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Weiter eine schlechte Visitenkarte

Bauruine Weiter eine schlechte Visitenkarte

Seit inzwischen 17 Jahren ist das „Wasserschloss“ im Zentrum Gisselbergs ein Ärgernis für die Bewohner des Vororts. Ex-Ortsvorsteher Hans-Dieter Elmshäuser wünscht sich, dass die Bauruine endlich beseitigt wird.

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Die Bauruine des „Wasserschlosses“ im Ortskern ist für die Gisselberger schon seit 1998 ein enormes Ärgernis.

Quelle: Peter Gassner

Gisselberg. „Zu Dingen, die man früher getan hat, muss man stehen“, sagt Hans-Dieter Elmshäuser. Der 77-Jährige war über drei jahrzehnte lang Ortsvorsteher in Gisselberg (1974 bis 2005). Als ein Investor an der Kreuzung Gießener Straße/ Kreuzweg bauen wollte, „habe ich damals Hurra geschrien“, erinnert er sich.

Es sollte „Infrastruktur nach Gisselberg kommen“ – ein Szenario, das zu schön war, um wahr zu sein. Umso mehr ist es ihm nun ein Anliegen, „gegen das Unrecht zu kämpfen“. Plötzlich schien der Investor kein Geld mehr zu haben, setzte sich ins Ausland ab und hinterließ ein unfertiges Gebäude. 1998 war das – und seitdem hat die Stadt vermeintlich keine Handhabe gegen den einstigen Bauherren.

Nichtsdestotrotz ist die Situation für Elmshäuser kein haltbarer Zustand. „Gisselberg ist das südliche Einfallstor von Marburg – und da bietet die Stadt den Leuten von außerhalb solch ein Bild“, sagt er. Und auch die Anwohner müssten den Schandfleck „jeden Tag vor unseren Augen“ ertragen.

Menschen, die von weiterher nach Gisselberg kämen, sprächen ihn ständig auf das unfertige Gebäude an – „eine schlechte Visitenkarte für Marburg“. Doch nicht nur aus ästhetischen Gründen hält er einen Abriss der Bauruine für dringend geboten. Der Keller des Hauses stehe voll Wasser – der Hund eines Nachbarn sei dort bereits vor einigen Jahren ertrunken. Außer für Tiere bestehe aber auch Gefahr für Kinder und Jugendliche.

„Erst wenn etwas passiert, kommt der Aufschrei“

„Die laufen ständig in dieser Gegend herum – und so ein unfertiges Gebäude übt natürlich einen großen Abenteuer-Reiz aus“, sagt Gustl Ahlendorf (76), die lange Zeit zusammen mit Elmshäuser im Ortsbeirat tätig war. Mittlerweile bröckelten jedoch schon Steine von der Fassade ab und trotz verschlossener Türen und dem Bauzaun drumherum, könne man sich leicht Zutritt verschaffen. „Es muss immer erst etwas passieren“, moniert sie. „Aber dann kommt der Aufschrei“. Es sei ein Unding, „dass ein einzelner Besitzer so viel Macht ausüben kann und einen ganzen Ort verschandelt“.

Laut Bürgermeister und Baudezernent Dr. Fanz Kahle (Grüne) besteht jedoch nach wie vor keine Gefahr, die Bauaufsicht besichtige die Ruine regelmäßig. Zwischenzeitliche Sicherheitsmängel, wie etwa Lücken im Bauzaun seien behoben worden.  Erst wenn ein konkretes Einsturzrisiko bestehe, könne die Stadt die Eigentümerin auffordern, Sicherungsmaßnahmen, beziehungsweise einen Abriss vorzunehmen. Dies sei bei aktuellem Zustand jedoch noch nicht der Fall.

Elmshäuser vermutet, dass „es etwa 20 000 Euro kosten würde, eine Klage anzustrengen – eine lächerliche Summe, wenn ich sehe, was sonst so ausgegeben wird“. In anderen – reicheren – Wohngegenden „wäre schon längst etwas passiert“, meint auch Ahlendorf, die als Sekretärin für vier Landräte arbeitete. Der Magistrat möchte die erforderliche Summe für ein Insolvenzverfahren des Unternehmers – Kahle spricht von „einigen tausend Euro“ allerdings nicht aufbringen.

„Wir müssten dann in Vorlage gehen“, so Kahle. Da die Stadt jedoch nicht der größte Gläubiger sei, würde sie von diesem Geld vermutlich nichts zurück bekommen. Auch ein Kauf der unfertigen Immobilie scheidet aus. Im Internet sei sie jahrelang für eine siebenstellige Summe angeboten worden.

Hoffnung schien es schlagartig vor anderthalb Jahren zu geben. Die Eigentümerin meldete sich bei der Stadt und beantragte eine neue Baugenehmigung um das Gebäude fertigzustellen. Die Genehmigung wurde erteilt, doch bis heute passierte weiterhin nichts.

Was auch immer mit dem Gelände passiert, ist Elmshäuser egal. „Es müssen andere entscheiden, was dort hinkommt“, sagt er. Doch in einem ist er sich auch mit seinem Nachfolger Gernot Günther einig: „Einfach so bleiben darf es nicht“.

von Peter Gassner

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