Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Wende zu einer neuen geistigen Welt

Christian-Wolff-Vorlesung Wende zu einer neuen geistigen Welt

Vollbesetzte Alte Aula bei der Christian-Wolff-Vorlesung: Der Kulturwissenschaftler Jan Assmann hielt einen Vortrag, in dessen Mittelpunkt die Exodus-Erzählung stand.

Voriger Artikel
"Kommissar Zufall" schlägt zu
Nächster Artikel
Muslime ächten Islamisten-Terror

Vollbesetzt war die Alte Aula der Universität (großes Bild) bei der Christian-Wolff-Vorlesung, die Jan Assmann (kleines Bild) hielt.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. In der Alten Aula der Marburger Universität war der Andrang  am Donnerstag so gewaltig, dass alle Sitzplätze belegt waren und dass zusätzliche Interessenten an dem Vortrag stehen mussten. Mehr als 900 Zuhörer – darunter viele Studierende – verfolgten dann die Christian-Wolff-Vorlesung des Fachbereichs Philosophie.

Ihr Interesse galt einem vielseitigen Kulturwissenschaftler, der eigentlich Ägyptologe ist. Doch der emeritierte Heidelberger Professor Jan Assmann hat über dieses eingegrenzte Fachgebiet hinaus mit einer Vielzahl von Publikationen in einem breiten Spektrum der Geistes- und Sozialwissenschaften auf sich aufmerksam gemacht. Und diese Bandbreite reiche von Büchern über Gerechtigkeit und Tod bis hin zu Analysen von Mozarts Oper „Zauberflöte“, erklärte Philosophie-Professor Wilfried Schröder, der Organisator der Christian-Wolff-Vorlesung.

Dieser wissenschaftliche Blick über den Tellerrand war wohl der Hauptgrund dafür, dass Assmann eingeladen wurde, die traditionsreiche jährliche Vorlesung zu halten.

Besonders durch die Frage nach den Wurzeln des Gewaltpotenzials der großen  monotheistischen Weltreligionen habe Assmann zuletzt große Aufmerksamkeit erzielt, betonte Schröder.

Das eigentliche Vortragsthema streifte allerdings nur einen Randbereich der Thematik. Assmann nahm sein jüngstes Buch „Exodus“ als Anlass für seinen Vortrag, in dem er die grundlegende Bedeutung des gleichnamigen Bibel-Buches aus dem Alten Testament beleuchtete. Das Exodus-Motiv stehe in Assmanns Interpretation als Chiffre für Befreiung und Emanzipation, erklärte Schröder.

In einem weitgespannten Bogen erläuterte Assmann bei seinem Vortrag dann die Hintergründe für den in der Bibel im 2. Buch Mose (Exodus) beschriebenen Auszug der Israeliten aus Ägypten und den Einzug in das Gelobte Land.

Unterfüttert wurde diese geistesgeschichtliche Rundtour auf einer Multimedia-Leinwand mit Original-Bibelstellen sowie Bildern, die auch kulturgeschichtliche Zusatzinformationen gaben.

So ähnelte die diesjährige Christian-Wolff-Vorlesung auch eher einer klassischen Uni-Vorlesung alter Schule als einem hochabstrakten philosophischen Fachvortrag.

„Schatzkammer religiöser Texte“

Professor Schröder hatte in seinen einleitenden Worten die Thesen Assmanns als Anregung für alle Religionsskeptiker und als eine Einführung in die „Schatzkammer religiöser Texte“ bezeichnet. Der Referent begann dann auch seine Ausführungen mit einer detaillierten Text-Analyse der „Exodus“-Schrift. Dazu streute Assmann aber auch spannende Informationen über  die kulturellen und geistigen  Wurzeln des ägyptischen Reiches und des Volkes Israels ein.

Im Grunde gehe es bei dieser biblischen Erzählung nicht vordergründig um den Auszug aus Ägypten, sondern um die Wende von einer alten zu einer neuen geistigen und religiösen Ordnung, meinte Assmann. Schließlich gelangte er am Ende seines Vortrags zu grundlegenden Überlegungen über Ethik, Religion. Dabei kam er zu der Schlussfolgerung, dass die Menschenrechte nicht auf dem Boden der Religionen gewachsen, sondern aus den Gedanken der Aufklärung erwachsen seien. Mit freundlichem Beifall dankten die mehr als 900 Zuhörer dem Referenten für einen anregenden Vortrag.

Über die Thesen Assmanns konnte im Anschluss noch bei einem Empfang im Kreuzgang der Alten Universität diskutiert werden.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr