nutzen können - einmal Umsteigen inklusive, Fahr- und Umsteigezeit etwa 20 Minuten.

Ulrike Eickhoff, Schriftführerin der Ortenberggemeinde,­ sagt zu der langen Reparaturdauer: „Das kann nicht angehen!“ Der Ortenbergsteg werde rege genutzt, auch von Fahrradfahrern und von Familien mit Kindern. Für sie persönlich scheide ein Umweg über den ­Jägertunnel mit dem Fahrrad aus. In dem Tunnel ist erst vor wenigen Wochen eine junge Frau angegriffen worden, er ist der Stadt als „Angstraum“ längst ein Dorn im Auge.

Auf die Frage, welche Übergangslösungen die Stadt anbiete, um insbesondere gehbehinderten Menschen einen barrierefreien Transfer vom Hauptbahnhof zum Ortenberg zu ermöglichen, sagte Preisler: „Derzeit liegen uns noch keine Daten vor, wie viele gehbehinderte Menschen in der Zeit der Aufzugsbauarbeiten konkret Bedarf an einem Transfer vom Hauptbahnhof zum Ortenberg oder umgekehrt haben.“ Sie bittet Betroffene, sich gegebenenfalls zu melden, so dass die Stadt eine geeignete Lösung prüfen und finden könne. (Kontakt: soziales@marburg-stadt.de). Zudem verfüge die Stadt für Menschen mit „außergewöhnlicher Gehbehinderung“ über einen ­Behindertenfahrdienst.

von Till Conrad

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