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Wenn Viren Bakterien bekämpfen

Forschungsförderung Wenn Viren Bakterien bekämpfen

Der Marburger Biophysiker, Professor Knut Drescher, erhält für seine Forschungen in den kommenden fünf Jahren eine Fördersumme in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

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Der Marburger Biophysiker Professor Knut Drescher.

Quelle: Zachary Donnell

Marburg. Der Biophysiker, Professor Knut Drescher, von der Philipps-Universität erhält für seine Arbeit 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC). Die Förderorganisation der Europäischen Kommission sprach dem Wissenschaftler jetzt einen „ERC Starting Grant“ zu, wie die Pressestelle der Marburger Universität mitteilte.

Drescher untersucht, wie bakterielle Gemeinschaften mit Viren interagieren. Der 33-jährige Wissenschaftler leitet seit Ende 2014 eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg und ist zugleich Professor für Biophysik am Fachbereich Physik der Philipps-Universität. Viele Bakterien leben in ihrer natürlichen Umgebung hauptsächlich in Gemeinschaften, die an Oberflächen heften, den sogenannten Biofilmen. Darin sind Millionen von Bakterien durch einen klebrigen Schleim miteinander verbunden, der sie vor Antibiotika schützt.

Als ein alltägliches Beispiel für diese bakteriellen Biofilme nannte Professor Drescher im Gespräch mit der OP den Zahnbelag (Plaque), den man morgens nach dem Aufstehen auf den Zähnen beobachten kann.

Bakterien sind normalerweise vor allem in ihrer Rolle als Krankheitsauslöser bekannt. „Doch sie haben auch selber Krankheiten“, macht Drescher deutlich. Und auf die Spur der Viren, die die Bakterien befallen, möchte sich der Marburger Biophysiker jetzt zusammen mit einem Team von zehn Wissenschaftlern begeben. „Wie bakterielle Biofilme mit Viren interagieren, die Bakterien befallen, ist bislang gänzlich unbekannt“, erklärt Drescher. Diese speziellen Viren (Bakteriophagen) seien sogar die am häufigsten vorkommenden Lebewesen auf der Erde, erläutert der Marburger Professor. „Können Viren also Biofilme töten? Vieles deutet auf ein klares ‚Jein‘ hin!“, führt Drescher aus. Damit meint er, dass die Mechanismen der Interaktion zwischen Bakterien und Bakteriophagen noch nicht im Detail aufgeklärt sind. Nach Anfängen der Erforschung in der frühen Phase der Molekularbiologie sei die Erforschung der Bakteriophagen vernachlässigt worden, bedauert Drescher.

Aus seiner Sicht zu unrecht, denn beispielsweise könnten die Bakteriophagen besonders angesichts der zunehmend Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika in Zukunft eine größere Rolle als Ersatz dieser zunehmend weniger wirksamen Medikamente spielen.

Grenzgebiet zwischen Biologie und Physik

Sein vom Europäischen Forschungsrat gefördertes Projekt widmet sich den molekularen und biophysikalischen Mechanismen, die darüber entscheiden, ob Viren effektiv Biofilme auflösen können. Dabei forscht Drescher im Grenzbereich zwischen Biologie und Physik.

Er begibt sich auf die Spur des Kampfes zwischen den Bakterien und Viren mit Hilfe von speziell angefertigten Mikroskopen und komplizierten physikalischen Messmethoden.

Besonders untersucht er auch die Transportmechanismen, die in der Interaktion zwischen Bakterien und Bakteriophagen eine Rolle spielen. Zuwendungen des Europäischen Forschungsrates gelten als hohe Auszeichnungen für junge wie für etablierte Wissenschaftler.

„ERC Starting Grants“ des Europäischen Forschungsrats fördern bahnbrechende Pionierforschung vielversprechender Nachwuchswissenschaftlerinnen am Beginn einer unabhängigen Karriere.

Alleiniges Auswahlkriterium ist dabei die wissenschaftliche Exzellenz der Forscher.

„Der ERC-Starting Grant für Professor Drescher verspricht, die enge Verzahnung von Natur- und Lebenswissenschaften an der Philipps-Universität weiter voranzutreiben“, sagt Professor Michael Bölker, Uni-Vizepräsident für Forschung.

„Die Bewilligung ist eine Riesenanerkennung für die Leistungen von Professor Drescher und ermuntert uns, die interdisziplinäre Forschung an Mikroorganismen weiter zu fördern, wie sie bereits am Marburger Zentrum für Synthetische Mikrobiologie sehr erfolgreich betrieben wird“, meint Professor Bölker.

von Manfred Hitzeroth

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