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Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Bürgervorlesung Wenn das Herz aus dem Takt gerät

In der vierten Bürgervorlesung des UKGM und des Fachbereichs Medizin spricht Professor Dr. Bernhard Schieffer morgen im Hörsaalgebäude über Herzrhythmusstörungen.

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Der Kardiologe Professor Dr. Bernhard Schieffer, hier beim Einsetzen eines Herzkatheters, spricht morgen im Hörsaalgebäude über Herzrhythmusstörungen.

Quelle: privat

Marburg. Wer kennt die Situation nicht? Man fühlt sich ein wenig außer Puste, das Herz schlägt einem bei einem aufregenden Fußballspiel buchstäblich „bis zum Halse“: Menschen fassen sich in solchen Situationen gerne an den Puls - sie wollen sich vergewissern, dass alles in Ordnung ist.

Längst nicht jede Unregelmäßigkeit im Herzschlag deutet auf eine gefährliche Herzrhythmusstörung hin, sagt Professor Dr. Bernhard Schieffer, der Leiter der Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin am UKGM Marburg. Professor Schieffer stellt seine „Bürgervorlesung“ zu diesem Thema am Mittwochabend unter die Überschrift „Aus dem Takt geraten“.

Thematisiert werden sollen zunächst die langsamen Herzrhythmusstörungen. Der normale Herzrhythmus ist gestört, das Herz schlägt zu langsam. Symptome können sein zum Beispiel Schwindel, Unwohlsein, gelegentliches „in Ohnmacht fallen“. Eine vielfach wirksame Therapie, sagt Professor Schieffer im Gespräch mit der OP, ist der Herzschrittmacher, der dem Patienten eingepflanzt werden kann und dann für einen regelmäßigen Herzschlag sorgt.

Die schnellen Herzrhythmusstörungen, auch Vorhofflimmern genannt, sind die häufigste Form einer Herzrhythmusstörung, sagt Professor Schieffer. Vorhofflimmern tritt meistens bei Menschen mittleren oder höheren Alters auf. Sie sind aber, sagt der Kardiologe, mit Medikamenten, die die Frequenz des Herzens kontrollieren, oft gut zu behandeln. Schieffer verweist darauf, dass Vorhofflimmern oft ein Hinweis auf häufig begleitende Erkrankungen, wie Gefäßverengungen oder Herzschwäche sei. Die Ursache für die Beschwerden müsse deswegen unbedingt ­abgeklärt werden.

Vorstufe zu Kammerflattern

Die dritte Form der Herzrhythmusstörungen, die morgen Abend thematisiert werden, sind die Kammerrhythmusstörungen. Sie treten oft am strukturell vorgeschädigten Herzen auf, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt. Die Kammerrhythmusstörungen sind die gefährlichste Form von Rhythmusstörungen am Herzen, sagt Schieffer. Kammerrhythmusstörungen können zum plötzlichen Herztod führen. Sie sind oft die Vorstufe zu Kammerflattern oder Kammerflimmern. Das Herz schlägt in diesem Zustand mehr als 250 Mal pro Minute. Das Problem: Die Pumpleistung des Herzens sinkt, es transportiert nicht mehr ausreichend Blut in den Körper. Eine Therapieform ist der Katheter, eine andere der Defibrillator.

„Inzwischen gibt es in Marburg viele Defibrillatoren, die im Notfall schnell zugänglich sind“, sagt Professor Schieffer. In den vergangenen Jahren, so der Kardiologe, konnten acht bis neun Leben durch die schnelle Verfügbarkeit eines Defibrillators gerettet werden, berichtet er.

Professor Dr. Bernhard Schieffer ist als Nachfolger von Professor Bernhard Maisch seit Ende 2012 Leiter der Klinik für ­Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin. Er hatte einen Ruf aus Hannover erhalten. Schieffer baute in seiner Zeit in Marburg unter anderem den Chest Pain Unit (Brustschmerzeinheit) auf. Diese spe­zia­li­sierte Behand­lungs­ein­heit für Pati­en­ten mit aku­tem Brust­schmerz soll in der Schnittstelle von Notfallmedizin und Kardiologie Ursachen für akuten Brustschmerz schnell abklären und so helfen, die Sterblichkeit nach Herzinfarkten zu senken.

  • Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch um 18 Uhr im Hörsaalgebäude, Raum 1/0020. Die Einführung nimmt wieder der Ärztliche Direktor des UKGM, Professor Dr. Harald Renz, vor. Nach dem Vortrag von Professor Schieffer besteht noch Gelegenheit zu Fragen.
  • Weitere Termine der Bürgervorlesung: 22. Juni: „Sicher in den Urlaub“ - Impfen und Reisekrankheiten mit Dr. Birgit Wollenberg und Andrea Schroer vom Gesundheitsamt Marburg. 20. Juli: „Wenn ich nicht mehr weiß, wer du bist“ - Alzheimer und Demenz mit Professor Dr. Richard Dodel.

von Till Conrad

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