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Wenn der Mond die Sonne verdeckt

Himmelsspektakel Wenn der Mond die Sonne verdeckt

Überall bereiten sich Menschen auf das astronomische Ereignis vor. Verschiedene Institute in Marburg bieten Programme rund um das Schauspiel an.

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Der Mond wird sich am Freitag zwischen die Erde und die Sonne schieben. Zuletzt konnte man dieses Schauspiel im Jahr 2011 bewundern.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Marburg. Eine Sonnenfinsternis ist die Abdunklung der Sonne durch den Neumond. Die Sonnenfinsternis kann zweimal im Jahr auftreten, wenn sich die Bahn der Sonne mit der Bahn des Mondes schneidet. Man nennt diese Schnittpunkte auch Drachenpunkte, da man im Mittelalter glaubte, ein Drache fresse die Sonne beziehungsweise bei einer Mondfinsternis, den Mond. So erklärt es Reiner Boulnois, zweiter Vorsitzender der Volkssternwarte Marburg.

Der Neumond tritt auf, wenn die von der Sonne angestrahlte Seite des Mondes von der Erde weggedreht ist, das bedeutet, der Mond ist normalerweise nicht zu sehen. Deswegen ist die Sonnenfinsternis aus astronomischer Sicht so interessant. „Bei einer Sonnenfinsternis kann man die Dynamik des Neumondes beobachten“, sagt Boulnois. Man könne beispielsweise die gebirgige Landschaft des Mondes entdecken, welche sich durch Zacken am Rand äußert.

Da der Mond ein vergleichsweise kleiner Himmelskörper ist, sind stets nur wenige Teile der Erde von der Sonnenfinsternis betroffen. In Marburg tritt eine partielle Sonnenfinsternis auf, das bedeutet, die Sonne ist zu keinem Zeitpunkt komplett verdeckt. Bei der maximalen Bedeckung werden etwa drei Viertel der Sonne hinter dem Mond verschwunden sein. Allerdings komme auch das in Europa nicht häufig vor, fügt Boulnois hinzu.

Wetterprognose für Hessen bleibt unbestimmt

Gegen 9.30 Uhr beginnt die Sonnenfinsternis. Die maximale Bedeckung ist gegen 10.40 Uhr erreicht. Eine totale Finsternis wird auf den Färöer Inseln und der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen zu sehen sein.  
Um die Sonnenfinsternis im vollen Umfang genießen zu können, braucht es gutes Wetter. „Es kann immer Nebel auftreten, doch wir hoffen natürlich, dass man Sonnenflecken sehen kann“, sagte Boulnois. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist aber nicht überall mit freier Sicht zu rechnen.

Die besten Chancen auf einen wolkenfreien Himmel gibt es im Süden, wie der Meteorologe Lars Kirchhübel gestern sagte. Für den Westen ist die Vorhersage am unsichersten – und so bleibt unklar, ob die Wolken über Hessen verschwinden. Unterdessen bangen Stromnetzbetreiber und Augenärzte gleichermaßen. Wie die Zeitung „Die Welt“ berichtete, könne durch die Sonnenfinsternis eine starke Schwankung in der Stromleistung entstehen. Nach Berechnungen des Oldenburger Instituts „Energy & Meteo Systems“, beauftragt von Netzbetreibern, könnte bei Beginn der Sonnenfinsternis eine Solarstromkapazität von bis zu zehn Gigawatt ausfallen. Noch größer wird das Problem, wenn sich die Sonne wieder hinter dem Mond hervorschiebt. Weil die Sonne dann höher steht, könnten in kurzer Zeit sogar bis zu 20 Gigawatt Solarleistung zurück ins Stromnetz drängen. Diese Leistung aufzufangen, stellt eine große Herausforderung dar.
Bei der Energienetz Mitte, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der EAM, sei man als regionaler Netzbetreiber bestens auf die Sonnenfinsternis vorbereitet, versichert  Gerhard Vaupel, Leiter der Netzleitstelle der EAM, in einer Pressemitteilung.

Vaupel erläutert das Vorgehen. Konventionelle Kraftwerke müssten hochgefahren und sogenannte Regelleistung eingespeist werden, um die Frequenz im Netz während der Sonnenfinsternis stabil zu halten. Normalerweise würden 3 000 Megawatt Regelleistung vorgehalten, das entspreche etwa dem doppelten Energiebedarf des Netzgebiets. Bei dem plötzlichen Ausfall der Einspeisung von Solarstrom sei allerdings deutlich mehr Ausgleichsenergie notwendig, so viel, wie sie nur durch mehrere Kraftwerke erzeugt werden könne.

„Die nächste Herausforderung tritt dann am Ende der Sonnenfinsternis ein. Werden die Photovoltaikanlagen plötzlich wieder angestrahlt, fahren diese in kurzer Zeit ihre Leistung wieder hoch, andere konventionelle Kraftwerke müssen ebenso schnell wieder heruntergefahren werden, damit nicht zu viel Strom im Netz ist“, erkärt Vaupel und führt aus, dass die EAM durch gezielte Wetterprognosen schon sehr genau wisse, welche Menge Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingespeist werde und auf der anderen Seite, wie viel Strom über den Tag hinweg verbraucht werde. „Daraus ergibt sich, wie viele andere Kraftwerke hochgefahren oder gedrosselt werden müssen, damit die Netzstabilität erhalten bleibt“, führt Gerhard Vaupel aus.

Energienetz Mitte hat Vorkehrungen getroffen

Falls dann zu viel oder zu wenig Strom in die Netze eingespeist werden solle, sei das schlimmste Szenario ein flächendeckender Stromausfall. „Davon ist aber nicht auszugehen, weil wir gut vorbereitet sind und entsprechende Vorkehrungen getroffen haben.“
Indes warnen Augenärzte vor dem Beobachten der Sonnenfinsternis ohne Spezialbrille. Wer bei dem Spektakel ohne Schutz in die Sonne schaue, laufe Gefahr, seine Augen für immer zu schädigen, sagte Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) der Deutschen Presse-Agentur. Sonnenschutzbrillen kann man bei Optikern erstehen.

Termine
Ab 9 Uhr sind morgen Astronomen des Vereins Parallaxe und Sternzeit, der Volkssternwarte Marburg und vom Fachbereiches Physik am Planetenlehrpfad. Der Treffpunkt befindet sich beim Sonnen-Modell im Cappeler Feld, am Radweg von Marburg nach Gießen. Dort beantworten Experten Fragen zur Sonnenfinsternis und ­stellen Ausrüstung zur
Beobachtung bereit.
Die Astronomie-Gruppe Lahn / Eder wartet mit verschiedenen Teleskopen – unter anderem speziellen Sonnenteleskopen – optischen Geräten und Sonnenschutzbrillen auf. Die Mitglieder sind morgen ab 9.20 Uhr auf dem Sportplatz in der Schützenstraße am Ortenberg in Marburg zu finden.
Bei wolkenlosem Himmel lädt die Volkssternwarte Marburg ab 9 Uhr zur Himmelsbeobachtung ein, zudem referieren Experten zum Thema Sonnenfinsternis. Die Sternwarte befindet sich in Kirchhain, Dresdener Straße 18

von Raphael Semmet

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