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Wenn der Fremde zum Freund wird

Altenheim Wenn der Fremde zum Freund wird

Altenheimpfleger haben für seelsorgerische Gespräche, für Spaziergänge und Spiele mit den Bewohnern fast keine Zeit. Im Haus Waldblick in Moischt übernehmen diese wertvolle Aufgaben ehrenamtliche Helfer.

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Altenheimbewohner Karl-Heinz Robisch (links) würde ohne Werner Bauer, der ihn regelmäßig besucht, nicht allein spazieren gehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Karl-Heinz Robisch ist allein – mitten unter Menschen. Der 69-jährige Marburger wohnt, seit er Rentner ist, im Altenheim in Moischt. Er hat weder Angehörige noch Freunde, die ihn im Haus Waldblick, so heißt das Altenheim in Moischt, regelmäßig besuchen. Das hat sich nun seit mehreren Monaten geändert.

Karl-Heinz Robisch verabredet sich jede Woche mit Werner Bauer (39). Bauer ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des ambulanten Hospiz- und Palliativ-Begleitdienstes der Malteser. Bauer und Robisch spielen gemeinsam Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, reden über alles mögliche, „aber nichts wirklich Persönliches“, wie der 69-Jährige erklärt.

Bauer ist ein zurückhaltender, fast schüchterner Mensch. Robisch eher das Gegenteil, sein trockener Humor ist charakteristisch für ihn. Dennoch: „Die Chemie zwischen den beiden stimmt“, sagt die Heimleiterin Heidi Keitzl. Und das sei das A und O, sagt Gudrun Zimmermann, die das Malteser-Projekt koordiniert.

„Ich bin froh, dass er da ist“, sagt Robisch über Bauer. „Ich dränge mich nicht auf“, betont dieser. So duzen sich beide, erst nachdem der Ältere dies dem ehrenamtlichen Helfer angeboten hat. Robisch tun besonders die gemeinsamen Spaziergänge gut. Aufgrund seines Rückenleidens würde er sich gar nicht allein so viel bewegen, räumt er ein.

Geld erhält Bauer für seinen Einsatz nicht, lediglich die Fahrkarte für den Bus von Moischt nach Marburg wird ihm bezahlt. Nachdem er arbeitslos war, ließ sich der junge Mann bei den Maltesern zur Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen ausbilden. Während der Ausbildung habe er für sich entdeckt, dass ihm das „Soziale“ liegt. „Ich wollte mich dann auch gern ehrenamtlich sozial engagieren“, sagt er. Nun ist er stolz, dass er auch beruflich diesen Weg geht. Er hat jetzt eine Stelle als Betreuer von körperlich und geistig behinderten Menschen.

„Für mich ist Werner Bauer ein Held. Er kümmert sich so gut um ältere Menschen. Er kommt mit jedem klar und ist so bescheiden“, sagt Gudrun Zimmermann. Der Pflegedienstleiter des Altenheims, Carsten Barthel, bestätigt dies. Er betont, dass die Altenpflegerinnen und Pfleger in Heimen keine Zeit haben, um alten und kranken Menschen beizustehen.

von Anna Ntemiris

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