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Welt betet für Kubas Frauen und Kinder

Weltgebetstag Welt betet für Kubas Frauen und Kinder

Kuba ist ein Land der Widersprüche, erklärt Pfarrerin Andrea Wöllenstein. Laut Verfassung sind Männer und Frauen gleichberechtigt, in der Realität sei das allerdings noch nicht angekommen.

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Tanzende Frauen in Kuba – am Weltgebetstag dreht sich in 170 Ländern alles um das Leben auf der Karibik-Insel. Dorther kommt die diesjährige Liturgie für die Gottesdienste.

Quelle: Weltgebetstags-Komitee

Marburg. Kräftigen Kaffee und feurige, karibische Klänge gibt es in deutschen Kirchen eher selten. Am Freitag soll der Gottesdienst zum Weltgebetstag in der Kirche Sankt Peter und Paul in Marburg damit um 18 Uhr beginnen. Denn im Fokus des Gebets steht die Karibik-Insel Kuba, ein Land im Wandel.

Ganz besonders richtet sich der Blick auf die Frauen und Kinder in Kuba, auch in vielen anderen Gemeinden im Landkreis beten die Menschen für diese Menschen. Das verrät auch das Motto: „Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf.“ Pfarrerin Andrea Wöllenstein, in der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck zuständig für das Referat Erwachsenenbildung, erklärt, warum das so ist: „Daran, wie es den Kindern geht, kann man sehen, wie es um eine Gesellschaft steht.“

Öffnung gen Westen sehen viele Kubaner mit Sorge

In Vorbereitung auf den Weltgebetstag hat sich die Pfarrerin während eines Studientags mit der Thematik auseinandergesetzt und das gewonnene Wissen an die Vorbereitungsteams in der Region weitergegeben. Wöllenstein zeichnet ein gemischtes Bild von der Karibik-Insel. Die Kubaner sind sehr gebildet, aber schlecht informiert, weil es kaum Zugang zum Internet gibt. Das System bietet große soziale Errungenschaften, erklärt Wöllenstein. So sei zum Beispiel die Gesundheitsversorgung vorbildlich und es gebe keine Kinderarbeit. Die Landwirtschaft arbeitet nach hohen ökologischen Richtlinien, wenn auch aufgrund wirtschaftlicher Zwänge. Viele Kubaner fürchten, diese Standards durch die Öffnung gen Westen einzubüßen. Wirtschaftlich betrachtet ist Kuba hingegen so arm wie ein Entwicklungsland, betont Wöllenstein.

Laut der Verfassung sind Männer und Frauen gleichberechtigt, dies spiegele sich in der Realität allerdings nicht wider. „Vielen Frauen in Kuba fällt es schwer, den täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu beschaffen“, berichtet Wöllenstein. Es gebe zwar Lebensmittelkarten, diese reichen aber schon lange nicht mehr aus und so kommt bei den allermeisten Kubanern nur sehr magere Kost auf den Tisch. Auch Gewalt gegen Frauen sei ein großes Problem. „Wie in vielen armen Ländern haben nicht wenige Männer Probleme mit dem Selbstbewusstsein und dem Alkohol.“ In der patriarchalischen Gesellschaft passe es auch nicht, im Haushalt mitzuhelfen. Diese Probleme sprechen im Gottesdienst fünf Charaktere an, die in die Rolle kubanischer Frauen und Mädchen schlüpfen.

Weltgebetstag ist größte ökumenische Basisbewegung

„Wir wollen freundlich sein und vergeben, wir möchten jeden Menschen annehmen als wertvoll bei Gott, wir werden die Hoffnung bewahren auf eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden ...“ Zum Abschluss des Gottesdienstes wollen die Teilnehmer diese Selbstverpflichtung sprechen. Das sei in Kuba so üblich, erklärt Wöllenstein. „Gemeinsam gesprochen, entwickelt dieses Versprechen Kraft. Weltweit verpflichten sich viele Menschen darauf.“ Diese Gemeinschaft in 170 Ländern sei es auch, die ihr am Weltgebetstag gut gefällt. „Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung. Rund um die Uhr betet an diesem Tag jemand aus diesem Anlass und mit Blick auf ein Land.“
Der Slogan der Bewegung lautet „Informiert beten, betend handeln“. Mit der Kollekte werden Frauenprojekte weltweit unterstützt. „Der Schwerpunkt liegt immer auf dem thematisierten Land, insgesamt findet die Unterstützung aber über mehrere Jahre nachhaltig statt“, erklärt Wöllenstein.

 
Hintergrund
Der Weltgebetstag findet alljährlich am ersten Freitag im März statt. Er widmet sich der Situation der Frauen in dem Land, das das Weltgebetstags-Komitee zuvor ausgewählt hat. Dieses Land entwickelt auch die Liturgie für die Gottesdienste – in 170 Ländern sprechen die Menschen dieselben Gebete, singen dieselben Lieder. Mit der Kollekte werden Projekte unterstützt zur Förderung von Teilhabe, Frauengesundheit, Bildung, Qualifizierung von Frauen und gegen Gewalt. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.weltgebetstag.de

von Philipp Lauer

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