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Weltweite Krisen als Forschungsthema

Tagung in Marburg Weltweite Krisen als Forschungsthema

Rund 400 Ethnologen aus ganz Deutschland werden von Mittwoch bis Sonntag bei der alle zwei Jahre stattfindenden Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde an der Marburger Universität erwartet.

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Wie weltweit mit Krisen umgegangen wird, ist Thema einer Tagung in Marburg, deren Plakat Professor Ernst Halbmayer zeigt.Foto:Hitzeroth

Marburg. „Krisen. Re-Formationen von Leben, Macht und Welt“: Unter diesem Motto erkunden Ethnologen ab Mittwoch, 30. September, bei der Marburger Tagung das Phänomen „Krise“ aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Tagungsplakat zeigt eine Art Weltkugel umrundet von daran züngelnden Flammen als Symbol der permanenten Krise.

„Krisen stellen Sicherheiten und Routinen infrage und implizieren Wandel und Transformation. Sie verweisen auf das Aufbrechen bestehender sozialer und kognitiver Ordnungen, markieren Wendepunkte und signalisieren den möglichen Beginn neuer Epochen“, heißt es im Tagungsband. „Krisen beinhalten auch Chancen und Potenzial für dynamische Entwicklungen und die Überwindung bestehender Verhältnisse“, meint Professor Ernst Halbmayr, Organisator der Tagung und Leiter des Fachs Kultur- und Sozialanthropologie (früher Völkerkunde) an der Uni Marburg.

Im Fokus der Forscher solle aber die Frage stehen, wie viel Veränderung Krisen wirklich mit sich bringen können oder ob sie doch letztlich wieder zu einer Stabilisierung der Verhältnisse beitragen.

Programm bietet eine Vielzahl an Workshops

„Mode und Styling in Zeiten von Krise“, die Ausprägungen von sozialen Protesten in Spanien, Bolivien oder Burkina Faso, die Bildungskrise oder die Klima-Krise: Das sind nur einige der Themen von einer Vielzahl von Workshops, die auf der Tagung stattfinden werden.

Dass das Wort Krise heutzutage teilweise inflationär gebraucht werde, bestätigt Professor Halbmayer im Gespräch mit der OP. Während sich aus dem europäischen Blickwinkel Bankenkrisen, die Ukraine-Krise oder die „Flüchtlingskrise“ im Mittelmeer im rasanten Tempo ablösen, soll bei der Tagung in Marburg vor allem die Vielfalt der Krisen außerhalb von Europa in den Blick genommen werden, berichtet Halbmayer. So beleuchten die Marburger Ethnologen bei ihren Forschungen traditionsgemäß den Wandel in den Gesellschaften in Lateinamerika.

Mit der Dynamik der Krisenbewältigung im Gefolge von Kriegen oder gewalttätig ausgetragenen internationalen Konflikten beschäftigt sich die Marburger Sozialanthropologin Dr. Sylvia Karl beim Plenum mit dem Titel „Machen Krisen Macht, macht Macht Krisen?“. So fragt sie, welche Mächte in Krisen beschworen, bekämpft und überwunden werden und welche Machtverhältnisse dabei durchgesetzt werden.

  • Den Hauptvortrag zur Eröffnung hält in der Alten Aula der Universität die Lateinamerika-Spezialistin Marisol de la Cadena (Anthropologin an der Universität Kalifornien), am Mittwoch, 30. September, ab 17 Uhr. Sie spricht über indigene Gruppen in Lateinamerika, die angesichts der Zerstörung der natürlichen Ressourcen die Politik mit ihren eigenen Formen des politischen Protestes konfrontieren.
  • Die öffentliche Plenarveranstaltung „Krisen, Medien, Ethnologie. Aufmerksamkeitsökonomie und Expertentum“ am Donnerstag, 1. Oktober, ab 18.30 Uhr befasst sich damit, dass die wachsende Bedeutung von „Social Media“ ethnologische Beiträge zu öffentlichen Debatten in einen neuen Kontext stellt. Ausgehend von der Frage „Was passiert, wenn alle mitreden“,diskutieren eine Journalistin und vier Ethnologen darüber, ob ethnologische Expertise in den Medien überhaupt noch gefragt wird.
  • „KrisenMomente“ ist der Titel einer eigens zur Tagung entwickelten Ausstellung, die im Institutsgebäude in der Deutschhausstraße 3 zu sehen ist. Unter anderem geht es darum, wie Krisensituationen in verschiedenen Kulturen in kulturellen, sozialen und religiösen Kontexten wahrgenommen werden - vom Ifa-Orakel in Lateinamerika bis hin zum Schattenspiel auf Java.

von Manfred Hitzeroth

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