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Wenn die Seele dem Körper schadet

40 Jahre Psychosomatik in Marburg Wenn die Seele dem Körper schadet

Vor 40 Jahren etablierte sich die psychosomatische Medizin in Marburg. Deren medizinischer Entwicklung und Zukunftsperspektiven widmet sich das Uniklinikum morgen mit einem Symposium.

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Dr. Beate Kolb-Niemann und Dr. Johannes Kruse berichten über die Entwicklung der Psychosomatik in Marburg.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Wer kennt nicht das Sprichwort „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“? Den komplexen Zusammenhängen zwischen psychischen und physischen Erkrankungen und einer vielseitigen Ursachenforschung widmet sich die psychosomatische Medizin. Einfach ausgedrückt untersucht die Psychosomatik Wechselwirkungen zwischen körperlichen und seelischen Prozessen, Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung fließen in das medizinische Behandlungskonzept mit ein, das sowohl körperliche wie geistige Leiden gleichermaßen berücksichtigt.

Ein zentraler Aspekt sind psychische Störungen, doch im Fokus steht die Untrennbarkeit von Körper und Seele, eine „Verbindung zwischen Sinn und Körper“, erklärt Dr. Johannes Kruse, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des UKGM. Ein Beispiel: Intensive Angst oder Aufregung, die dem Kranken umgangssprachlich „auf den Magen schlägt“, „an die Nieren geht“ oder den Blutdruck hochtreibt, sind typische Symptome, denen die Klinik auf den Grund geht.

Verursacht werden psychosomatische Erkrankungen durch vielerlei Ursachen, durch seelische Störungen, chronische Krankheiten oder auch als Folge eines plötzlichen Notfalls wie einem Herzinfarkt: Bei diesem besteht die Gefahr, dass der Patient durch die Sorge, erneut einen Anfall zu erleiden, eine herzschädigende Erkrankung, eine „Anpassungsstörung“ entwickelt, erklärt Dr. Beate Kolb-Niemann, stellvertretende Direktorin in Marburg. Das breite Spektrum reiche von einer völligen Verunsicherung über den eigenen Körper bis zu krankmachenden Ängsten. Die Suche nach der korrekten Diagnose gleicht dabei schon einer detaillierten Detektivarbeit, „es ist nie ein ‚entweder oder‘ - es ist ein ‚sowohl als auch‘“, sagt Dr. Kruse.

Ebenso untersucht werden in der Klinik Depressionen als Folge einer chronischen Erkrankung - daran leidet ein großer Anteil aller krankheitsbedingten Frührentner, sagt die Deutsche Rentenversicherung. „Es hat mittlerweile eine immense sozialmedizinische Bedeutung bekommen“, macht der Mediziner deutlich.

Im Jahre 2005 folgte ein zweiter Lehrstuhl

An der Universität ins Leben gerufen wurde die psychosomatische Medizin vor 40 Jahren, der Facharzt feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. Bereits 1972 wurde der Schwerpunkt zum medizinischen Fach, „Marburg ist eine der Keimzellen der psychosomatischen Medizin“, sagt Dr. Kruse. Die Leitung der neuen Abteilung übernahm für fast 30 Jahre sein Vorgänger, der Psychosomatiker Dr. Wolfram Schüffel.

Ein zweiter Lehrstuhl folgte im Jahr 2005. Erst vor drei Jahren erhielt die Abteilung eine eigene Station am Uniklinikum und betreut die Patienten stationär, in der Tagesklinik oder ambulant. Die Behandlung besteht aus psychotherapeutischen Behandlungskonzepten wie Körper-, Musik- und Kunsttherapien.

In den vergangenen Jahren habe sich die Psychosomatik wie die klinische Versorgung stetig erweitert und „sehr dynamisch weiterentwickelt“, ist heute in etwa so groß wie die Urologie und befinde sich in einer weiteren „Aufwuchsphase“. Dennoch ist das Fach samt Krankheitsbild bis heute wenig bekannt, teils dauert es immer noch Jahre, bis Patienten von sich aus oder durch andere Fachärzte auf eine mögliche psychosomatische Erkrankung aufmerksam werden.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens findet morgen ab 16 Uhr ein Symposium am Uniklinikum im Hörsaal 1 statt. Namhafte Referenten widmen sich der Geschichte der Psychosomatik und werfen einen Blick in die Zukunft.

Ab 16.30 Uhr blickt Dr. Beate Kolb-Niemann auf vier Jahrzehnte Psychosomatik und deren Entwicklung in Marburg zurück. Ab 16.50 Uhr folgt der Vortrag „Komplexe Störungen - ein Problem nicht nur für die Psychosomatik und Psychotherapie“ von Dr. Wolfgang Herzog vom Universitätsklinikum Heidelberg. Ab 17.50 Uhr wird Dr. Bernd Loewe aus Hamburg über Herausforderungen und Chancen der Behandlung somatoformer Störungen berichten. Um 18.30 Uhr beschließt Dr. Johannes Kruse den Vortragsteil. Er referiert über die zukünftige psychosomatisch-psychotherapeutische Versorgung von Patienten mit chronischer körperlicher Erkrankung.

von Ina Tannert

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