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Wehrloses Opfer ins Visier genommen

Aus dem Landgericht Wehrloses Opfer ins Visier genommen

Er beging die Tat nicht, aber fungierte angeblich als Ideengeber. Inwiefern ein 38-jähriger Mann in einen Raub verwickelt war, beschäftigt nun die 1. Strafkammer des Marburger Landgerichts.

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Ein inzwischen gestorbener Rollstuhlfahrer wurde vor drei Jahren in seiner Marburger Wohnung überfallen. Der mutmaßliche Ideengeber für den Raubüberfall muss sich vor dem Marburger Landgericht verantworten.

Quelle: Archiv (Themenfoto)

Marburg. Am 18. Dezember 2013 drangen zwei Männer in eine Marburger Wohnung ein, um einen an Multiple Sklerose leidenden Rollstuhlfahrer und gleichzeitigen Drogendealer zu überfallen.

Während einer der Täter das Opfer mit Klebeband fesselte, brachte sich der zweite in den Besitz eines Safes, in dem mindestens 600 Euro versteckt waren. Das Duo floh und teilte die Beute unter sich auf. Der Geschädigte blieb unverletzt.

Um aufzuklären, inwiefern der Angeklagte in den Raub verwickelt war, musste sich das Gericht, dessen Vorsitz Richter Dr. Marco Herzog hatte, auf die Zeugenaussagen der beiden bereits verurteilten Räuber verlassen. Die Männer, ein 27- und ein 26-Jähriger, waren zu zweieinhalb beziehungsweise fünf Jahre Haftstrafe verurteilt worden.

Die beiden Männer gaben an, nicht auf gut Glück gehandelt zu haben. Der 38-jährige Angeklagte habe den Tipp geliefert, dass es bei dem Rollstuhlfahrer „etwas zu holen gab“, wie einer der Räuber meinte. „Dabei sein wollte er nicht, weil er das ­Opfer persönlich kannte“, sagte der 27-Jährige. Der Geschädigte konnte nicht aussagen, da er mittlerweile gestorben ist, und der Angeklagte machte keine Einlassung.

Weiterhin berichtete der 27-Jährige, dass der Angeklagte den Rollstuhlfahrer als leichtes Opfer dargestellt und auf Bargeld und Drogen in einem Safe in dessen Wohnung hingewiesen habe.

"Beim zweiten Mal wollte er nicht mehr"

Es sollte angeblich eine klare Aufteilung der Beute geben. „Wir beide sollten das Geld bekommen, der Angeklagte wollte das Rauschgift haben“, meinte der bereits Verurteilte.

Zweimal habe das Trio vor Ort die Lage geprüft. Doch angeblich machte der Angeklagte einen Rückzieher. „Beim zweiten Mal wollte er nicht mehr. Ich habe dann gesagt, dass wir es lieber lassen sollen“, sagte der 27-Jährige. Unisono behaupteten beide Täter, dass die „Sache“ für den 38-Jährigen danach erledigt war. Drei Wochen später verübte das Duo den Raub ohne Wissen des Angeklagten. Auch von der Beute erhielt dieser nichts.

Der 26-Jährige „mauerte“, wie es Oberstaatsanwalt Gert-Holger Willanzheimer nannte. Er konnte oder wollte sich an kaum etwas erinnern. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, ob das genaue Vorgehen im Vorfeld zu dritt besprochen worden war. Der 27-Jährige war sich hingegen sicher, dass zwischen den drei Männern lediglich Absprachen über die Aufteilung der Beute gemacht wurden.

Richter Dr. Marco Herzog wies darauf hin, dass, auch wenn die Tat letztlich anders ausgeführt wurde, als möglicherweise zwischen dem Trio besprochen, bereits die Planung einer derartigen Aktion eine Straftat darstellt.

Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag im Landgericht fortgesetzt.

von Benjamin Kaiser

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