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Wenn zwei sich streiten, bleibt der Müll

Marburg Wenn zwei sich streiten, bleibt der Müll

Auf öffentlichem Gelände zu kampieren ist verboten. Dort Müll abzuladen auch. Doch in Marburg ist offenbar nicht immer ganz klar, ob ein Gelände öffentlich ist.

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Wer ist für die Entsorgung dieser illegalen Müllhalde zuständig? Die Stadt verweist auf die Uni, doch die sagt, sie habe das Gelände an die Stadt verpachtet.

Quelle: Sabine Nagel-Horn

Marburg. Zunächst war es nur ein einzelner Mann, der oberhalb des Afföller Wehres neben der Fischtreppe in einem provisorisch anmutenden Camp wohnte. „Nach ein paar Tagen kam ein zweiter dazu, und das Lager wurde mit der Zeit immer größer“, berichtet ein Anwohner im Gespräch mit der OP. Inzwischen ist es angewachsen auf ein beeindruckendes Sammelsurium aus Matratzen, Hausrat, Stühlen, Einkaufswagen, Plastikplanen und einem Zelt. Herumfliegendes Toilettenpapier und leere Konservendosen zeugen von den Gewohnheiten der Bewohner.

Das Ordnungsamt erfuhr laut seiner Leiterin Regina Linda erst am Mittwoch davon, als das Lager bereits seit mindestens vier Wochen bestand. Das Amt schickte einen Mitarbeiter ans Wehr, der zunächst Fotos der „Wohnungseinrichtung“ machte. Die Bewohner traf er nicht an. Nach Einschätzung der Nachbarn sind sie schon vor dem Besuch des Ordnungsamtes weitergezogen.

So ist die mittlerweile unbewohnte Ansammlung von Einrichtungsgegenständen wohl nur noch eine illegale Müllkippe. Doch wer für ihre Entsorgung zuständig ist, das scheint unklar. „Das Grundstück gehört der Philipps-Universität“, sagte Regina Linda, die Leiterin des Marburger Ordnungsamtes, im Gespräch mit der OP. Daher sei die Stadt auch nicht befugt, eventuelle Bewohner von dem Gelände zu vertreiben. In der Universitäts-Bauabteilung ist man sich aber sicher, dass die Stadt zuständig ist: Der Uferstreifen am Rand des Uni-Sportplatzes sei schon seit längerer Zeit an die Stadt verpachtet, die ihn als öffentlichen Weg zu einer geplanten Fußgängerbrücke nutzen will.

Die Stelle, die sich die beiden Männer für ihr Lager ausgesucht hatten, ist durchaus attraktiv. Direkt an der Lahn, im Schutz von Bäumen und Büschen und mit Blick auf die Elisabethkirche in der Ferne. Kinder- und Jugendgruppen machen dort mit ihren Kanus Rast, bevor sie den Auf- oder Abstieg am Wehr angehen. Auch bei Studenten ist das Gelände direkt neben dem Sportplatz beliebt zum Sonnenbaden, Grillen oder auch als Einstieg zum Schwimmen in der Lahn.

Das Ordnungsamt will jetzt prüfen, wer tatsächlich für den Rastplatz an der Lahn zuständig ist. „Sollte sich herausstellen, dass es wirklich die Stadt ist, dann müssen wir als nächstes entscheiden, ob es sich bei den Gegenständen dort tatsächlich um Müll handelt oder ob sich dort Wertsachen befinden“, sagt Regina Linda. Wenn es Müll sei, dann lasse das Ordnungsamt ihn entsorgen, Sachen von Wert hingegen müsse die Stadt einlagern. Beides auf Kosten der Steuerzahler, denn dass sich die Identität der illegalen Camper jetzt noch feststellen lässt, ist sehr unwahrscheinlich.

von Sabine Nagel-Horn

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