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Weißes Sommerhemd statt schwarzem Talar

Baptistengemeinde Weißes Sommerhemd statt schwarzem Talar

Vor 170 Jahren musste sich die junge Marburger Baptistengemeinde noch im Verborgenen treffen.

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Vor zwei Jahren fand die 50-Jahr-Feier der Uferkirche statt. Damals entstand dieses Archivbild.

Marburg. Wenn die Mitglieder der evangelischen Freikirche ihre Kinder nicht spätestens bis zur sechsten Lebenswoche getauft hatten, drohten ihnen Belästigungen, Polizeiverhöre und empfindliche Geldstrafen. Heute sind die Baptisten in der Ökumene der mittelhessischen Universitätsstadt fest verankert.

Herzstück des Gemeindelebens ist der Gottesdienst, der jeden Sonntagmorgen in der 1956/57 errichteten Uferkirche an der Lahn stattfindet.

Pastor Wendel hält die mehr als eine halbe Stunde dauernde Predigt nicht im Talar, sondern im weißen Sommerhemd. „Das ist ein Zeichen für das Priestertum aller Gläubigen“, sagt er. Jedes Mitglied sei zum Dienst in der Gemeinde berufen. Der Talar werde nach baptistischer Tradition nur bei Taufen und Beerdigungen getragen, erklärt der 45-Jährige.

Ebenfalls rund eine halbe Stunde nimmt die Abendmahlsfeier in Anspruch. Dazu kommen die Gläubigen nicht an den „Tisch des Herrn“ nach vorne, sondern nehmen Brot und Wein sitzend entgegen, dargereicht vom jeweiligen Banknachbarn. „Mit dieser Form der Austeilung soll das Einander-Dienen ausgedrückt werden“, erklärt Wendel. Typisch baptistisch ist auch die Gebetsgemeinschaft, das öffentliche Beten vor dem Schlusssegen, an dem sich meist mehrere Gemeindemitglieder beteiligen.

Die Baptisten unterscheiden sich von anderen evangelischen Kirchen insbesondere durch ihre Taufpraxis und ihr Gemeindeverständnis. Sie lehnen die Kindertaufe als unbiblisch ab und praktizieren die Taufe der Glaubenden. Dazu werden die Täuflinge vollkommen untergetaucht. „Mitglied der Gemeinde können also nur Menschen werden, die zuvor gläubig geworden sind“, betont Wendel.

von Dieter Schneberger

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