Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Weiterer Zeuge belastet Angeklagten

Richtsberger Messerstecher-Prozess Weiterer Zeuge belastet Angeklagten

Im Prozess gegen einen wegen versuchten Mordes angeklagten Marburger beschuldigte ein weiterer Nachbar den Täter, ihn bereits Monate vor der Tat mit einem Messer bedroht zu haben.

Voriger Artikel
Mann stirbt nach Kollision mit Linienbus
Nächster Artikel
Das sehen die Kandidaten

Rechtsanwalt Thomas Strecker (links) mit dem Angeklagten, der sich vor dem Landgericht Marburg wegen versuchten Mordes behaupten muss.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Er kam gerade vom Brötchen holen, so wie jeden Morgen, als der aggressive Nachbar ihn scheinbar grund- und wortlos attackierte, teilte ein Nachbar des Angeklagten am Dienstag vor dem Landgericht mit. Der Übergriff geschah bereits einige Monate vor der eigentlichen Bluttat gegen einen anderen Nachbarn, der die Messerattacken nur knapp überlebte. Im Februar vergangenen Jahres traf der Zeuge im Eingangsbereich des Mehrparteienhauses am Richtsberg auf den Beschuldigten.

Ohne ein Wort zu sagen zückte der Mann die Waffe, „er bedrohte mich mit dem Messer, sagte dabei kein Wort“, erklärte der Zeuge. Das Messer zum Einsatz brachte der Nachbar nicht, stieß sein Gegenüber jedoch brutal die Treppe hinunter und verschwand wieder. Der Geschädigte brach sich durch den Sturz einen Arm sowie die Schulter, war wochenlang krankgeschrieben. Er zeigte den Täter an, das Verfahren wurde schlussendlich eingestellt.

Angebliche Provokation

Der auch im aktuellen Prozess als schuldunfähig geltende Angeklagte hatte bereits zuvor erklärt, dass der Nachbar ihn angeblich gezielt und wiederholt provozierte. Nach seinem Eindruck habe der besagte Brötchentüte aufreizend vor ihm geschwenkt, sich damit über seine prekäre finanzielle Situation „lustig gemacht“. Mehrmals hatte der Beschuldigte mitgeteilt, dass er sich zum Teil nicht einmal das Nötigste an alltäglichen Nahrungsmitteln leisten könne. Eine Provokation wies der überraschte Zeuge klar zurück, das Verhältnis zu dem Nachbarn beschrieb er bis zu dem Angriff als ganz normal und eher oberflächlich.

Daneben bezog die Staatsanwaltschaft zu dem am vorherigen Verhandlungstag von der Verteidigung gestellten Beweisantrag Stellung. Diese hatte ein Zweitgutachten über den psychischen Zustand des angeblich an paranoider Schizophrenie erkrankten Angeklagten gefordert, um die vermeintliche Schuldunfähigkeit anzufechten. Entsprechende Voraussetzungen dafür „liegen offenkundig nicht vor“, wandte sich Staatsanwalt Johannes Stochel gegen den Beweisantrag.

Den Eindruck, den das Gericht von dem Angeklagten bisher gewinnen konnte, stimme mit dem vorläufigen Gutachten der anwesenden Sachverständigen überein. Die Kammer vertagte eine Entscheidung über den Antrag bis zur Vernehmung der psychiatrischen Gutachterin. Diese wird ihre Einschätzung am Ende der Hauptverhandlung abgeben, die sich voraussichtlich noch bis Anfang März ziehen wird. Am kommenden Verhandlungstag soll erst einmal das Opfer zu Wort kommen.

  • Die Verhandlung wird am 23. Februar um 15 Uhr fortgesetzt.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Zeugin: „Täter wirkte erleichtert“

Am dritten Verhandlungstag berichtete die Ehefrau des schwer verletzten 
Geschädigten vom Tag der blutigen Messerattacke im Juli vergangenen Jahres am Richtsberg.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr