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Wenn Hollywood auf Klinikalltag trifft

Der "deutsche Dr. House" Wenn Hollywood auf Klinikalltag trifft

Ein bisschen Kunstblut, ein paar menschliche Dramen - das ist der Stoff aus dem Arzt-Serien gemacht sind. Für Professor Jürgen Schäfer ist das auch der Stoff, aus dem Vorlesungen gemacht sein können. Fiktion trifft auf Realität.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Irgendwie ist Professor Dr. Jürgen Schäfer mit seinem Spitznamen unzufrieden. Den „deutschen Dr. House“ nennen sie ihn hinter vorgehaltener Hand. Dabei weiß Schäfer bis heute nicht, ob dieser Spitzname Fluch oder Segen ist. Denn der Serien-Arzt Dr. House glänzt nicht unbedingt durch Menschlichkeit - wohl aber durch Fachkompetenz. Schäfer versucht beides zu sein. Menschlich und fachlich eine Leitfigur. Einen Punkt haben Schäfer und der fiktive Serien-Arzt unumstritten gemein: die Ideologie. Schäfer ist der festen Überzeugung, dass angehende Ärzte aus der Fernsehserie „Dr. House“ so einiges lernen können. „Diese Serie hält uns den Spiegel vor und zeigt uns, wie Medizin sein kann“, so der 57-Jährige.

Anlaufstelle für Patienten

Seit 2008 hat Schäfer gemeinsam mit seinen Kollegen Andreas Neubauer und Andreas Jerrentrup knapp 80 Vorlesungen gehalten, die die amerikanische Ärzteserie als Grundlage nehmen. Der Erfolg der Serie basiert auf einem einfachen Prinzip: „Unsympathischer Arzt löst ungewöhnliche Krankheitsfälle.“ Der Erfolg der Vorlesungsreihe ist ähnlich einfach zu erklären: Sympathischer Arzt überträgt die Fiktion in die Realität. Stellt immer wieder die „Was-wäre-wenn-Frage“. Was wäre, wenn so ein Fall in Deutschland, ach was, in Marburg, auftreten würde? Würde der Patient geheilt?

„Wir sprechen über Sachen, die selten sind, trotzdem aber vorkommen. Wenn man Huftrappeln hört, ist es häufig ein Pferd und selten ein Zebra. Wenn es aber ein Zebra ist, kann es hilfreich sein, schon einmal die Streifen gesehen zu haben“, erklärt Schäfer.

Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden haben ihn berühmt gemacht. „Es gab Zeiten, da saßen mehr Reporter als Studierende im Hörsaal.“ Und sie alle haben geschrieben, haben Interviews gedruckt, Beiträge in Radio und Fernsehen gesendet. Sie waren es, die Patienten aus ganz Deutschland auf Schäfer aufmerksam machten. Mittlerweile stapeln sich die Krankenakten in seinem Büro. Anfragen von verzweifelten Menschen, die sich eine Diagnose des Kardiologen und von seinem Team erhoffen. Menschen, deren Leidensweg schon lange, deren Hoffnung auf Heilung in Hoffnungslosigkeit umgeschlagen ist. Schäfer nimmt sich Zeit. Studiert die Akten. Diskutiert die Fälle mit Fachärzten der unterschiedlichen Abteilungen am Uniklinikum und manchmal auch in Seminaren mit seinen Studenten. „Manchmal“, sagt er und streicht über einen Ordner ungelöster Fälle, „werden die Abende schon lang.“ Aber Schäfer nimmt sich Zeit. Und Zeit ist im stressigen Klinikalltag Luxus. Ein Luxus, den er sich leisten kann. Spätestens, seit seine Forschungs- und Lehrarbeit von der Dr. Reinfried Pohl-Stiftung unterstützt wird.

Keine Schulbuch-Diagnosen

Schäfer ist sich bewusst, dass seine Arbeitsweise im stressigen Klinikalltag eine Ausnahme bleiben wird. Und trotzdem wünscht er sich eines: „Patienten mit unklaren oder schwer zu diagnostizierenden Erkrankungen brauchen eine Anlaufstelle.“ Und was könnte sich besser für dieses Vorhaben eignen als ein Uniklinikum? „Manchmal kommt man schon weiter, wenn man im Team diskutiert. Es ist doch unsere Stärke, dass wir für jede Krankheit hochspezialisierte Experten an unserem Klinikum haben. Hier gilt es, die Patienten zu den entsprechenden Spezialisten zu bringen.“

Diagnosen wie sie im Schulbuch stehen - für die meisten Ärzte kein Problem. „Wenn hier jemand mit einer akuten Blinddarmentzündung eingeliefert wird, weiß sogar unser Pförtner Bescheid.“ Schwer werde es dann, wenn es keine Erklärung für den Zustand eines Patienten gibt. „Wenn die Akten auf meinem Tisch landen, wird mir manchmal schummrig. Das sind zum Teil tragische Schicksale.“ Manchmal liegt die Lösung ganz nah. So wie bei der Patientin, die verzweifelt bei Schäfer anrief. Mehr als zehn Kilogramm Gewicht habe sie verloren. Kämpfe seit mehreren Jahren mit Übelkeit. Dabei habe sie nichts in ihrem Leben verändert. Nur einen Hund habe sie sich zugelegt. Einen kleinen, süßen. Aus Osteuropa. Früher Straßenköter, heute Schoßhündchen. Schäfer riet, Hund und Herrchen au

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