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Weniger Personal für die Hausbesuche

Fahrdienste im ÄBD Weniger Personal für die Hausbesuche

Durch die Schaffung neuer Fahrdienstbezirke beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) im Landkreis wächst das derzeit noch geteilte Marburg nebst Stadtteilen zu einem Gebiet zusammen.

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Noch hat der Ärtzliche Bereitschaftsdienst für den Landkreis seine Praxis am Diakoniekrankenhaus in Wehrda. Zum Juli könnte sich dies ändern. Ein Umzug ans Uniklinikum ist derzeit im Gespräch.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Um die Belastung möglichst gleichmäßig auf die drei verbleibenden Ärzte zu verteilen, strukturiert die KV die Fahrdienstbezirke in Abstimmung mit den Ärzten vor Ort um. So werden Marburg und Stadtteile ab April einen eigenständigen Bezirk bilden, wo es gegenwärtig noch ­eine Nord-Süd-Teilung gibt (siehe Grafik unten). „Das ist das Gebiet mit den meisten Menschen, dafür muss der Fahrdienst hier nur kurze Strecken zurücklegen“, begründet Dr. Barbara Froehlich (Archivfoto),  Obfrau für den ÄBD, die neue Regelung.

Das Gebiet West, das bislang ausschließlich aus den sieben Hinterland-Kommunen besteht, wird um die Gemeinden Weimar, Lohra und Fronhausen erweitert. Damit bleibt es flächenmäßig deutlich kleiner als der neue Bezirk Ost, zu dem der gesamte Nordkreis sowie die Gemeinde Ebsdorfergrund als südliche Spitze des Kreises dazugehören wird. „Der Fahrdienst Ost wird der mit den weitesten Wegen sein, dafür sind die Straßen gut ausgebaut und die Strecken können in kurzer Zeit zurückgelegt werden“, sagt Froehlich.

Ein Fall für den Fahrdienst sind Patienten, wenn sie außerhalb der Praxiszeiten einen Hausarzt benötigen und nicht transportfähig sind, „beispielsweise ein älterer Mensch mit hohem Fieber“, erklärt die Obfrau und hebt hervor, dass dies ein Service sei, den es nur hierzulande gebe. „In allen anderen Ländern muss man schauen, wie man dann zum Arzt kommt, oder man muss den Rettungsdienst rufen.“

Alter Mensch mit Fieber: Ein Fall für einen Hausbesuch

Ob einer der Ärzte zum Patienten ausrückt, entscheidet sich nach einem Gespräch mit der Dispositions-Zentrale in Kassel, die unter 116.117 erreichbar ist. Dort steht medizinisches Fachpersonal für ­eine telefonische Einschätzung und Beratung bereit, entscheidet dann, ob jemand rausfahren muss zum Patienten. Die Ärzte, die wochentags abends oder am Wochenende die Fahrdienste übernehmen, bekommen für ihre Bereitschaftszeit einen Stundenlohn von 43 Euro. „Die meisten von ihnen sind im Landkreis zu Hause und fahren die Dienste­ dann auch von daheim aus“, ­erklärt die Obfrau.

Es gibt für den Bereitschaftsdienst aber auch zwei Zimmer am Diakoniekrankenhaus in Wehrda und einen Raum in Dautphe, erläutert Froehlich. Diese Bereitschafts-Räume werden vor allem von den auswärtigen Ärzten genutzt, „viele übernehmen diese Dienste gern, sie sind eine gute Einnahmequelle“, sagt die Obfrau und schätzt, dass von den 320 niedergelassenen Ärzten im Landkreis rund 80 selbst Dienste im ÄBD übernehmen, die anderen lassen sich vertreten. „Neben Ärzten, die sonst nicht im Landkreis tätig sind, übernehmen auch Kollegen, die schon im Ruhestand sind, gern die Bereitschaftsdienste“, weiß Froehlich.

Die Ärzte finanzieren den Fahrdienst selbst, außerdem die ÄBD-Zentrale  am  Diakoniekrankenhaus in Wehrda, die sich außerhalb der Praxiszeiten um die Patienten kümmert. Die Kosten für die Bereitschaftspraxis und den Fahrdienst tragen die Ärzte selbst, „das ist so vorgeschrieben, weil wir uns, wenn wir uns als Ärzte niederlassen, dazu verpflichten, an sieben ­Tagen in der Woche für unsere Patienten da zu sein“.

Notdienst verschreibt auch Einlagen für die Schuhe

Jeder Arzt sei seinem Umsatz entsprechend beteiligt, erläutert Froehlich und spricht von Kosten bis zu 1500 Euro pro Praxis und Quartal. „Das wissen viele Patienten nicht, sie denken, die Krankenkassen kommen für das Angebot auf, ein weit verbreiteter Irrtum“, betont die Obfrau, die selbst Hausärztin in Marburg ist. „Wir bieten alles an, was sonst der Hausarzt anbietet“, erklärt Froehlich den Unterschied zwischen dem ÄBD und Notaufnahme am Uni-Klinikum, „wobei sich diese Dinge in der Praxis natürlich vermischen“. So kommt es auch vor, dass der ÄBD seine Patienten zur Behandlung ans Uniklinikum oder Diakoniekrankenhaus überweist.

Nach der Schließung von nach und nach vier ÄBD-Zentralen in den ländlichen Gebieten des Kreises gibt es außer­halb der Praxiszeiten für ganz ­Marburg-Biedenkopf inzwischen nur noch die Praxis­ am Hebronberg in Wehrda als ­Anlaufstelle. Am Wochenende behandeln die Ärzte dort laut Froehlich rund 120 Patienten täglich, „am 30. Dezember war ein echter Ausnahmetag, da ­waren es 180 ­Patienten“.

Von „echten Notfällen“ könne man dabei in rund zehn Prozent der Fälle sprechen, sagt die Ärztin. „Die meisten kommen mit Beschwerden, die sie seit Wochen haben. Oder sie brauchen ein ärztliches Attest für ihren Arbeitgeber und haben die Praxiszeit ihres Hausarztes verpasst. Wenn die schlechte ärztliche Versorgung beklagt wird, ist es von daher auch oft Jammern auf hohem Niveau.“ Und dann gebe es noch ­herausragende Fälle, die in ­Erinnerung blieben, wie beispielsweise vor einigen Jahren an einem Heiligabend, als ein junger Mann um 22.30 Uhr die Bereitschafts-Zentrale aufsuchte, um sich orthopädische Schuheinlagen verschreiben zu lassen. „Sonst hatte er einfach keine Zeit dafür“, sagt Froehlich schmunzelnd.

  • Indes laufen nach OP-Informationen Verhandlungen über einen Umzug der ÄBD-Zentrale von Wehrda auf die Lahnberge. Die Neueröffnung dort könnte im ­Juli dieses Jahres erfolgen. Die Verträge­ sind allerdings noch nicht ­unterzeichnet.
 
 

von Carina Becker-Werner

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