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Wenn der Deich bricht, ist es zu spät

Hochwasserschutz Wenn der Deich bricht, ist es zu spät

Der effektive Schutz vor Hochwasser kostet nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit. Beispiele aus der Vergangenheit, bei denen Teile des Landkreises überflutet wurden, zeigen jedoch, dass diese Investitionen notwendig sind.

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Hochwasser im Januar 2010 in Wenkbach: Feuerwehrleute haben eine Kette gebildet, um die Sandsäcke abzuladen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Landkreis. Ganze Landstriche sind verschwunden - den Menschen steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Auch Helfer aus dem Landkreis beteiligen sich derzeit an den Hilfsaktionen im Osten Deutschlands. Sie schleppen Sandsäcke, versuchen die Wassermassen zurückzuhalten und das Schlimmste zu verhindern - ein Kampf, der in manchen Fällen nicht zu gewinnen ist. Medienvertreter sind vor Ort und berichten im Minutentakt von Pegelständen und neuen unheilvollen Entwicklungen entlang der notdürftig konstruierten Deiche.

Kann das auch bei uns passieren?

Gespannt blicken wir auf den Fernseher und verfolgen die Nachrichten, hören die Stimmen, die von zerstörten Existenzen berichten und sehen die Häuser in den Fluten verschwinden. Wir sind ganz nah dran am Geschehen. Und doch scheint ein solches Szenario für unsere Region so weit entfernt zu sein. Thomas Bothe, Geschäftsführer des Wasserverbands Lahn-Ohm, verweist bei diesem Gedanken unter anderem auf die Ereignisse aus dem Frühjahr 1984, als im Kreisgebiet Katas­trophen-Alarm ausgelöst wurde. Die Lahn schwoll damals am 8. Februar auf einen Rekord-Stand von 5,20 Meter an. Besonders betroffen waren die Stadt Wetter, das Lahntal und das Hinterland sowie die Ortschaften Argenstein und Roth. 800 Feuerwehrleute und 380 Bundeswehrsoldaten waren im Einsatz.

Seither ist viel passiert: „In den vergangenen 30 Jahren wurde viel gemacht. Man hat zusätzliche Retentionsräume geschaffen sowie Straßen- und Bahndämme entlang der Lahn erhöht“, sagt Thomas ­Bothe.

Kommunen fordern finanzielle Unterstützung

Eine Sache hat sich seit dem einschneidenden Naturereignis von 1984 jedoch nicht verändert: Schon damals forderten die betroffenen Gemeinden noch mehr finanzielle Unterstützung vom Land Hessen. „Der Hochwasserschutz liegt im Zuständigkeitsbereich der Kommunen. Diese haben aber kein Geld, um die notwendigen Maßnahmen durchführen zu können“, sagt Thomas Bothe. Städte wie Marburg und Gießen hätten da ganz andere finanzielle Möglichkeiten, sich dem Thema Hochwasserschutz zu widmen.

Im Kern geht es Bothe um die Unterhaltung der bestehenden Dämme entlang der Lahn: „Diese müssen regelmäßig befestigt werden. Bäume, die das Erdreich unterwurzeln, sollten entfernt werden. Andere Deiche müssten leicht erhöht werden.“ Viele Pläne seien dazu gemacht worden, die jedoch, so Bothe, allesamt wieder in den Schubladen der Verantwortlichen verschwanden.

Hochwasserpartnerschaft für politischen Druck

Damit die Kommunen eine stärkere Stimme bekommen, setzt sich Bothe für eine Hochwasserpartnerschaft ein. Dieser freiwillige Zusammenschluss von Gemeinden, die in einem hochwassergefährdeten Bereich entlang der Lahn liegen, soll als Sprachrohr dienen. „Wenn sich möglichst viele Kommunen dran hängen, erhöht sich auch der politische Druck auf die Entscheidungsträger“, sagt Bothe. Am vergangenen Dienstag fand ein erstes Gespräch zur Gründung einer solchen Partnerschaft statt. Neben Bothe waren auch ein Vertreter des Landkreises, des Gewässerverbandes Salzbödetal und des Wasserverbandes Kleebach sowie vom Unterhaltungsverband Obere Lahn und dem Wasserverband Oberes Lahngebiet zugegen. Besprochen wurde auch die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Katas­trophenschutz über die Grenzen der Kommunen ­hinaus.

Keine Illusionen

Geht es um die Gestaltungsmöglichkeiten in Sachen Hochwasserschutz, macht sich Bothe jedoch keine Illusionen. Neben den bedrückenden finanziellen Engpässen bleibt den meisten Gemeindevertretern kaum Zeit, sich neben ihrer offiziellen Tätigkeit auch noch ehrenamtlich mit dem Thema Hochwasser zu beschäftigen.

Hinzu käme in Einzelfällen die „Unvernunft mancher Bürger“, wie Bothe umschreibt. „In Cölbe haben wir zum Beispiel das Problem, dass bestehende Deiche zur Schaffung von Retentionsraum verlegt werden müssten. Dazu ist es notwendig, die Grundfläche zu erwerben. Leider sind hier viele Anwohner nicht bereit, einen Teil ihres Grundstücks zu opfern.“ Viel schlimmer: Einige versuchten sogar, Profit aus dieser Situation zu schlagen.

von Dennis Siepmann

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