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„Wenn nicht wir helfen, wer dann?“

Friedensweg „Wenn nicht wir helfen, wer dann?“

„Die Religionen trennen nicht zwischen Nationalitäten oder Sprachen.“ So fasste Dr. Bilal Farouk El-Zayat von der islamischen Gemeinde die Beziehung zwischen den Religionsgemeinschaften in Marburg zusammen.

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Dr. Bilal Farouk El-Zayat (links) und Dekan Burkhard zur Nieden führten den Zug an.

Quelle: Isabell Link

Marburg. Der 6. Friedensweg des Runden Tisches der Religionen, der seit 2010 regelmäßig Anhänger verschiedenster Glaubensrichtungen durch die Innenstadt führt, stand in diesem Jahr passend zur aktuellen Flüchtlingskrise unter dem Thema „Flucht-Fremde-Heimat“. An verschiedenen Stationen, darunter die Universitätskirche und der Rohbau der neuen Moschee, die als Begegnungszentrum mit Sprachschule und Jugendraum geplant ist, stellten die Religionsgemeinschaften sich und ihre Arbeit vor und gaben mit Liedern, Texten und Anekdoten aus dem alltäglichen Leben Anstöße zur Arbeit und zum Zusammenleben mit den ankommenden Flüchtlingen. Dekan Burkhard zur Nieden sagte, man könne als Christ gar nicht anders, als zu helfen, wenn man Christus nachfolgen wolle. Er kündigte außerdem an, die evangelische Kirche Marburg würde ihre Gebäude als Unterkünfte für geflüchtete Personen zur Verfügung stellen.

Der Mitbegründer des Runden Tisches der Religionen Dr. Hans-Martin Barth beschrieb die Zusammenarbeit zwischen den Glaubensgemeinschaften als freundschaftlich.

Konflikte, die aufkommen, seien meist „politische Verwerfungen“ wie beispielsweise der Gaza-Krieg, die sich dann in der gemeinsamen Arbeit spiegeln würden.

Dr. Bilal Farouk El-Zayat bewertet dies ähnlich. In Marburg sei das Zusammenleben das Wichtigste, bei Meinungsverschiedenheiten begegne man sich mit Respekt. Die islamische Gemeinde in Marburg sei aufgrund der Herkunftsländer der Flüchtlinge am meisten gefordert, sagte Farouk El-Zayat.

Man habe einen Infopunkt im Flüchtlingscamp in Cappel eingerichtet, Geflüchtete seien regelmäßig in der Moschee präsent. Auch begleiten Mitglieder der islamischen Gemeinde die Flüchtlinge bei Arztbesuchen, Behördengängen und wirken als Seelsorger.

Dr. Bilal Farouk El-Zayat wünscht sich aber, dass „die Arbeit mit den Geflüchteten mehr von Profis übernommen wird“. Die Mitglieder der islamischen Gemeinde würden ihre Arbeit allesamt ehrenamtlich neben Beruf und Familie verrichten, was zeitweise nicht einfach sei.

In der islamischen Gemeinde sei die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) stark in der Kritik, man würde sie „verachten“. Farouk El-Zayat meint, die Religion würde vom IS „missbraucht“, die Menschen seien schlecht, nicht die Religion.

Während der Wanderung durch die Stadt fand ein reger Austausch zwischen Moslems, Christen, Buddhisten, Juden und Anhängern der Bahá‘í-Religion statt.

Barbara Wolf-Krause, die drei afghanische Flüchtlingsfamilien betreut, berichtete davon, wie willkommen sie sich bei ihrer Arbeit fühle. „Du hast auch ein Zuhause bei uns“, hätten die Geflüchteten zu ihr gesagt, obwohl „sie ja selbst gar kein richtiges Zuhause haben“.

Auch einige Flüchtlinge aus dem Cappeler Camp stießen zu der Gruppe hinzu, angeführt von der evangelischen Pfarrerin Katja Simon.

Dr. Bilal Farouk El-Zayat stellte Gemeinsamkeiten bei den verschiedenen Religionen im Umgang mit den Geflüchteten fest. „Wenn nicht wir helfen, wer dann?“ , fragte er vor der Kulisse der noch unfertigen Moschee, während Christen, Buddhisten, Moslems, Juden und Bahá‘í bei Tee und Datteln zusammenstanden.

von Isabell Link

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